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Gastbeitrag vom Krisenstabsleiter

Ein Jahr Corona in Münster: Die Wende ist eingeleitet

Münster

Ein Jahr Corona in Münster: Wolfgang Heuer, Leiter des Corona-Krisenstabs, blickt zurück auf ein Jahr voller Herausforderungen, Entbehrungen und Anstrengungen. Ein Gastbeitrag.

Wolfgang Heuer

Der menschenleere Prinzipalmarkt ist Sinnbild für die Corona-Pandemie in Münster. Der harte Lockdown gilt seit Mitte Dezember 2020. Kleines Bild (rechts): Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer. Foto: dpa

Kaum jemand konnte vor zwölf Monaten erahnen, dass eine kommende weltweite Pandemie unser Leben so drastisch verändern würde. Trotz aller Vorkehrungen, die der Staat für den Katastrophenfall trifft: Corona ist eine Herausforderung, die wir in dieser Form nicht kannten und die die Verantwortlichen seither an den Rand ihrer Möglichkeiten gebracht hat.

Die Bekämpfung der Pandemie begann vergleichsweise unspektakulär: Landauf, landab wurden von den Gesundheitsämtern einfache Hygieneempfehlungen herausgegeben, mit denen sich die Menschen gegen die Virusübertragung schützen sollten. Es dauerte aber nur wenige Tage, um zu erkennen, dass das nicht reichen wird. Der Krisenstab der Stadt wurde noch vor der ersten Infektion in Münster einberufen. Damit war den Beteiligten klar: Es läuft auf eine große Anstrengung zu, für die alle Kräfte gebündelt werden müssen. Seither hat der Stab 69 Mal getagt, hier laufen die Fäden im Netzwerk der Pandemiebekämpfung zusammen.

Weitreichende Konsequenzen

Anfang März 2020 kam es dann aufgrund einiger Infektionen zu ersten Schließungen von Kitas und Schulen, der Send wurde abgesagt. Den Menschen wurde mehr und mehr deutlich, was mit „Kontaktreduzierung“ gemeint war und wie weitreichend die Konsequenzen sein könnten.

Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer Foto: dpa

Mitte März spitzte sich die Lage zu, es entwickelte sich eine unerhörte, nie dagewesene Situation. Das Virus breitete sich in Deutschland immer schneller aus, auch Münster verzeichnete steigende Infektionen. Überall im Land wurden Ordnungsverfügungen erlassen, die auf eine drastische Kontaktreduzierung zwischen den Menschen abzielten und gleichbedeutend waren mit dem „Einfrieren“ des normalen gesellschaftlichen Lebens. Dies ist in Münster am 18. März mit einer von mir unterzeichneten Allgemeinverfügung erfolgt.

Leise und traurige Stimmung in der City

Ich erinnere mich, dass ich an diesem Tag nach einer Krisenstabssitzung in der Feuerwache am York-Ring mit dem Rad zum Stadthaus 1 in der City fuhr und eine merkwürdig leise und traurige Stimmung in den Geschäftsstraßen wahrnahm. Die Geschäfte begannen bereits, das eben erst Beschlossene umzusetzen und ihre Ladenlokale zu schließen. Ich weiß es noch wie heute, dass es ein Gefühl der Beklommenheit war, das mich bei diesen Bildern beschlich. Hinter uns liegen zwölf Monate voller Zumutungen, Opfer und Unsicherheiten. Eine schwere Zeit für alle, egal ob Bürger oder Verantwortliche. 101 Todesfälle, eine Zahl, die für keine Relativierung offensteht.

Immerhin können wir sagen, dass die Stadt im letzten Sommer, nach der ersten Welle, die richtigen Konsequenzen gezogen und sich auf die mögliche zweite Welle vorbereitet hat: Material, Schulung, Organisation – an vielen Punkten wurde massiv investiert. Und das hat sich in den letzten Monaten bezahlt gemacht. Nicht stehen bleiben, sondern weiterdenken und nach vorne gehen, das bewährt sich auch in der Pandemiebekämpfung. Ein guter Inzidenzwert bedeutet allerdings nicht, dass es den Kindern gut geht. Daher waren die jetzt erfolgten Öffnungen in Kita, Schule und Sport dringend notwendig. Gut ist auch, dass an den Schulen endlich eine umfassende Maskenpflicht gilt.

Virus wird durch Impfung erfolgreich bekämpft

Die Wende der Pandemie ist bereits eingeleitet: Mit dem großflächigen Impfen wird das Virus erfolgreich bekämpft werden, da bin ich mir sicher. Natürlich sind wir vor Ort unzufrieden mit dem langsamen Anlaufen und anderen Schwierigkeiten im Umfeld. Aber das darf nicht den Blick verstellen für die Aufgabe: impfen, impfen, impfen! Der Impfschutz wird helfen, Schritt für Schritt in Richtung Normalität zu kommen.

Und so geht in den nächsten Wochen der Spagat weiter: Einerseits muss mit Nachdruck gegen Virusmutationen und die sich aufbauende dritte Welle gearbeitet werden: Abstand, Maske, Rücksichtnahme. Gleichzeitig muss es uns gelingen, mit zusätzlichen Maßnahmen wie Schnelltests und neuen Regeln zur digitalen Kontakterfassung den Weg für weitere Öffnungen sicher zu machen. Münster hat für die kommende Zeit gute Voraussetzungen. Wir sollten etwas daraus machen.

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