Abgang bei den Linken

Dauerquerelen enden mit Parteiaustritt

Münster

Paukenschlag in Münsters Kommunalpolitik: Ein Jahr vor der Kommunalwahl verliert die Linke ihren bekanntesten Vertreter vor Ort. Und der zieht eine ernüchternde Bilanz über Programmatik und Partei.

Dirk Anger

Die Linke in Münster hat einen prominenten Austritt zu verzeichnen. Foto: dpa

Nach jahrelangem Streit zwischen Partei und Fraktion verliert „Die Linke“ in Münster ihren mit weitem Abstand bekanntesten Vertreter: Linke-Ratsfraktionschef Rüdiger Sagel tritt aus Partei und Fraktion aus, wie er am Freitag erklärte.

„Statt zukunftsorientierter demokratischer Politik gibt es bei der Linke nun mehrheitlich diktatorischen Sozialismus mit DDR-Programmatik in Münster und NRW für die Kommunalwahl 2020“, begründete der 64-jährige seinen nicht gänzlich überraschenden Rückzug aus der Partei, in die er 2007 nach seinem Austritt bei den Grünen gewechselt war. Offenbar war der frühere Landtagsabgeordnete auch des Klimas in bei den Linken überdrüssig: „Das persönliche Mobbing gegen alle pragmatischen Leute in der Partei ist ohnehin schon lange unerträglich.“

Schlaglicht auf den Zustand der Partei

Sagels Austritt wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der Linkspartei: „In den zehn Jahren Linke-Fraktion in Münster seit 2009 bin ich bereits der fünfte Fraktions- oder Gruppenvorsitzende, der austritt“. Das mehrheitliche diktatorische Agieren eines radikalen Zirkels in der Linke – gepaart mit einem ideologischen Fundamentalismus für Verstaatlichungs- und Sozialisierungsfantasien – sei für ihn nicht mehr aushaltbar. Die Partei sei tief gespalten und perspektivlos.

Rüdiger Sagel Foto: Ahlke

Die Chancen Sagels, bei der Kommunalwahl 2020 für die Linkspartei an prominenter Stelle ins Rennen gehen zu können, waren ob der andauernden Querelen ohnehin äußerst gering. Ob er sich nun kommunalpolitisch anderweitig engagiert, will Sagel Anfang der Woche bekanntgeben. Der diplomierte Bergbau-Ingenieur saß von 1998 bis 2012 im NRW-Landtag. Zwei Jahre später wurde er bei der Kommunalwahl als Spitzenkandidat in Münsters Rat gewählt.

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