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Den Schmerz mit Liedern sagen

Marie Séférian stellt im Cinema ihren Film „The Song of the Valley“ vor

Münster

Ungewöhnliche Idee: In den Libanon gehen und dort die Menschen von ihrem Leben und Leiden singen lassen. Die münsterische Sängerin Marie Séférian hat zusammen mit Matthias Leupold den Film „Das Lied des Tales“ gemacht.

Von Gerhard H. Kock

Marie Séférian (hier mit einer Libanesin) drehte einen Film über syrische Flüchtlinge im Libanon, ihre Geschichten, ihre Lieder. Foto: PD

Die Séférians sind bekannt für ihre Konzerte. Aber Film? Marie Séférian (Tochter des münsterischen Chansonniers Jean-Claude Séférian) hat sich in dieses Metier begeben, hat damit ein Stück Familiengeschichte in Erinnerung gerufen und macht dabei zugleich auf das verdrängte Leiden Millionen Geflüchteter aufmerksam. „The Song of the Valley“ heißt der ungewöhnliche Dokumentarfilm, den die mittlerweile in Berlin wohnende Sängerin am Samstag in ihrem „ehemaligen Lieblingskino in meiner Heimatstadt Münster“, im Cinema, vorstellen wird.

Zum Film ist Marie Séférian über einen kritischen Kommentar gekommen. Der Filmemacher Prof. Matthias Leupold hatte ihr seine Doku „Lighter Than Orange“ über die Langzeit-Folgen des Vietnam-Krieges gezeigt. Die Münsteranerin urteilte: „Film gut; Musik furchtbar.“ Und erhielt prompt den Auftrag, den „Sound“ zu verbessern. Das gefiel. Leupold und Séférian planten nun ein gemeinsames Projekt: „The Song of the Valley“ – eine Dokumentation über syrischen Flüchtlinge, die seit gut zehn Jahren im libanesischen Bekaa-Tal aus Angst vor Krieg und dem Assad-Regime leben. 1,5 Millionen Syrer hat der Libanon inzwischen offiziell aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen – und das in einem Land mit rund sechs Millionen Einwohnern.

Auf die Idee, in die Camps zu gehen, bekam Marie Séférian durch Befürchtungen in Deutschland, Flüchtlinge kämen, um zu bleiben. Außerdem ist der Libanon die Heimat ihrer Vorfahren: Ihr Vater ist in Beirut geboren und aufgewachsen. Marie Séférian hat für diesen Film ferner Gedichte ihres Großvaters Antoine Safar vertont, die er 1977 geschrieben hat, nachdem er aus dem Libanon mit seiner Familie nach Paris geflüchtet war.

In dem Film kommen aber vor allem die Geflüchteten zu Wort, genauer zum Gesang. Denn die Menschen singen für das deutsche Filmteam. Séférian: „Es sind wunderbare Stimmen dabei.“ Für sie als Musikerin interessant: „Die syrischen Flüchtlinge, die Moslems waren, haben ihre Antworten improvisiert gesungen.“ So singt der Syrer Ammar: „Im Libanon kann man nicht leben, überall diese Wärme und Hitze. Syrien ist die Heimat, der Wohnsitz der Beliebten.“ Und Kinder sangen von Räubern, die Kinder rauben. Die Libanesen indes sangen erlernte Hymnen auf ihr Land. Séférian sind zudem Menschen begegnet, denen Musik fremd geworden ist. Tabak-Bauern sagten ihr: „Wir können nicht mehr singen; hier gibt es nichts mehr zu singen.“

Séférian: „Uns ging es darum zu zeigen, dass die Menschen dort kein Interesse haben, wo sie hinkommen; sie wollen sich in ihrem Land, in ihrer Sprache, ihrem Ort zu Hause fühlen.“ Und dann fällt ihr ein, was ihre Großmutter von ihrem Vater erzählte. Als der fünf Jahre alt war, habe er seine Mutter gefragt: „Ist der Vogel ein Moslem oder ein Christ?“

Der Film wird am Samstag (20. August) um 18.30 Uhr im Cinema, Warendorfer Straße 45, gezeigt. Vor Beginn der Filmvorführung wird Marie Séférian ein Lied singen.

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