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Prozess wegen Steuerhinterziehung

Der vermutete Millionenschaden

Münster

Statt EM zu gucken, erstellte er Tabellen für das Gericht. Mit seiner Reinigungsfirma hatte ein 39-jähriger Münsteraner über mehrere Jahre Steuern hinterzogen und muss sich hierfür nun vor dem Landgericht behaupten. Doch er zeigt sich kooperativ, versucht immer wieder Klarheit in ordnerweise Tabellen und Zahlen zu bringen.

Von Julia Körtke

Das Landgericht in Münster. Foto: dpa

Zwischen den Jahren 2015 bis 2020 soll der Angeklagte zusammen mit seinem Bruder Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Die beiden Geschwister betrieben zusammen eine Reinigungsfirma in Münster, die ihre Dienstleistungen deutschlandweit in öffentlichen Toiletten anbot. Aus den Tageseinnahmen bekamen die meist bulgarischen Mitarbeiter dann neben ihrem offiziellen Lohn auch noch erhebliche Summen bar auf die Hand.

Immer wieder wechselten die Mitarbeiter oder waren im Sommer in der Heimat in Bulgarien, sodass sich die Berechnung der fehlenden Abgaben schwierig gestaltet.

Am dritten Prozesstag wurde deswegen nun der zuständige Mitarbeiter der Rentenversicherung gehört. Nach seinen Auswertungen beliefe sich die Summe des Sozialversicherungsschadens auf 1,7 Millionen Euro. Um auf diesen Wert zu kommen, bediente er sich jedoch einer Standardquote. Sowohl das Gericht als auch der Verteidiger zweifeln daran, ob das eindeutig genug sein kann. Da die Schadenshöhe das Strafmaß bestimmt, auch kein unwichtiger Faktor.

Gericht sieht Fluchtgefahr

Dem Angeklagten droht neben dieser Verurteilung auch noch eine mögliche Insolvenz. Durch das Finanzamt sind bereits neue Steuerbescheide zugesandt worden, die hohe Nachzahlungen mit sich bringen. Um für seine Kinder und Frau sorgen zu können, möchte er nach dem Prozess wieder eine Arbeit aufnehmen. Auch würde er gerne aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Er zeigt sich kooperativ und hatte die Vorwürfe, Schwarzlöhne bezahlt zu haben, eingeräumt. Außerdem vermisse sein Sohn, der erfolgreicher Schwimmer ist, seinen Vater schon. Doch bei dem Angeklagten besteht Fluchtverdacht. Sein Bruder ist bis heute untergetaucht und auch bei ihm selbst wollte das Gericht nicht ausschließen, dass er zurück nach Bulgarien fliehe.

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