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Kommandoübergabe am Schlossplatz

Deutsch-Niederländisches Korps führt Nato-Eingreiftruppe

Münster

Was hat Münster mit dem Krieg in der Ukraine zu tun? Seit Anfang des Jahres noch viel mehr als bisher. Ein Teil der Nato-Eingreiftruppe bekommt seine Befehle von dort .

Das „Rapid Reaction Corps France“ aus Lille hat 2022 seine Pflicht für die Nato getan, 2023 ist das 1. Deutsch-Niederländische Korps an der Reihe (v.l.): die Generäle Nico Tak und Emmanuel Gaulain sowie vier Soldaten vor einem Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo. Foto: Oliver Werner

Schon vier Mal hatte das 1. Deutsch-Niederländische Korps jeweils ein Jahr lang das Kommando über die Bodenstreitkräfte der Eingreiftruppe NRF (Nato Response Force) inne. In diesem Jahr schon wieder. Nur wird jetzt zum ersten Mal ganz offen gefragt: Wird Münster deshalb zum gefährdeten militärischen Ziel?

Generalleutnant Nico Tak nimmt die Frage sehr gelassen entgegen: „Ich glaube nicht“, sagt der Korps-Kommandeur freundlich. Sollte es zum Einsatz kommen, würde innerhalb weniger Tage ein mobiles Hauptquartier in der Nähe des Einsatzortes errichtet. Soll heißen: Münster wäre nicht unbedingt in der Schusslinie.

Russlands Krieg verändert alles

Allerdings löst die Frage kein verständnisloses Kopfschütteln aus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine befinde sich Europa in einer Sicherheitslage, deren Existenz sich selbst erfahrene Militärs schon nicht mehr hätten vorstellen können, so Tak. Von Routine könne bei diesem Kommando also keine Rede sein; von guter Vorbereitung hingegen schon.

Anders als bei Gründung der NRF vor gut 20 Jahren stelle man sich auf Landes- und Bündnisverteidigung, nicht auf einen Auslandseinsatz wie in Afghanistan ein. „Wir nehmen den Krieg in der Ukraine ernst“, sagt der Generalleutnant. Man rechne mit dem Szenario, auf östlichem Nato-Territorium eingesetzt zu werden. Genau darauf habe man sich bei mehreren Übungen intensiv vorbereitet. Es geht um Abschreckung – und im Ernstfall um Verteidigung.

„Ohne große Einheiten geht es nicht“

Von politischen Äußerungen hält sich der Kommandeur in seiner englischen Ansprache fern. Immerhin zitiert er den Nato-Oberbefehlshaber in Europa, frei übersetzt: Wenn der andere Typ mit einem Panzer auftaucht, solltest Du besser auch einen Panzer haben. Größere militärische Einheiten seien „absolut notwendig“, um Europa verteidigen zu können, betont Tak.

Das Deutsch-Niederländische Korps ist schon seit Jahresbeginn zuständig. Der Kommandowechsel wurde am Donnerstagmittag mit militärischem Zeremoniell im Hof des Korpsgebäudes am Schlossplatz vollzogen. Der französische Generalleutnant Emmanuel Gaulain – der selbst einige Jahre lang in Münster stationiert war – übergab die NRF-Fahne zu den Klängen der drei Nationalhymnen an Generalleutnant Tak. Dem ernsten Anlass und dem Dauerregen zum Trotz wirkte die Stimmung ausgesprochen gelöst.

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