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Ausstellung im LWL-Naturkundemuseum

Der Überlebenskünstler Mensch und seine Erfindungen

Münster

In der Hütte mit dem Strohdach hustet ein Kind. Vorwurfsvoll beinah. So leise, dass es während des Vortrags von Lisa Klepfer fast nicht zu hören ist. Immer wieder. Und so schnell wird es auch nicht damit aufhören.

Stefan Werding

Verspielte Bilder liefert die neue LWL-Ausstellung – so wie diese Neandertalerin mit Kopfhörern. Foto: Wilfried Gerharz

Das Husten ist Teil der neuen Sonderausstellung „Überlebenskünstler Mensch“ im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. „Wir hatten das Husten erst so eingestellt, dass es öfter zu hören war“, sagt Ausstellungsmacherin Lisa Klepfer, „aber das macht einen wahnsinnig“.

Das soll die Ausstellung nicht. Aber sie will den Zuschauern helfen, Antworten auf Fragen wie „Wer sind wir?“, „Wo kommen wir her?“ und „Wo gehen wir hin?“ zu finden. Und Klepfer hat Journalisten am Dienstag schon mal durch die Ausstellung geführt, die Freitag eröffnet werden wird.

Durch die Meere uns ins Weltall

Nach ihren Worten hat es der Überlebenskünstler Mensch geschafft, nicht nur mit Hilfe der Internationalen Raumstation ISS das Weltall zu erobern, durch die Meere zu tauchen, den Nord- und Südpol zu erlaufen und die Wüste zu beleben. „Er hat fast alle Winkel der Erde besiedelt“, sagt Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Und das nicht (nur), weil er (und sie) besonders clever wäre, sondern auch wegen seiner Fantasie und seines Erfindungsreichtums, seines Selbst- und Gemeinschaftsbewusstseins, seiner Sprache und Spiritualität.

Das zeigen die Ausstellungsstücke, die die Experten des LWL von den unterschiedlichsten Museen weltweit ausgeliehen haben: den Original-Kompass zum Beispiel, mit dem der Polarforscher Robert Falcon Scott das Wettrennen zum Südpol gegen Roald Amundsen verloren hat und den – geschützt vor zu viel Licht – die Museumsbesucher betrachten können. Oder eine Schrifttafel aus dem mesopotamischen Uruk, die als älteste Schrift der Menschheit gilt.

Die vielen Erfindungen der Menschen

Kleine Enttäuschung am Rande: In die Tafel ist kein Gedicht, kein Brief und kein noch so kleines Stück Literatur gemeißelt, sondern vermutlich nur eine Auflistung von Getreide und Biersorten. Und es kommt noch schnöder: Forscher schließen nicht aus, dass andere Fundstücke aus der Zeit nicht viel mehr als Einkaufszettel sind, wie Museumsdirektor Jan Ole Kriegs berichtet.

In den 300 000 Jahren ihrer Geschichte haben die Menschen erfunden und erfunden. Einen kleinen Teil der Ergebnisse zeigt ein Setzkasten, der eine Auswahl von banalen, aber auch bahnbrechenden Ideen zeigt: vom Faustkeil, der für Jahrtausende das wichtigste Werkzeug des Menschen war, hin zu anderen Hilfsmitteln wie Seife, Dübel und das Auto, aber auch zur Weltkriegsbombe. Denn es wäre „naiv, die Entwicklung des Menschen nur als eine Perlenkette schillernder Verbesserungen zu skizzieren. Es ging auch um die Ausbreitung des Menschen auf der ganzen Welt, um effizientere Methoden des Tötens und um die industrielle Ausbeutung der Natur“, sagt Löb. Und es zeigt die Grenzen des Fortschritts: Das Husten etwa macht deutlich, dass der Wandel vom nomadischen zum sesshaften Leben gesundheitliche Probleme mit sich brachte: Mangelernährung und Karies durch das Getreide, das damals zum Hauptnahrungsmittel wurde. Oder Krankheitserreger durch die Nähe zu Fäkaliengruben und Nutztieren.

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung wird am Freitag (21. August) eröffnet. Sie ist dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei, Erwachsene zahlen 7,50 Euro.

Und so endet die Schau mit der Frage, wo der Mensch bleibt, wenn er sich entschließen sollte, die Erde endgültig zu zerstören. Vielleicht auf dem Mars. Für den gibt es ja schon Pläne, wie das Leben dort aussehen könnte. Doch die Virtual-Reality-Brillen, die das LWL-Museum zum ersten Mal in eine seiner Ausstellungen integriert, und die einen kleinen Eindruck von ein paar Alltagshandgriffen auf dem Nachbarplaneten vermitteln, hinterlassen das Gefühl: Wahrscheinlich ist es einfacher, auf der Erde zu bleiben. Das würde zwar die ein oder andere Einschränkung bedeuten – zum Beispiel weniger Wattestäbchen ins Klo zu werfen, die Naturschützer zu hunderten aus der Lippe gefischt haben –, hätte aber einen unschlagbaren Vorteil: atmen zu können.

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