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Landesweite Kampagne: „Mein Kind nimmt Drogen“

Das Stigma soll weg

Münster

Viele junge Menschen machen Erfahrungen mit guten. Nicht zuletzt solche, die das gesamte Familienleben beeinflussen. Eine Elterninitiative fordert daher einen anderen Umgang mit dem Thema und ein Ende der Stigmatisierung.

Von Björn Meyer

Renate Ostendorf (l., Selbsthilfe-Kontaktstelle), Dr. Christiane Erbel (Mitte, Arwed) und Renate Firgau (Drogenhilfe der Stadt Münster) warben am Donnerstag mit betroffenen Eltern für einen offeneren Umgang mit der Drogenproblematik von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Foto: Björn Meyer

Der Infostand, der am Donnerstagnachmittag an der Stubengasse aufgebaut ist, ist klein. Aber er weist auf eine Problematik hin, die viel größer ist als die Öffentlichkeit, die sie gemeinhin bekommt. „Mein Kind nimmt Drogen“, heißt eine landesweite Kampagne, mit der die Arbeitsgemeinschaft der Rheinisch-Westfälischen Elternkreise drogengefährdeter und abhängiger Menschen e.V. (Arwed) in Münster in Zusammenarbeit mit der Drogenhilfe der Stadt und der Selbsthilfe-Kontaktstelle auf das entsprechende Thema aufmerksam machen möchte.

Laut Dr. Christiane Erbel, erste Vorsitzende von Arwed, betreffe das allein 47 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen. So hoch sei der Prozentsatz derer, die laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen Erfahrungen mit Drogen gemacht hätten. Wohlgemerkt mit den Drogen, die illegal sind. Nikotin, Alkohol und weitere maximal alterseingeschränkte Stoffe nicht mitgerechnet.

Erbel ist persönlich betroffen, ebenso wie alle weiteren Frauen von Arwed, die am Donnerstag an der Stubengasse auf das Thema aufmerksam machen. Sie sagt: „Man lässt uns mit der Thematik alleine.“

Gesamtkonzept – auch für Familien

Drogenkonsum sei tabuisiert. „Wir fordern daher ein Gesamtkonzept – auch für die Familien“, so Erbel.

In Münster gibt es Ansätze. Die Drogenhilfe der Stadt habe Angebote für Eltern von Kindern, die Drogen nehmen, betont Renate Firgau von der Drogenhilfe. Doch nicht nur mangelnde Angebote könnten zum Problem werden. Auch sei die Hemmschwelle für Eltern sehr hoch, sich Hilfe zu suchen, so Firgau, die betont, dass man das gleichwohl so früh wie möglich machen sollte. Schnell käme dann die Erkenntnis, wie gut es tue, sich auch im Elternkreis dazu auszutauschen.

„Ich schäme mich nicht dafür, aber ich befürchte Nachteile für mich und meine Familie, wenn man das öffentlich thematisiert“, kommt eine Arwed-Aktive aus Münster, die sich zu dem Drogenkonsum ihres Sohnes bekennt, auf die angesprochene Stigmatisierung zurück. Dabei betreffe das Thema alle gesellschaftlichen Schichten. Es sei schwierig, das Thema in der Politik zu platzieren, aber „wir fordern eine familienorientierte Hilfe“, sagt Erbel. Renate Firgau, Expertin der Stadt Münster, nickt: „Sucht ist eine Krankheit der Familie.“

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