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Prozess vor dem Landgericht

Der Raub, der vielleicht keiner war

Münster

Ein Raub im Drogenmilieu – oder doch nicht? Zwei Zeugen des Vorfalls im Sommer 2018 vor dem Hauptbahnhof bestätigen, dass die Situation gar nicht bedrohlich war. Dennoch bleiben viele offene Fragen.

Lukas Speckmann

  Foto: Stadt Münster

Wer einem anderen ein Messer vor den Bauch hält, um dessen Portemonnaie abzugreifen, bekommt es mit Polizei und Staatsanwaltschaft zu tun. „Schwerer Raub“ lautet der Vorwurf gegen einen jungen Mann aus Ascheberg, der im Sommer vor dem Hauptbahnhof mit Hilfe eines Freundes einen zahlungsunwilligen Drogenkunden derart beraubt haben soll; der Prozess wurde, wie berichtet, im Dezember vor dem Landgericht eröffnet .

Eigentlich eine Sache, die an drei Verhandlungstagen erledigt sein sollte. Nun ist der vierte Verhandlungstag verstrichen, der fünfte ist anberaumt, und der Vorsitzende droht die Geduld zu verlieren: „Diese Hampelei bringt nichts!“ Kurzfassung: Es ist unklar, ob es den Raub vor dem Hauptbahnhof Ende Juli 2018 tatsächlich gegeben hat. Es ist aber klar, dass an der ganzen Sache irgendwas dran ist, zumindest in Sachen Drogen: Widersprüche, Ablenkungsmanöver, Entlastungszeugen, die aus dem Nichts auftauchen, und ein Angeklagter, der irgendwann schweigt, um sich nicht selbst zu belasten, machen die Verhandlung schwierig.

Zwei Zeugen bestätigen nun, dass das vermeintliche Opfer das Portemonnaie freiwillig gezückt habe, um den Personalausweis als Pfand für unbezahlte Schulden zu übergeben. Ein Messer sei nie im Spiel gewesen. Zugleich aber räumen die beiden ein, zuvor vom Angeklagten zu einer Falschaussage angestiftet worden zu sein, um von seinen Drogengeschäften abzulenken. Nicht sehr glaubwürdig.

Wie glaubwürdig aber ist das Opfer, also der Hauptbelastungszeuge? Erst war aufgrund seiner Aussage ein offenbar völlig Unbeteiligter in Haft genommen worden – und jetzt ist er nach dem Abbruch seiner Drogentherapie unauffindbar. Er hätte am Dienstag erneut aussagen sollen.

Ohne ihn geht es aber nicht. Deshalb unternimmt das Gericht am 30. Januar einen neuen Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen.

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