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Gedenkkonzert für die Opfer von Krieg und Gewalt in der Apostelkirche

Die unstillbare Sehnsucht nach Frieden

Münster

Krieg, Krise, Chaos: Ein „Konzert für die Opfer von Krieg, Gewalt und Unterwerfung“ forderte die Gäste in der Apostelkirche zur Besinnung. Solisten, Kantorei und die Neue Philharmonie Westfalen unter Konrad Paul beschworen den Frieden.

Von Günter Moseler

Die Kantorei und ihre Solisten sowie die Neue Philharmonie Westfalen unter Konrad Paul in der Apostelkirche Foto: Moseler

Aus aktuellem Anlass boten Solisten, Kantorei und die Neue Philharmonie Westfalen unter Konrad Paul im „Konzert für die Opfer von Krieg, Gewalt und Unterwerfung“ Werke, deren expansive Dichte im akustischen Hall der Apostelkirche apokalyptische Dimensionen provozierte.

Der Abend begann mit Max Regers „Hebbel-Requiem“, einer Partitur diesseitiger Radikalität. „Seele, vergiss nicht die Toten!“ mahnte Mareike Schellenbergers Altstimme, nachdem das Orchester unheilvolle Feierlichkeit imprägniert hatte.

Richard Strauss’ 1918 komponierte Brentano-Lieder wirken wie ein Rückzug ins Privat-Elysium. Die Sopranistin Marielle Murphy sang sensationell: strahlend, intonationssicher, mit virtuosen Koloraturen. Sie schwelgte im Pomp des „An die Nacht“ und traf ideal den Tonfall in „Ich wollt ein Sträusslein binden“. Es ist das „Lied der Frauen“, dessen theatralisches Gespenstertreffen existenzieller Ängste von Schifferin, Bergmanns- und Soldatenfrau die Sopranistin wie authentische Stimmen sprechen ließ.

In Ralph Vaughan Williams’ Kantate „Dona Nobis Pacem“ dominieren Dissonanzen, Chromatik, heftige Tutti-Schläge, Blechbläser und kriegerische chorische Zuspitzungen. Sätze wie „Beat, beat, drums!“ zoomen die Gewalttätigkeit des Krieges nah heran. Die parallele Stimmführung wurde vom Chor mit dramatischer Wucht gesungen, während John Holland-Avery (Bariton) im Satz „Versöhnung“ Melancholie und Schmerz mit elegischem Tonfall begleitete. Das zutiefst Mitfühlende dieser Musik dominiert auch die „Klage für zwei Veteranen“, einen verdämmernden Trauermarsch, der sich bis ins Triumphale steigert, von erinnernden Klagetönen überblendet. Karge Klanglandschaften entwirft „The Angel of Death­“, bis zum chorisch alarmistischen „Dona nobis pacem“.

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