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Fragen und Antworten

Was Sie jetzt zur Corona-Lage in Münster wissen sollten

Münster

Münster wird von der Omikron-Welle überrollt. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt überschreiten die Belastungsgrenze: Mehr als 500 Corona-Neuinfektionen wurden allein am Donnerstag bestätigt. Jetzt ändert die Stadt die Kontaktverfolgung.

Die aktuelle Corona-Welle bringt die Stadt und vor allem das Gesundheitsamt an die Belastungsgrenzen. Foto: dpa (Symbolbild)

In Münster sind am Donnerstag mehr als 500 Neuinfektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden - so viele wie noch an keinem anderen Tag bislang seit Beginn der Pandemie. Die Stadt Münster beantwortet in einer Pressemitteilung deshalb die wichtigsten Fragen  zur aktuellen Infektionslage in der Stadt.

Die Infektionszahlen sind in Münster sprunghaft angestiegen – wie lässt sich das erklären?

Bereits in den vergangenen Wochen hat sich durch teils hohe dreistellige Zuwächse im Tagesverlauf abgezeichnet, dass auch in der Stadt Münster die hochansteckende Virusvariante Omikron rasch das Geschehen dominieren wird. Vor allem junge Erwachsene infizieren sich mit dem Virus. Gleichwohl steigen die Zahlen in allen Altersgruppen. Einzelne Hotspots wie Großveranstaltungen mit hohen Infektionszahlen gibt es zwar nicht, allerdings werden zahlreiche Ansteckungsserien mit niedriger Fallanzahl registriert – so beispielsweise in Firmen, Reisegruppen, Senioreneinrichtungen oder Familien.

Aktuell sind über 2700 Münsteranerinnen und Münsteraner infiziert. Die Dunkelziffer wird ebenfalls deutlich anwachsen. „Das ist ein extremes Infektionsgeschehen, das uns natürlich Sorgen macht“, sagte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer. Ob zusätzliche Gründe für hohe Infektionszahl vorliegen, konnte Heuer noch nicht einschätzen.

Wie ist der Krankheitsverlauf der Betroffenen?

"Aufgrund der massiven Zuwächse kann der tatsächliche Krankheitsverlauf aller Betroffenen aktuell nicht bestimmt werden", heißt es in der Mitteilung. Ein großer Anteil der infizierten Personen sei vollständig geimpft, geboostert oder bereits genesen. Und: Die Zahl der in Münster stationär behandelten Infizierten sinkt. "Wir gehen derzeit davon aus, dass die Krankheitsverläufe im Infektionsfall nicht zuletzt aufgrund der hohen Impfquote in Münster deutlich milder ausfallen als noch vor einem Jahr", sagt Dr. Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des Gesundheitsamtes, "hierbei handelt es sich jedoch um eine Momentaufnahme."

Wie läuft bei so vielen Infizierten die Kontaktnachverfolgung?

Pro Infektionsfall sind stets auch mehrere Personen zu kontaktieren, häufig liegen jedoch die Kontaktdaten nicht vor und müssen in umfangreicher Recherche ermittelt werden. Ist dies erfolgt, sind die möglicherweise Betroffenen nicht sofort zu erreichen und machen mehrmalige Kontaktversuche erforderlich. Das "Team Corona" des Gesundheitsamtes Münster mit über 100 Mitarbeitern konnte aufgrund der immensen Zahl an Kontakten aller Infizierten zuletzt nur noch chronologisch nachverfolgen.

„Es ist für die Kolleginnen und Kollegen des Gesundheitsamts angesichts dieser Dimension nicht mehr möglich, einen tagesaktuellen Überblick über alle neuen Fälle sicherzustellen“, räumte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer ein. Schon am 23. Dezember wurde der Bezirksregierung nach Angaben der Stadt gemeldet, dass die Nachverfolgung nicht mehr vollständig möglich sei.

Diese fünfte Infektionswelle aber sorge nun für zusätzliche Anstrengungen, die "weit über der Belastungsgrenze liegen" und die auch von den 60 Neuanstellungen seit September 2021 und fortgesetzten Optimierungen in der Organisations- und Ablaufstruktur nicht aufgefangen werden können, wie die Stadt erläutert.

Was sind nun die Konsequenzen?

Um einen geordneten Betrieb aufrecht erhalten zu können und die Belastung der Nachverfolgungs-Scouts nicht weiter zu forcieren, erfolgt nun ein Schnitt. Die Nachverfolgung bislang betroffener Infizierter und etwaiger Kontaktpersonen wird nun für die zurückliegenden Fälle beendet. Da sich Betroffene nun nach bereits sieben Tagen aus der Quarantäne freitesten können, sei ein Schnitt zwingend erforderlich, so die Verwaltung.

Denn: "Die chronologische Bearbeitung der Neubefunde ist hier nicht mehr zielführend, weil wir nicht näher als drei oder vier Tage an das eigentliche Verarbeitungsdatum herankommen und sich somit manche Betroffene schon eher entisolieren können als wir eine Chance haben, den Kontakt zu ihnen aufzunehmen", so Schulze Kalthoff. Unter Einrechnung der Laborzeiten liege der Erstkontakt in der überwiegenden Anzahl der Fälle schon nach dem siebten Tag nach Abstrichdatum des Tests, wie es in der Mitteilung heißt. Das ist bei milden Verläufen im Regelfall schon ein Zeitpunkt nach Ende der Isolationsfrist.

