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15 Jahre Freie Gartenakademie

Die ganze Welt im Schrebergarten

Münster

Wer hat Angst vorm Schrebergarten? Diese Frage hat Wilm Weppelmann mit seiner Gartenakademie beantwortet - mit einer beeindruckenden Liste hochkarätiger Persönlichkeiten.

Von Gerhard H. Kock

Wilm Weppelmann (o.) denkt sich für die Plakate seiner Veranstaltungsreihe „Freie Gartenakademie“ jedes Jahr aufs Neue originelle Fotomotive aus – wie für 2021 (l.). Foto: PD

Gäbe es sie nicht, man müsste sie für Münster erfinden: die Freie Gartenakademie. Für die Universitätsstadt im grünen Lindenkranze, die Stadt der Wissenschaft und Lebensart in münsterländischer Parklandschaft hat der Künstler Wilm Weppelmann das ebenso originelle wie anspruchsvolle Format entwickelt: Bildung und Kultur im Kleingarten. Eröffnet wurde die weltweit wohl einzigartige Gartenakademie am 7. Juni 2006, vor 15 Jahren, vom münsterischen Philosophen Dr. Andreas Mussenbrock mit dem Vortrag „Jeder Garten ist Philosophie“.

Das Programm ist abwechslungsreich: Vorträge und Konzerte, Theater-Vorstellungen und Filme, sogar eine traditionelle Zen-Meditation zu frühmorgendlicher Stunde und schattigen Temperaturen hat mit verblüffend großer Beteiligung an den Rabatten stattgefunden. „Selbst bei Regen sind die Leute sitzen geblieben“, staunte Wilm Weppelmann anfangs über die Beharrlichkeit und Begeisterung der Besucher. Das hat ihn all die Jahre motiviert und natürlich sein Konzept, den Garten in allen „existenziellen, ökologischen, philosophischen, sozialen und kulturellen Dimensionen“.

Mag sich der Künstler über die Gäste gewundert haben, der Beobachter staunt über das Phänomen, wen Weppelmann über die Jahre in seine Parzelle am dritten Weg rechts und vierten Garten links in die Gartenanlage Langemarckstraße gelockt hat: Der Hofkapellmeister des japanischen Kaisers gab mit seinem kleinen Orchester im fernöstlichen Ornat ein Konzert – Töne, die auch der Tenno, der „Himmlische Herrscher“, zu schätzen weiß, erklangen an den Gemüsebeeten.

Fortpflanzung von Ideen

Professoren und Doktoren, Künstler und Autoren, Musiker und Schauspieler gaben sich durch die Hecke die Klinke in die Hand: Kuratorin Dr. Brigitte Franzen sprach über die Skulptur-Projekte 2007, Totalkünstler Prof. Timm Ulrichs „Über die Fortpflanzung von Ideen“, Leibniz-Preisträgerin Irmela Hijiya-Kirschnereit stellte einen Zusammenhang zwischen „Frösche und Bildschirmflimmern“ her, und selbstverständlich waren Garten-Experten wie „Guerilla-Gärtner“ Richard Reynolds reihenweise im Kleingarten zu finden.

Wie Wilm Weppelmann all diese Koryphäen nach Münster gelockt hat? Geld war es nicht, das ist sicher. „Ich biete ihnen eine Plattform außerhalb des Normalen“, vermutet der Künstler, der stets versucht, die Kandidaten telefonisch zu „beackern“. „Das sind Überzeugungstäter, die merken, dass da jemand ist, der mit viel Enthusiasmus die Dinge nach vorne trägt.“

Offizielles Projekt der Vereinten Nationen

Für das Engagement gab es Anerkennung: Die Freie Gartenakademie wurde 2017 offizielles Projekt der Vereinten Nationen. Bärbel Höhn (Vorsitzende des Umwelt-Ausschusses des Bundestages) überreichte Weppelmann auf einer Bühne über dem Gartenteich den Preis der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

Für dieses Jahr hat Weppelmann unter anderem Ulla Hahn gewonnen. Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin wird am 9. Juli Gedichte lesen. Diese 16. Ausgabe der Freien Gartenakademie trägt den Titel „Kleiner Garten – große Welt # Small Garden – Big World“ und macht sich auf eine Entdeckungsreise, um aus einer kleinen Welt große Erfahrungen abzuleiten. Wilm Weppelmann hat dem Programm ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe vorangestellt: „Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.“

Die 16. Freie Gartenakademie wird am Freitag (11. Juni) um 19 Uhr in der Gartenakademie, Langemarckstraße 73, mit einem Vortrag des deutschen Wissenschaftshistorikers und Wissenschaftspublizisten Prof. Dr. Ernst Peter Fischer (Heidelberg) eröffnet.

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