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Serie: 75 Jahre WN und 150 Jahre MZ

Der Pontifex im Paulusdom

Münster

Die Serie zum Zeitungsjubiläum in Münster erinnert an bedeutende Ereignisse der Nachkriegs-Stadtgeschichte. Eines davon war der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Mai 1987.

Von Johannes Loy

Johannes Paul II. kniet im Dom zu Münster am Grab des Kardinals Clemens August Graf von Galen. Hinter ihm steht der damalige Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann. Foto:

„Der Nachfolger des Petrus kommt zum Nachfolger des Ludgerus und zu Euch allen hier im Bistum, um Euch im Glauben zu stärken.“ Mit diesen Worten stellt Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 in seiner Ansprache auf dem Schlossplatz in Münster die Verbindung zwischen Rom und Westfalen her. Zum ersten Mal in der Geschichte betritt ein Papst den Boden des Bistums Münster. Höhepunkte dieser zweiten Pastoralvisite in Deutschland sind die Seligsprechung der Karmelitin Edith Stein in Köln sowie die des Jesuitenpaters Rupert Mayer in München.

Die Westfalenmetropole glänzt im Fahnenschmuck, annähernd 100 000 Menschen jubeln, als die Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes am Nachmittag des 1. Mai eine Ehrenrunde über der Innenstadt drehen und dann zur Landung vor dem münsterischen Schloss ansetzen.

Mit dem Papamobil und in Begleitung von Bischof Reinhard Lettmann fährt der Papst vom Schlossplatz über den Prinzipalmarkt zum Dom. Die Ansprachen des Papstes bei den Vespergottesdiensten vor dem Schloss und auf dem Domplatz sind geprägt von seinem Einsatz für die Würde des Menschen und den Schutz des Lebens von Anfang an.

„Prophetische Worte“ von Galens

Prophetisch seien die Worte des Kardinals von Galen gewesen, sagt der Papst, der später im Dom am Grab des „Löwen von Münster“ niederkniet. „Wieder gibt es heute in der Gesellschaft starke Kräfte, die das menschliche Leben bedrohen. Euthanasie, Gnadentod aus angeblichem Mitleid, ist erneut ein erschreckend häufig wiederkehrendes Wort und findet ihre neuen irregeleiteten Verteidiger. Auch kann die Kirche zur fast völligen Freigabe der Abtreibung in eurem Land und in zahlreichen anderen Ländern nicht schweigen.“

Und er ruft seine Zuhörer auf, für den Rechtsschutz des Lebens auch öffentlich einzutreten: „Nehmen wir doch endlich auch den Menschen selbst auf unter die Güter, die unseren höchsten Schutz verdienen und für die es sich lohnt, um breite Zustimmung unter der Bevölkerung zu werben.“

Begegnung mit alten und behinderten Menschen im Dom

Im Dom begegnet der Papst alten, kranken und behinderten Menschen. Im Priesterseminar nimmt Johannes Paul II. Quartier.

Tags darauf geht es zum Niederrhein nach Kevelaer, neben Altötting der bedeutendste Wallfahrtsort in Deutschland. Für den großen Marienverehrer Johannes Paul II. ist dieser Besuch ein besonderes Herzensanliegen. Der Papst kniet am Gnadenbild nieder, eröffnet offiziell die Wallfahrtssaison, weist in seinen Ansprachen auf die Bedrohung des Friedens in der Welt hin und fordert die Weltmächte zum Abbau der Vernichtungswaffen auf.

Seligsprechungsprozess wird 2004 abgeschlossen

Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass sich nur gut zwei Jahre später der Eiserne Vorhang in Deutschland heben wird. Der Seligsprechungsprozess für Kardinal von Galen wird von Johannes Paul II. Ende 2004 abgeschlossen. Die Seligsprechungsfeier für Galen, die am 9. Oktober 2005 im Petersdom zugleich die Feierlichkeiten des Bistums Münster zum 1200-jährigen Bestehen krönt, wird Johannes Paul II. jedoch nicht mehr erleben. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits sein Nachfolger Benedikt XVI. im Amt.

75 Jahre WN

Anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Westfälische Nachrichten“ stellen wir in den kommenden Wochen im Rahmen einer Serie herausragende Ereignisse aus der münsterischen Stadtgeschichte seit Ende des Zweiten Weltkrieges vor – vom Wiederaufbau über Papst- und Gorbatschow-Besuch bis hin zum Jahrhunderthochwasser und zur Amokfahrt.

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