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Freifunker basteln ein kostenloses WLAN für alle

Der Traum vom Überall-Internet

Münster

In anderen Ländern hat man meist kein Problem unterwegs ein offenes und kostenloses WLAN zu finden. Nur Deutschland tut sich schwer mit einem öffentlichen, freien Internetzugang. In Münster könnte sich das bald ändern.

Markus Lütkemeyer

Das Einrichten dauert 15 Minuten: Aber (v.l.) Jan-Marten Brüggemann und Andreas Riddering haben ja auch schon Routine. Die Freifunker haben zuletzt die Peacock Lounge und den Schlossgarten mit öffentlichem WLAN ausgestattet. Foto: mlü

Kabellos überall ins Netz – davon träumte Münster im letzten Kommunalwahlkampf. Politiker der großen Parteien wollten frei verfügbares mobiles Internet in Münsters Innenstadt. Zu aufwendig, zu teuer, war die Antwort des städtischen IT-Dienstleisters. Seitdem ist es still geworden um das Thema. Jetzt ist eine Art „digitale Graswurzelbewegung“ entstanden, die das Projekt mit bürgerschaftlichen Engagement voranbringt.

Die Initiative Freifunk bastelt an einem kostenlosen WLAN für alle. Der Anfang ist gemacht: Über 76 Zugangspunkte soll es schon geben – jeder kann mit einfachen Mitteln das öffentliche Netz erweitern. Durch die Schwarmmethode (jeder stellt bei sich einen Knoten auf) funktioniert der Aufbau rasch und unbürokratisch. „Wenn die Stadt freies ­WLAN einrichtet, müsste sie viel Geld für eine Infrastruktur bezahlen. Unsere Lösung kommt von unten, sie ist billig“, sagt der Freifunker Andreas Riddering.

Wie funktioniert Freifunk?

Hinter dem Projekt stecken ein paar Computerbastler vom Verein Warpzone. Sie haben die Freifunk-Software weiterentwickelt und helfen beim Einrichten der Zugangspunkte. Ihr letzter Einsatz: Sie haben die Peacock Lounge auf der Jüdefelderstraße an das Bürger-Netz angeschlossen. Für Inhaber der Bar, Götz Rudolph, liegen die Vorteile auf der Hand: „WLAN ist einfach schneller als UMTS“, zumal Internet über Mobilfunk meist nicht bis in die letzten Winkel der Gebäude reicht.

Problem Störerhaftung

Der Inhaber eines Internet-Anschlusses bekommt hierzulande Ärger, wenn über seine Leitung beispielsweise illegal Musik herunterladen wird. Das nennt man Störerhaftung. Wie die Freifunker dieses juristische Problem gelöst haben, wird hier erklärt.

Hinter dem Freifunk-Netzwerk steckt eine idealistische Idee. Wer mitmacht, teilt seinen Internetzugang mit anderen ohne Gegenleistung. Wer sich in den Freifunk einwählen will, muss in der Nähe eines Zugangspunktes einfach nur das WLAN anschalten. Ein Passwort braucht niemand.

Den Freifunkern geht es aber weniger um das Gratis-Surfen im Internet, sondern im Vordergrund steht die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. „Das Internet wurde einmal für Universitäten und den freien Gedankenaustausch geschaffen“, sagt Riddering. Das Ziel ist ein Internetzugang, der nicht von Staaten oder Firmen kontrolliert werden kann, sondern in Bürgerhand liegt.

Wer mitmachen möchte , braucht einen handelsüblichen Router. „Die gibt es schon ab 15 Euro“, so der Informatik-Student Riddering. Dann muss die vorinstallierte Software gegen die Freifunk-Software ausgetauscht werden. Wer sich das nicht zutraut, bekommt beim Verein Warpzone Hilfe oder kann dort zum Selbstkostenpreis Router kaufen, die bereits präpariert wurden. Dann muss der Router nur noch angeschlossen und eingerichtet werden. Auch dabei helfen die Freifunker.

Und was ist mit öffentlichen Plätzen, der Promenade, städtischen Gebäuden – wie sollen die abgedeckt werden? Die Freifunker hoffen langfristig auf eine Kooperation mit der Stadt oder den Stadtwerken. „Die Stadt könnte erst einmal für 30 oder 60 Euro ein paar Freifunk-Router im Rathaus oder in den Bürgerbüros aufstellen und experimentieren“, schlägt Riddering vor.

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