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Betriebsärzte starten später

Experte der Uniklinik begrüßt Ausweitung der Impfung auf Kinder

Münster

Auch wenn es noch so gut wie keinen Impfstoff für sie gibt - theoretisch können sich seit Montag alle Kinder und Jugendlichen über 12 Jahren impfen lassen. Fachleute sind erleichtert, dass es diese Möglichkeit gibt.

Von Stefan Werding

Seit Montag können auch Kinder über 12 Jahren geimpft werden. Foto:

Der Direktor der Kinderklinik am Uniklinikum Münster, Professor Heymut Omran, ist froh, dass nun auch Kinder ab zwölf Jahre geimpft werden können. „Bislang konnte man Kinder mit Vorerkrankungen nur durch eine Impfung der Eltern und anderer Kontaktpersonen vor Covid schützen“, sagte er am Montag. Kinder hätten zwar nur ein sehr geringes Risiko durch eine Corona-Infektion zu sterben. Von den mehr als 350 000 erkrankten Kindern in Deutschland seien weniger als 20 gestorben. Viele von ihnen hätten schwere Grunderkrankungen gehabt. Mit der Zulassung des Impfstoffs ließen sich schwer kranke Kinder direkt schützen. Zum fehlenden Impfstoff sagte Omran, dass es nicht darum gehe, „jetzt alle durchzuimpfen“. Die Kinderärzte würden die Umstände der Familien kennen und danach priorisieren.

Keine generelle Impfempfehlung für alle Kinder

Die Position der Ständigen Impfkommission soll Donnerstag publiziert werden. Vermutlich wird sie mangels ausreichender Datenbasis keine generelle Impfempfehlung für alle Kinder aussprechen, sondern den Impfstoff vor allem etwa für vorerkrankte Kinder vorsehen.

Unterdessen hat auch der US-Hersteller Moderna in Europa die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für Kinder und Jugendliche beantragt. Dies teilte das Unternehmen am Montag mit.

Betriebsärzte in NRW berichten über ungenaue Lieferdaten und geringe Impfstoffmengen, die den Start erschwerten. Richtig loslegen könnten die meisten von ihnen erst an diesem Dienstag, sagte Tanja Menting vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erhalten die Betriebsärzte diese Woche 700 000 Impfdosen.

Zum Ende der Impfpriorisierung hat das NRW-Gesundheitsministerium darauf hingewiesen, dass in den Impfzentren bis mindestens Mitte Juni kein Termin für eine Erstimpfungen zu bekommen sei.

Kommentar: Gute Ungeduld

Es ist an der Zeit, sich an die ­sorgenvollen Mienen all derer zu erinnern, die meinten, in Deutschland wimmele es nur so von dickköpfigen Impfmuffeln. Die Un­geduld, mit der zurzeit alle, die noch nicht geimpft sind, auf eine Möglichkeit warten, sich endlich vor Corona schützen zu können, hat sie eines Besseren belehrt. Und das ist auch gut so.

All die, die jetzt noch ohne Impftermin sind, müssen verstehen, dass sie eine Spritze genauso verdient hätten wie all die anderen – nur dass Politiker und Experten entschieden haben, auf die Menschen Rücksicht zu nehmen, die besonders verletzlich sind. Dabei hat es zweifellos Ungerechtigkeiten gegeben – durch Impfdrängler etwa. Gelitten haben darunter beispielsweise pflegende Angehörige, die zum Teil heute noch in die Röhre schauen.

Die gute Nachricht: Alle Pannen haben die Menschen nicht davon abgehalten, sich weiter piksen zu lassen. Diese Einsicht macht Hoffnung, dass die Pandemie zumindest bei uns in Deutschland bald im Griff ist – und die Zahl der Impfmuffel doch kleiner, als wir uns immer eingeredet haben.

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