Gilt dieser Neuanfang in der Nachverfolgung für alle Betroffenen?

Nein, nicht grundsätzlich. Die Kontaktpersonen-Nachverfolgung wird in Kitas, Schulen, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und ähnlichen Einrichtungen zur Unterstützung der jeweiligen Einrichtungsleitung uneingeschränkt fortgeführt. Die Kritische Infrastruktur soll unbedingt aufrechterhalten werden.

Wie wirkt sich das neue Verfahren aus?

"Ab heute machen wir einen Cut in der Bearbeitung und werden alle Infektionsfälle ab heute priorisieren, dabei die neuen, von der Bundesregierung vorgegebenen Isolationsfristen anwenden", sagt Schulze Kalthoff. Hierdurch wird ein zeitnaher Erstkontakt zu Infizierten wieder möglich. Auch für enge Kontaktpersonen ergeben sich Änderungen: Geboosterte oder "frisch" doppelt Geimpfte (weniger als drei Monate zurück), geimpfte Genesene oder "frisch" Genesene (weniger als drei Monate zurück) müssen nicht mehr in Quarantäne. Allgemein kann eine Isolation von Infizierten und Quarantäne von Kontaktpersonen nach sieben Tagen mit PCR- oder Schnelltest beendet werden. Ohne vorherige Testung ist eine Entlassung aus Isolation oder Quarantäne erst nach zehn Tagen möglich.

Welche Sonderregelung gibt es für betroffene Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern?

Infizierte müssen vor einer Entlassung aus der Isolation nach sieben Tagen mindestens 48 Stunden symptomfrei sein, außerdem ist ein PCR-Test verpflichtend vorzunehmen. Kontaktpersonen können nach sieben Tagen mit PCR- oder Schnelltest von der Quarantäne befreit werden.

Wie ist die Situation bei betroffenen Kindern und Jugendlichen?

Infizierte Kinder und Jugendliche können nach sieben Tagen mit einem PCR- oder Schnelltest aus der Isolation entlassen werden. Kontakte von Infizierten verlassen die Quarantäne nach fünf Tagen mit einem negativen PCR- oder Schnelltest.

Warum erfolgt ein solcher Schritt zu diesem Zeitpunkt?

Die Stadt Münster bereitet sich auf einen weiteren exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen vor, wie er sich bereits seit Wochen angekündigt hat. "Die aktuelle Lage lässt keine andere Verfahrensweise zu", heißt es in der Pressemitteilung.

Gibt es Möglichkeiten zur Unterstützung oder weitere Schutzvorkehrungen der Bevölkerung?

"Das Infektionsgeschehen ist extrem und bereitet uns natürlich Sorgen. Schutz ist aber möglich durch das Impfen bzw. Boostern, durch die Vermeidung enger Kontakte zu anderen Personen und durch das Tragen einer Maske. Unternehmen, Geschäfte und Einrichtungen sollten eine Verschärfung ihrer Kontaktregeln prüfen", sagt Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs. "Positiv ist, dass die extreme Zunahme der Infektionen bislang weitgehend entkoppelt ist von der Notwendigkeit der Versorgung von Covid-Patienten im Krankenhaus."

Was müssen infizierte Personen und deren Kontakte nun wissen?

Wer ein positives Testergebnis bekommen hat, für den gilt die sofortige Pflicht zur Isolation. Damit die Kontaktaufnahme zu positiv getesteten Personen zügig erfolgen kann, bittet das Gesundheitsamt darum, bei PCR-Testungen unbedingt die mobile Rufnummer sowie, falls vorhanden, eine E-Mail-Adresse anzugeben. Infizierte sollen ihre engen Kontakte der letzten zwei Tage vor Symptombeginn oder Testabstrich eigenständig darüber informieren, sich in zehntägige Quarantäne zu begeben. Bei Auftreten von Symptomen sollen sich Kontaktpersonen unmittelbar einem PCR-Test unterziehen.

Jeder Infizierte sei aufgefordert, sich in Isolation zu begeben und seine engen Kontaktpersonen der vergangenen vier Tage zu informieren, appellierte Heuer. Die Kontaktpersonenliste auf der Corona-Homepage der Stadt sei sorgfältig auszufüllen und dem Gesundheitsamt zuzusenden.

Und wie werden Personen dann aus der Isolation oder Quarantäne offiziell entlassen?

Dafür laden die Betroffenen nach der entsprechenden Dauer (s.o.) das negative Test-Ergebnis im Webportal der Stadt Münster (www.muenster.de/corona) hoch. Wichtig: Sie sollten die Einreichungsbestätigung am Ende des Web-Formulars unbedingt herunterladen. Hier werden die Betroffenen über die Beendigung der Isolation informiert.

Wo kann ein Schnell- oder PCR-Test zum Beenden von Isolation/Quarantäne erfolgen?

Für den Schnelltest kann ein Termin bei einer ärztlichen Praxis oder Teststelle vereinbart werden. Wichtig ist, dass das Testergebnis den Namen, das Geburtsdatum sowie das Testergebnis enthalten muss. Ein Screenshot aus der Corona-Warn-App ist nicht ausreichend. Alle Teststellen hat die Stadt Münster unter www.muenster.de/corona veröffentlicht. Wer nicht spätestens am zweiten Tag nach Eingang des Testergebnisses vom Gesundheitsamt kontaktiert werden kann, erhält am Ende des individuellen Isolationszeitraums (zehn Tage) automatisch eine Schlussbescheinigung.

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