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350 Jahre Westfälischer Friede

Ein historischer Handschlag

Münster

20 Staatsoberhäupter, 700 Journalisten aus 19 Ländern, Kosten in Höhe von 15 Millionen Mark - die Feierlichkeiten der Stadt Münster anlässlich von 350 Jahren Westfälischem Frieden vor über 20 Jahren waren ein besonderer Tag in der Stadtgeschichte. Zwei Hoheiten sorgten für einen besonderen Moment.

Von Gerhard H. Kock

Vor dem Ölgemälde „Minerva beschützt Pax vor Mars“ von Peter Paul Rubens aus der London National Gallery posierten die Staatschefs der europäischen Länder, die vor 350 Jahren am Westfälischen Frieden beteiligt waren – in der Mitte zwischen der dänischen Königin Margrethe und den spanischen König Juan Carlos steht der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Foto: Ralf Emmerich/Presseamt Stadt Münster

Es gab nur wenige Augenzeugen jenes einzigartigen Handschlags. Ein Handschlag mit einer Symbolik von historischer Dimension. Im Westfälischen Landesmuseum reichten sich der spanische König und die niederländische Königin die Hand. Und der Handschlag von Juan Carlos und Beatrix spiegelte sich im Glas der Ausstellungsvitrine genau über der Original-Schatulle, in der ihre Vorfahren vor 350 Jahren Frieden schlossen.

Zu sehen ist diese Schatulle auf dem Gemälde „Der Friede von Münster“ von Gerard ter Borch und zeigt die Beschwörung des separaten Friedensvertrages, der 1648 im Rahmen der Friedensverhandlungen in Münster zwischen Spanien und den Niederlanden geschlossen wurde. Nach vier Jahren zähen Verhandelns wurden die 80 Jahre dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen der beiden europäischen Ländern beendet.

Vision Europa

Die Schatulle aus dem Gemälde war Teil der bedeutenden Ausstellung des Europarates „1648 — Krieg und Frieden in Europa“ mit wertvollen Leihgaben aus allen bedeutenden Museen Europas. Die Staatsgäste schauten sich die Ausstellung an, nachdem sie sich ins Goldene Buch im Rathaus eingetragen hatten und zu Fuß über den Fahnen geschmückten Domplatz zum Landesmuseum gelaufen waren.

Marion Tüns war als erste Frau und Protestantin im Amt des Oberbürgermeisters im katholischen Münster bereits eine historische Person. Beim Treffen der 20 Staatsoberhäupter setzt sie mit ihrem „Jägerhut“ auch modische Akzente. Er sorgte für viel Gesprächsstoff. Foto: PD

Der damalige Bundespräsident Roman Herzog würdigte den Westfälischen Frieden als Beginn einer Zusammenarbeit europäischer Staaten. Das dürfe aber kein Anlass zur Selbstgefälligkeit sein. Herzog rief dazu auf, die Einigung fortzuführen und zwar mit Verstand und Herz: „Für die Vision Europas brauchen wir eben auch echte Europäer.“

Hohe Kosten, viele Staatsoberhäupter

Angesichts der Vielfalt königlicher Hoheiten und dem damit verbundenen großen Medieninteresse konstatierte Münsters Oberbürgermeisterin Marion Tüns mit großer Genugtuung: „Es ist ein großer Augenblick für die Stadt Münster in ihrer zwölfhundertjährigen Geschichte, Sie alle hier versammelt zu haben.“ Im Nachhinein zog Tüns begeistert Bilanz: „Der 24. Oktober 1998 wird als herausragendes Datum in die Geschichte unserer Stadt eingehen. Daran hat Prof. Dr. Klaus Bußmann als Ausstellungskommissar der Europaratsausstellung wesentlichen Anteil.

15 Millionen Mark hat das Ganze gekostet, 20 Staatsoberhäupter weilten in der Stadt, und gleichzeitig berichteten rund 700 Journalisten aus 19 Ländern über Münster für Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Angesichts des reibungslosen Ablaufs erhielten die städtische Projektgruppe „Westfälischer Friede“ um Projektleiterin Helga Boldt viel Lob für seine Organisations- und Koordinationsarbeit. Und die bei solchen Anlässen besonders heiklen Protokollfragen hätten bei Ursula Suer in besten Händen gelegen.

75 Jahre WN

Anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Westfälische Nachrichten“ stellen wir in den kommenden Wochen im Rahmen einer Serie herausragende Ereignisse aus der münsterischen Stadtgeschichte seit Ende des Zweiten Weltkrieges vor – vom Wiederaufbau über Papst- und Gorbatschow-Besuch bis hin zum Jahrhunderthochwasser und zur Amokfahrt.

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