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Renaturierung an der Kanalstraße

Die Aa kommt raus aus dem Betonbett

Münster

Dicke Sandsteinbrocken, Totholz und Buchten bestimmen jetzt das Bild der Aa zwischen Lublinring und Nevinghoff. Bis zum Ende der 90er-Jahre floss die Aa noch schnurrgerade an der Kanalstraße entlang, jetzt kehrt sie zu ihrem alten Verlauf zurück.

Gabriele Hillmoth

Christiane Bömer und Thomas Wermers hoffen auf trockenes Wetter, dann wird die Aa-Renaturierung an der Kanalstraße in vier Wochen beendet sein. Foto: Oliver Werner

Die Aa an der Kanalstraße schlängelt sich schon gemächlich durch die Landschaft. Das lästige Betonbett, in das sie früher mal eingezwängt war, ist verschwunden. Münsters Hausfluss lebt an dieser Stelle wieder auf, dafür soll eine Renaturierungsmaßnahme zwischen Lublinring und der Straße Nevinghoff sorgen.

Bleibt es weiter einigermaßen trocken, wovon Bauleiter Thomas Wermers derzeit ausgeht, dann werden die Arbeiten in gut vier Wochen beendet sein. Momentan fließt noch die „Brühe“ vom Aasee durch den renaturierten Flusslauf ab.

Mülldeponie und Kriegstrümmer entdeckt

Thomas Wermers ist aber schon heute begeistert, wie sich der Flusslauf der Aa an der Kanalstraße innerhalb so kurzer Zeit verändert hat. Er zeigt auf die Pflanze Blutweiderich, die schon wieder zurückgekehrt ist.

Christiane Bömer, städtische Gewässerplanung

„Die Aa darf sich selbst entwickeln“, erklärt Christiane Bömer von der städtischen Gewässerplanung. Damit sich das Gewässer aber auch tatsächlich entfalten kann, wurde in den vergangenen Wochen an der Kanalstraße schwer gearbeitet. Allein der Bodenaushub war ordentlich.

Rund 12.000 Kubikmeter Boden wurden ausgebaggert und zum großen Teil abgefahren. Die Experten entdeckten neben einer kleinen Hausmülldeponie auch noch Trümmer aus Kriegszeiten.

Biotop bleibt sich selbst überlassen

Entlang der Aa wurden Buchten geschaffen und Totholz eingebaut. Riesige Eichenstämme werden momentan mit drei Meter langen Nägeln befestigt, damit sie bei Hochwasser nicht weggespült werden. Zusätzlich wurden Sandbänke angelegt und Faschinenwände gezogen. Diese sehen aus wie Zäune und bestehen aus gebündelten Laubholzzweigen, die aufgeschichtet und am Aa-Ufer verankert werden. Die Planer hoffen, dass sich hinter diesen natürlichen Spundwänden Pflanzen ansiedeln. Baumwurzeln liegen am Ufer.

Als „Störsteine“ bezeichnet Christiane Bömer alle Sandsteine, die im Flussbett liegen und von denen jeder mindestens eine halbe Tonne wiegt. Sobald die Aa mehr Wasser führt werden diese Steine die Geschwindigkeit mindern, erklärt der Bauleiter.

Bäume mussten weichen

„Wir ahmen ein Biotop nach, das sich selbst überlassen bleibt“, sagt Gewässerplanerin Bömer. Dafür mussten im Frühjahr zwei Bäume weichen, im weiteren Verlauf wurden Strauchweiden entfernt. „Die eigentlich auch nur den Wasserverlauf stören“, so der Bauleiter. Das Wasser wurde nach Muscheln abgesucht, die demnächst wieder eingesetzt werden. Ein Schilfgürtel blieb erhalten.

Etwa 25 bis 30 Meter breit ist nach Angaben von Christiane Bömer der neue Flussverlauf mit seinen sogenannten Umflutungen. Die eigentliche Flusssohle misst zwischen fünf und acht Metern.

Hochwasser als Auslöser

Bezahlt wird das Projekt zu 80 Prozent mit Fördergeldern des Landes. Die Baukosten der Renaturierung in diesem Aa-Abschnitt betragen nach Angaben der Stadt rund eine Million Euro. Ausgangspunkt der Renaturierung in der heutigen Form war das Hochwasser vor vier Jahren.

Mit dem Neubau der Brücke an der Wibbeltstraße begann das Projekt.

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