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Apotheken fordern Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen Lieferengpässe

„Derart schwierige Lage noch nicht erlebt“

Münster

Fiebersäfte, Antibiotika, Inhalationslösungen, Hustenmittel, aber auch Insulin und starke Schmerzmittel: Das Problem der Lieferengpässe bei Arzneimitteln spitzt sich immer weiter zu.

Fiebersäfte, Antibiotika, Inhalationslösungen, Hustenmittel, aber auch Insulin und starke Schmerzmittel sind derzeit rar. Foto: Jan Woitas/dpa

Das Problem der Arzneimittelengpässe spitzt sich weiter zu. Bürokratie und strikte Vorgaben verschärfen die Lage zusätzlich, monieren die Apotheken in Westfalen-Lippe und appellieren an die Politik, flexible Lösungen zu ermöglichen.

Fiebersäfte, Antibiotika, Inhalationslösungen, Hustenmittel, aber auch Insulin und starke Schmerzmittel: Das Problem der Lieferengpässe bei Arzneimitteln spitze sich immer weiter zu, heißt es in einer Pressemitteilung. „Obwohl das Management solcher Engpässe seit Jahren zum Apothekenalltag gehört, haben selbst Kolleginnen und Kollegen, die bereits seit Jahrzehnten im Beruf stehen, eine derart schwierige Lage noch nicht erlebt“, sagt Tilo Schneider-Bernschein, Vorsitzender der Bezirksgruppe Münster im Apotheker-Verband Westfalen-Lippe (AVWL).

Weiteres Problem: Bürokratie und Vorgaben

„Probleme zu lösen, ist unser tägliches Geschäft. Aktuell aber wird es immer schwieriger, manchmal sogar unmöglich, im Falle eines Lieferengpasses eine Alternative für die Patienten zu finden“, so Schneider-Bernschein. Besonders ärgerlich sei, dass bürokratische Regelungen und komplexe Vorgaben, die die Krankenkassen den Apotheken machten, unkomplizierte Lösungen verhinderten und damit die Situation weiter verschärften. „Aktuell hat nahezu jede Krankenkasse ihre eigenen Regeln, welche von Engpässen betroffenen Arzneimittel zügig ohne Genehmigung importiert werden können und für welche Medikamente etwaige Mehrkosten übernommen werden. Dabei variieren von Kasse zu Kasse die Formalien, die die Apotheken erfüllen müssen.“

Bei annähernd 100 gesetzlichen Krankenkassen sei es für die Apotheken jedoch unmöglich, hier den Überblick zu behalten und den verschiedenen Anforderungen nachzukommen. „Wie soll das gehen?“, fragt Schneider-Bernschein. „Wenn die Patienten regelrecht die Apotheken stürmen. Wir sind am Limit.“

„Wir appellieren daher dringend an die Politik, diesen Flickenteppich abzuschaffen, einheitliche Vorgaben zu machen – und die Apotheken in dieser schwierigen Situation vor Regressen zu schützen.“ Apotheken könnten zwar Fiebersäfte selbst herstellen, sofern sie an die Wirkstoffe kämen, die zum Teil ebenfalls knapp seien. Aber auch für die Produktion in den Apotheken seien die bürokratischen Hürden hoch, so Schneider-Bernschein. „Wir brauchen – wie auch zu Beginn der Corona-Pandemie – in den Apotheken mehr Beinfreiheit, um flexibel Lösungen zu finden, und wir müssen diesen enormen Zusatzaufwand, den wir mit dem Krisenmanagement haben, auch vergütet bekommen.“

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