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Umzug mit 2,3 Millionen Objekten

Der Eisbär macht im Naturkundemuseum das Licht aus

Münster

Ein Eisbär im Aufzug? Das Rollbrett verrät: Dieses Exemplar ist nicht freiwillig zugestiegen, sondern wurde reingerollt. Der präparierte Landräuber gehört zur Sammlung des münsterischen Naturkundemuseums. Dort werden gerade die 2,3 Millionen Objekte zusammengepackt: Das Magazin zieht um in neue Räumlichkeiten. Dabei benötigen manche Exponate eine besondere Behandlung . . .

Gunnar A. Pier

Mit dem Aufzug macht sich der Eisbär auf den Weg. Gut, dass er präpariert ist . . . Foto: Gunnar A. Pier

Würde der Eisbär noch leben – dieser Transport käme ihm vor wie eine Erlösung. Raus aus dem menschenfreundlich klimatisierten Lagerraum, rein in die Kühlkammer mit angenehm-arktischen 20 Grad unter Null. In seinem jetzigen Zustand aber erträgt er den Szenenwechsel wie versteinert, denn er ist längst präpariert. Seine postmortale Zeit verbringt er im Lagerraum des LWL-Museums für Naturkunde in Münster. Diese Sammlung zieht gerade um. Ein Kraftakt der besonderen Art.

Wer das Naturkundemuseum neben dem Allwetterzoo besucht, sieht eine Menge. Aber das Allermeiste sieht er nicht: 2,3 Millionen Objekte hortet das Museum im verborgenen Lager.Darunter:

► 1000 Ethnologie-Objekte

► 13 000 Säugetiere

► 26 000 Vögel

► 100 000 Spinnen

► 250 000 Fossilien

► 500 000 botanische Objekte

► 1,125 Millionen Insekten

„Wir haben einen Sammlungsauftrag.“

Wozu das Ganze? Warum stehen im schmucklosen Regal lauter Tauben nebeneinander? Was macht der Luchs in der Holzkiste, und wer braucht Zehntausende aufgespießte Käfer? „Wir haben einen Sammlungsauftrag“, erklärt Museumsleiter Dr. Jan Ole Kriegs. Das Museum soll die Natur in Westfalen dokumentieren. Also werden Tiere, Pflanzen und andere Funde haltbar gemacht, dokumentiert, katalogisiert, archiviert. Das Herbarium beispielsweise ist die größte botanische Sammlung in NRW. Besonders Wissenschaftler nutzen abgeheftete Farne, Schmetterlinge in Glaskästen und präparierte Gänse im Regal. Sie können beispielsweise an Originalexponaten vergleichen, wie sich Tiere über Jahrzehnte verändert haben.

Löwe, Gnu und Wolf

Es gibt auch Schauobjekte, die keinen Bezug zur Region haben. Der Eisbär etwa, der in der Mitte des fensterlosen Lagerraums in der ersten Etage friedlich neben Löwe, Gnu und Wolf hockt. Am Donnerstag musste er seinen Platz vorerst räumen. Per Aufzug ging es runter in Richtung Kühlraum. Alle Objekte werden nach und nach für jeweils mindestens eine Woche tiefgefroren, um sie von etwaigen Schädlingen zu befreien. Bei -20 Grad Celsius würde der echte Eisbär aufleben – Milbe, Motte und Museumskäfer aber überleben das nicht.

Tiefkühlwochen vor dem Umzug

Die Tiefkühlwochen sind Vorbereitung für den großen Umzug: Alle Exponate finden eine neue Heimat im Stadtteil Coerde. „Das hier ist doch ein Behelf“, sagt Kriegs und schaut um sich in dem Raum, in dem Eulen aus den Regalen glotzen, ein Krokodil auf Kartons liegt und oben auf einem Brett der Pinguin rumsteht, den Boerne neulich im Münster-Tatort-Dreh auf dem Seziertisch liegen hatte. Das Lager ist zu klein, die Klimatisierung nicht ausreichend. Zudem ist der Bestand derzeit aufgeteilt auf mehrere Lagerräume im Münsterland. In Coerde wird alles unter einem Dach landen.

Solch ein friedliches Nebeneinander von Wolf, Löwe, Gnu und Eisbär gibt‘s wohl nur im Museum: Die präparierten Tiere stehen im Lager des LWL-Museums für Naturkunde in Münster. In diesen Wochen zieht die komplette Sammlung um. Foto: Gunnar A. Pier

Umzug läuft

Zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert. Jetzt läuft der Transport auf Hochtouren. „Gut die Hälfte ist drüben“, sagt Kriegs. Und vieles ist wie beim privaten Umzug: Gleichzeitig wird neu sortiert, vermisste Objekte tauchen wieder auf, die Inventarlisten lassen sich aktualisieren. Nur eins ist anders: Weggeworfen wird nichts. Niemals.

Ein Sammler in seiner Sammlung: Dr. Jan Ole Kriegs leitet das Naturkundemuseum neben dem Allwetterzoo in Münster. Foto: Gunnar A. Pier

Kistenweise fahren die 2,3 Millionen Objekte in diesen Tagen ins neue Lager. Einer aber wird bis zum Ende bleiben: der Eisbär. Am 2. April soll er feierlich als letzter das alte Lager verlassen. Der Eisbär macht das Licht aus.

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