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„Abend im Zoo“ am 4. September als Dankeschön für die Mitglieder

Ein Herz für Tiere und Tierfreunde

Münster

Am 25. Juli 1871 wurde der „Westfälische Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzucht“ gegründet. Das war die Geburtsstunde des 1921 umbenannten Zoo-Vereins Münster, der seit 1974 den Allwetterzoo fördert. Heute ist er Münsters mitgliederstärkster Verein.

Von Lukas Speckmann

Die Roten Pandas sind die jüngste Gabe des Zoo-Vereins an den Allwetterzoo. Der revanchiert sich nun mit einer „Nacht im Zoo“ am 4. September für alle Vereinsmitglieder. Zoodirektorin Dr. Simone Schehka überreichte dem Vereinsvorsitzenden Helge Peters einen Wimpel als symbolisches Geschenk. Foto: Allwetterzoo Münster

Was spricht eigentlich für den Zoo-Verein „Westfälischer Zoologischer Garten e.V.“? Vieles.

Für die Mitglieder gibt es Informationen, Exkursionen und spezielle Führungen hinter die Kulissen. Und nicht zuletzt freien Eintritt fürs ganze Jahr, der sich steuerlich absetzen lässt – und der sogar günstiger ist als die reguläre Jahreskarte.

Für den Zoo gibt es nicht zuletzt Geld. Viel Geld. Die Leopardenhaltung steht auf dem Spiel? Der Zoo-Verein gibt 300 000 Euro für eine neue, artgerechte Leopardenanlage. Ein Elefanten-Park soll eröffnet werden? Der Zoo-Verein legt 250 000 Euro obendrauf. Eine unscheinbare Ecke soll aufgewertet werden? Der Zoo-Verein spendet 50 000 Euro für zwei Rote Pandas und ihr neues Ge­hege.

Anker in die Zivilgesellschaft

Doch der Zoo-Verein hat noch eine viel größere Bedeutung: Ohne ihn gäbe es den Zoo gar nicht. Als der Verein vor genau 150 Jahren gegründet wurde, stand dem Gründer und ersten Vorsitzenden Prof. Hermann Landois das Bild eines münsterischen Tierparks schon vor Augen. Zwar ist der Verein seit fast 50 Jahren nicht mehr der alleinige Träger, aber immer noch der wichtigste Anker in die Zivilgesellschaft. Seine 13 000 Mitglieder sind eine stabile ideelle und wirtschaftliche Basis, und seine Aktiven leisten unschätzbare Hilfe, wenn es darum geht, Baustellen zugänglich zu halten, in Corona-Zeiten die Besucher des Aquariums zu zählen oder die publikumswirksame Lori-Fütterung zu übernehmen. Das könnte das hauptamtliche Team gar nicht leisten.

Zoo-Direktorin Dr. Simone Schehka weiß das. Und weil das große Vereins-Jubiläum in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer zu fallen drohte, organisierte sie für den Zoo-Verein und seinen Vorstand um den Vorsitzenden Helge Peters rasch eine kleine Geburtstagsüberraschung. Die geladenen Gäste wurden am Mittwochnachmittag zu allen Tieren geführt, deren Haltung der Zoo-Verein in jüngster Zeit ermöglicht oder gefördert hat: Klippschliefer, Pandas, Elefanten, Leoparden, Rotluchse . . .

„Abend im Zoo“ nur für Mitglieder

Beim anschließenden Empfang wurde nicht nur eine opulente Torte angeschnitten und ein nagel­neuer Schaukasten samt Vereinswimpel überreicht, sondern als Geburtstags­geschenk für alle Mitglieder ein besonderer „Abend im Zoo“ am 4. September angekündigt. Damit findet nun genau jene Jubiläumsveranstaltung statt, die der ehrenamtliche Vorstand mit Rücksicht auf Corona nicht anzubieten wagte. Wenn es schon ein Geschenk des Hauses ist . . .

Vom Vogelschutz zum Zoologischen Garten:
Zuverlässiger Begleiter seit 1871

Professor Hermann Landois war ein Schlitzohr. Die Gründung eines Zoos in Münster betrieb der legendäre Naturforscher anno 1871 denkbar umsichtig: zunächst ein Vogelschutzverein mit Geflügelzucht, dann Geflügelausstellungen im Schlossgarten, dann ein eigener Geflügelhof, schließlich ein „Thiergarten“ – aus dem zu guter Letzt der „Westfälische Zoologische Garten“ wurde, eröffnet am 26. Juni 1875. Das alles hat keine vier Jahre gedauert . . .

Offiziell galt der Zoo als „Heim des Vogelschutz-Vereins“, tatsächlich aber war der Verein der verantwortliche Träger. „Das Vereinsleben war fortan vom Betrieb des Zoos bestimmt“, berichtet der Vereinsarchivar Michael Sinder. Folgerichtig wurde er 1921 in „Westfälischer Zoologischer Garten e.V.“ umbenannt. Für den gesellschaftlichen Auftrag war die „Abendgesellschaft Zoologischer Garten“ (AGZ) mit ihren legendären plattdeutschen Theaterstücken zuständig. Der Vorsitzende Hermann Landois spielte höchstselbst mit.

Der charmante kleine Zoo an der Promenade wurde ein beliebtes Ausflugsziel der Münsteraner – und er blieb es bis 1973, trotz Nazi-Gleichschaltung und Bombenkrieg. Als die LBS das attraktive Grundstück übernahm und der Allwetterzoo am Aasee neu gebaut wurde, stieg die Stadt ein. Der Zoo-Verein – nach wie vor Mehrheitsgesellschafter der neuen GmbH – wurde ein klassischer Förderverein, stellt aber nach wie vor den Aufsichtsratsvorsitzenden (derzeit Dr. Ludger Hellenthal).

Nach einer Phase der Neuorientierung gelang in den 90er-Jahren der Umbau zum Familienverein. Mit 13 000 Mitgliedern ist der Zoo-Verein der größte Verein der Stadt, und mit seinen 150 Jahren ist er auch einer der ältesten.

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