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Ausstellung „Fernande und Françoise – Erinnerungen an Picasso“ in Münster

Die Muse und die Malerin

Münster

Der 50. Todestag von Pablo Picasso wird im Jahr 2023 mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt. Das Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster setzt schon jetzt einen Akzent und präsentiert jene beiden Frauen, die in biografischen Büchern vom Leben mit Picasso berichtet haben.

Françoise Gilot: „Claude und Paloma spielen Ball“, 1952, Öl auf Sperrholz Foto: Privatsammlung (c) VG Bild-Kunst                                                            Jens Ziehe (c) Succession Picasso, VG Bild-Kunst

Eine Frau, ein Stil: Auf diese handliche Formel bringen Pablo Picassos Bewunderer bisweilen die Entwicklung des Künstlers, orientiert an seinen Beziehungen. Natürlich ist das keine sehr feine Betrachtungsweise den Frauen gegenüber, und das Kunstmuseum Pablo Picasso hat auch anderes im Sinn, wenn es jetzt, gewissermaßen als Auftakt eines globalen Ausstellungsreigens zum 50. Todestag des Spaniers am 8. April, seine Lebensabschnittsgefährtinnen Fer­nande Olivier und Françoise Gilot in den Blick nimmt. Denn so unterschiedlich sie und ihre Jahre mit Picasso auch waren, so gemeinsam ist ihnen, dass sie Bücher über die jeweilige Zeit verfasst haben – aus denen in der aktuellen Ausstellung zitiert wird.

Fernande Olivier, die 1904 in Paris mit Picasso zusammentraf, mag noch am ehesten mit dem Begriff „Muse“ charakterisiert werden: Sie arbeitete als Künstlermodell, und eine Bronzeskulptur Picassos im ersten Ausstellungsraum dokumentiert diese Funktion. Wirkt das Werk noch von Auguste Rodin beeinflusst, so lasse ein Holzschnitt im Nebenraum eher an Paul Gauguin denken, erklärt Kuratorin Ann-Katrin Hahn. Die Ausstellung präsentiert in den ersten drei Räumen weniger jene Spuren, die Fernande in Picassos Werk hinterlassen hat, als das Bild der Zeit, die sie in ihrem Buch beschreibt: die Bohème des Montmartre, die noch unbekannten Künstler im Bateau-Lavoir, dem notdürftigen Atelierhaus. Zeitgenössische Fotos illustrieren diese Periode, aber auch viele Grafiken sind zu sehen bis hin zum „Kärglichen Mahl“ in zwei Versionen – einem frühen Meisterwerk. Die „turbulente Beziehung“ zwischen Pablo und Fernande übrigens habe zwar wie eine romantische Filmkomödie begonnen, erzählt Ann-Katrin Hahn – aber sie hielt nur sieben Jahre.

Françoise Gilot hingegen, die Picasso als schon berühmter Künstler 1943 in Paris kennenlernte und mit der er nach Südfrankreich zog, hätte es sich wohl verbeten, auf eine „Muse“ reduziert zu werden – auch wenn sie im Werk des Malers üppige Spuren hinterließ. Davon kündet natürlich auch die Ausstellung, etwa mit den berühmten Lithografien des Sonnen- und Blumen-Haupts der bewunderten Frau. Ein kurioses Buntstift-Porträt gehört zu den erstaunlichen Leihgaben, die Münsters Museum versammeln konnte.

Aber die wichtigsten Leihgaben, die vor allem den großen Ausstellungsraum prägen, sind eben nicht Bilder von Pablo Picasso, sondern von Françoise Gilot: Sie war (und ist ja mit nunmehr 100 Jahren!) selbst eine bedeutende Künstlerin, und wer die Ausstellung in Münsters Museum betritt und den Blick durch die bekannte Sichtachse nach links schweifen lässt, glaubt womöglich, einen scheinbar unbekannten Picasso zu erblicken. Nein, Françoise Gilot war es, die die gemeinsamen Kinder Claude und Paloma beim Ballspielen malte. Auch die anderen Gemälde an dieser Wand, etwa eine provenzalische Küche oder „Meine Kinder in der Küche“, stammen von ihr.

Eine Epigonin des berühmten Gefährten also? Gegen diesen naheliegenden Verdacht, auch gegen die Verführung zu solcher Kunst musste sich die Frau durchaus wehren – wurde sie doch, wie Museumsdirektor Professor Markus Müller erzählt, vom Meister wie ein Geselle im Atelier behandelt. Wie sie sich künstlerisch widersetzte, gehört zu den spannendsten Einblicken der Schau: So lässt ihr Gemälde „Früchte und Blätter“ doch eher an Henri Matisse denken, den sie neben Georges Braque sehr bewunderte; und wenn man das kleine abstrakte Gemälde „Das Paar“ erblickt und dann die Entstehungszeit 1945 sieht, stellt man staunend fest, wie eigenständig ihre Handschrift war. Kein Wunder, dass sie sich später wieder von Picasso emanzipierte und etwa im Jahr 1965 einen fast abstrakten „Steinhaufen“ malte. Picassos „stilistischer Jungbrunnen“ war sie zwar, wie der letzte Ausstellungsraum zeigt – aber auch viel mehr.

Die Ausstellung „Fernande und Françoise – Erinnerungen an Picasso“ im Kunstmuseum Pablo Picasso ist bis zum 22. Januar Di bis Sa von 9.30 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Im oberen Stockwerke präsentiert das Museum „Boten der Nacht – Expressive Avantgarden in Deutschland 1918-1968“.

    

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