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Theaterstück „Cybercops“ feiert Premiere

Cyber-Kriminalität im Klassenzimmer

Münster

Phishing-Mails, Cybermobbing und Hate-Speech: Das Theaterstück „Cybercops“ soll Schülerinnen und Schüler für Cyber-Kriminalität sensibilisieren. In der Realschule im Kreuzviertel feierte das Stück nun Premiere – auch wenn es erst niemand mitbekam.

Von Pjer Biederstädt

Thomas Richhardt (r.), Autor des Theaterstücks „Cybercops“, gab sich vor den Schülern der Realschule im Kreuzviertel als Kriminologe aus. Foto: Pjer Biederstädt

„Wenn ihr in einer Whatsapp-Gruppe ‚Du Arschloch‘ sagt, ist das genauso strafbar, wie wenn ihr es zu jemandem auf der Straße sagt.“ Cyberkriminologe Joachim Roller erklärt Schülerinnen und Schülern der Realschule im Kreuzviertel am Dienstagvormittag, wie man sich vor Kriminellen im Netz schützt – und selber nicht zum Täter wird. Was der Kunstkurs des neunten Jahrgangs nicht weiß: Joachim Roller ist gar nicht Joachim Roller.

Der Mann an der Tafel heißt Thomas Richhardt und ist Dramaturg und Theaterautor. Zusammen mit der Theatercompagnie Fetter Fisch (Regie: Cornelia Kupferschmid) hat er das Stück „Cybercops“ produziert, das in der Realschule im Kreuzviertel nun Premiere feierte.

Auf der Suche nach Hate-Speech und Cybermobbing

Kurios: Die Schülerinnen und Schüler merken gar nicht, dass es ein Theaterstück ist und sie selbst Teil dessen sind. Das liegt jedoch an der interaktiven Konzeption, die im Kontext Schule schnell als Unterricht gedeutet werden kann, als an den Zuschauern. Eine Schülerin sagt später, dass es sich eher wie ein Projekttag angefühlt habe.

Kein Vorhang, keine Bühne – Richhardt nutzt das Klassenzimmer-Setting als Plattform, erweitert um ein virtuelles Polizeirevier. Auf ihren Tablets wandeln die Teenager nun als Avatare über den Bildschirm. Spielerisch wird das eigene Schutzbedürfnis im digitalen Raum erforscht und vor Phishing-Mails gewarnt.

Gemeinsam lesen die Schüler ein Transkript von Computerzockern – ein sogenanntes Teamspeak-Protokoll. Amüsant: Schulleiterin Andrea Temme macht mit und feuert gemäß Textvorlage mit vulgärer Teenie-Sprache um sich – zur Freude der Schüler. Der Hintergrund ist aber ein ernster: die Suche nach Hate-Speech, Cybermobbing und Co.

Der Groschen fällt

Dann die Demaskierung: Aus Roller wird Richhardt. Der Groschen fällt, alles Theater. Und was hat‘s gebracht? Das Thema, so heißt es in der Feedbackrunde, sei interessant. Man fühle sich bei derartigen Problemen oft alleingelassen.

„Cybercops“ hat die Schüler sicher sensibilisiert, hätte deren Probleme und Erfahrungen aber stärker einbinden und manchem Thema mehr Tiefe einräumen können.

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