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ZDF-Redakteur Martin R. Neumann

Der Mann hinter der "Wilsberg"-Reihe geht in den Ruhestand

Münster

Ohne Autor Jürgen Kehrer hätte es "Wilsberg" nie gegeben. Dass der Privatdetektiv nun seit mehr als 25 Jahren auch im Fernsehen zu sehen ist, liegt vor allem an ZDF-Redakteur Martin R. Neumann. Nun verabschiedet er sich von der Krimi-Serie.

Abschied bei den Dreharbeiten zum neuesten "Wilsberg": ZDF-Redakteur Martin Neumann (M.) geht am 1. Dezember in Ruhestand. Die Darsteller (v.l.) Leonard Lansink, Patricia Meeden, Oliver Korittke und Rita Russek nahmen ihn noch einmal in ihre Mitte. Foto: ZDF/Thomas Kost

Martin R. Neumann ist der Mann hinter der ZDF-Wilsberg-Reihe. Am Mittwoch (1. Dezember) in den Ruhestand. Oberbürgermeister Markus Lewe bedankte sich deshalb in einem Schreiben bei Neumann für seine Verdienste um die Stadt Münster.

30 Jahre war der gebürtige Bielefelder laut einer städtischen Pressemitteilung Redakteur beim ZDF, über 25 Jahre dort zuständig für "Wilsberg". Auf den Privatdetektiv und Antiquar, den Autor Jürgen Kehrer ersann, brachte Neumann Anfang der 90er Jahre ein Schulfreund aus alten Tagen, der in Münster lebt. "Er machte mich auf Kehrer aufmerksam, ich habe den Stoff der Redaktion vorgeschlagen und weiterentwickelt."

Neumann hielt an "Wilsberg" fest

Ein Held wie "Wilsberg" lag damals jedoch gar nicht im Trend, es war im TV die Zeit der starken Frauen. "Man wollte keinen schwachen Mann", so Neumann in der Mitteilung der Stadt. So habe er zunächst reichlich Gegenwind für seinen Vorschlag bekommen. Doch Martin Neumann hielt an seinem "Wilsberg" fest und der Erfolg gibt ihm Recht: Nach mehr als 25 Jahren ist das Format erfolgreicher denn je, die Ausstrahlungen erreichen regelmäßig Rekord-Quoten. "Ich hätte nicht gedacht, dass so eine Lawine losgeht", sagt Neumann.

Den Grund für Wilsbergs Erfolg vor allem auch beim jungen Publikum sieht Neumann unter anderem in der Themen-Vielfalt der Münster-Krimis. Es sei ihm immer sehr wichtig gewesen, aktuelle Themen aufzugreifen, jedoch ohne gleichzeitig den mahnenden Zeigefinger zu erheben. So muss sich der eher altmodische "Wilsberg" in seinen Fällen immer wieder mit hochmodernen Entwicklungen auseinandersetzen, wie Gesichtserkennung, Whistleblowing, Gefahren in sozialen Netzwerken oder – wie in der jüngst abgedrehten Episode "Folge mir", in der es um das Schicksal einer Influencerin geht.

Martin R. Neumann

Auf der anderen Seite zeichneten sich die Krimis durch Gewaltlosigkeit aus. "Wir verzichten auf übertriebene und unnötige Gewaltdarstellungen", so Neumann. "Aus den Rückmeldungen wissen wir, dass unser Publikum dafür sehr dankbar ist." Und natürlich sei Münster "die richtige Stadt für dieses schöne Format". Die Stadt sei Teil seiner westfälischen Heimat, so Neumann, "ich blicke sehr glücklich auf 30 Jahre Münster zurück".

Der städtische Filmservice Münster-Land unterstützt "Wilsberg" und sein Team bei den Dreharbeiten. So fühle sich die Wilsberg-Familie von der Stadt herzlich aufgenommen, betont Neumann.

Neumann ließ Zuschauer am Drehbuch mitarbeiten

Seiner Zeit weit voraus war Neumann mit dem Projekt "eScript", das er 2001 ins Leben rief, eine Internet-Initiative, in deren Rahmen die Zuschauer an einem Wilsberg-Drehbuch mitarbeiten konnten. Dafür gab es den erstmals verliehenen Grimme-Online-Award.

Pläne für seinen nun beginnenden Ruhestand hat der 64-Jährige noch nicht. In jedem Fall möchte er mit seiner Frau "viel reisen". Und bestimmt bleibt er "Wilsberg" in der ein oder anderen Weise weiter verbunden. Seine Wilsberg-Nachfolge in der Hauptredaktion Fernsehspiel tritt Florian Weber an.

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