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Ralf Schmitz in der Halle Münsterland

Dieser Mann quasselt uns echt urlaubsreif

Münster

Comedian Ralf Schmitz präsentierte in der Halle Münsterland sein neues Bühnenprogramm „Schmitzefrei“. Dabei spielte und quasselte er das Publikum mit urkomischem Firlefanz zwei Stunden lang gnadenlos urlaubsreif.

Von Hans Lüttmann

Ralf Schmitz bei seinem Gastspiel in Münster Foto: Hans Lüttmann

„Siehste!“, sagt beim Pausenbier im Foyer der Mittvierziger zu seiner Begleiterin, „ich hab doch immer gesagt, dass der total unterschätzt wird.“ Der, das ist ein hyperaktiver Zappelkasper, den fleißige Fernsehzuschauer aus vielen Witz- und Lach-Shows kennen und vielleicht auch als Synchronsprecher, zum Beispiel des Johnny Mauser aus den Mullewapp-Geschichten: Ralf Schmitz, der in der Halle Münsterland sein neues Bühnenprogramm „Schmitzefrei“ spielte und das Publikum mit urkomischem Firlefanz zwei Stunden lang gnadenlos urlaubsreif quasselte.

Draußen meldete sich der Winter mit össeligem Schneeregen noch einmal zurück, drinnen schon Sonne, Strand und Cocktailbar. Und mittendrin ein Wirbelwind-Comedian, der über die Bühne wieselt, springt und tänzelt, als hätte er mit Strom geduscht. Ralf Schmitz zeigt gleich mit der ersten Nummer, dass die Zuschauer sich in Acht nehmen müssen: Er geht ins Publikum und pickt sich unfreiwillige Mitspieler raus, mit denen er allerlei Späße treibt. Einige seiner Auserwählten müssen sogar mit ihm auf die Bühne und Sparringspartner für seine Minisketche spielen, die bisweilen völlig sinnfrei sind, das Pu­blikum aber regelrecht zum Wiehern bringen. Nie aber stellt er seine „Opfer“ bloß: Er schenkt ihnen zum Schluss der Show auch noch Foto, Autogramm und freien Eintritt für sein nächstes Gastspiel in Münster.

Anders als andere Comedians spult Ralf Schmitz kein einstudiertes Gag-Programm ab, sondern wechselt zwischen angeblich selbst erlebten Urlaubsskurrilitäten und Improvisations-Einlagen – beides in solch irrsinnigem Tempo, dass man meint, da wirbele ein verkleideter Duracell-Hase über die auf Strand gestylte Bühne. Viele Gags sind zotig, manche verkümmern schon mal auf Baumschulniveau, aber seine Parodien sind wahre Glanzlichter, ach was: Kronleuchter des kurzweiligen Abends. Einer der Höhepunkte: seine pantomimische Darstellung deutscher Schlagerschnulzen, die Gesten wie im Slapstick-Movie, Grimassen wie auf der Gesichtskirmes. Das ist, pardon, schmitzenklasse.

Ralf Schmitz baut verbale Sandburgen, träumt vom Urlaub in Dubai, erzählt von seiner splitternackten Hotelflur-Panne, Horst und Hilde im vermaledeiten Wein-Express und redet sich im Hochgeschwindigkeitsmodus ziemlich nah ans Ende menschlicher Logik.

Die Zuschauer in der Halle Münsterland erleben zwei absurd-komische Stunden, die einfach keinen Platz lassen für die trübselig-erschreckenden Nachrichten der Welt draußen, und lachen sich leer über atemlosen Spaß, der keinen Tiefgang braucht.

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