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Werner Raabe verlässt das Sinfonieorchester Münster, bleibt aber im „Ruhestand“ der Musik verbunden

Ein Klarinettist aus Leidenschaft

Münster

Werner Raabe zählt sozusagen zum Urgestein der Musik-Szene in Münster. Der Klarinettist gehört seit 41 Jahren dem Sinfonieorchester Münster an. Jetzt geht er in den Ruhestand. Doch seine Leidenschaft für die Musik und die musikpädagogische Arbeit mit jungen Leuten werden bleiben. Ein Kulturporträt.

Von Christoph Schulte im Walde

Werner Raabe putzt im Orchestergraben des Theaters Münster noch einmal seine Klarinette durch. Foto: Oliver Berg

Am Anfang war die Blockflöte. Also der „Klassiker“! Werner Raabe hat sie als Kind gespielt. Immer schön mit den Fingern über den Löchern bleiben. Doch dann gab es ein Schulkonzert in seiner Heimatstadt Hamm – und da haben es ihm, dem jungen Schüler, die blitzenden Klappen und besonders der Klang der Klarinette angetan. Fortan war sie sein Favorit: eben die Klarinette. Und sie ist es bis heute geblieben. Seit 41 Jahren ist Werner Raabe Mitglied des Sinfonieorchesters Münster, ist seit 1980 dessen Solo-Klarinettist. Jetzt, Ende Juni, spielt er ein letztes Mal offiziell in dieser Funktion. Eine Ära geht zu Ende.

Er bleibt der Musik verbunden

Zu Ende? Werner Raabe im Ruhestand? In der Hängematte im heimischen Garten? „Ich denke nicht über ein Ende nach: Ich mache einfach so weiter – außer dass ich nicht mehr im Orchester spiele.“ Da ist seine Tätigkeit als Lehrer an der Westfälischen Schule für Musik und der Musikhochschule Münster, die ihm 2008 den Titel eines Honorarprofessors verliehen hat. Und da ist das Theaterjugendorchester, dessen Existenz ohne Werner Raabe gar nicht vorstellbar ist. Eine Pionierarbeit, die junge Menschen seit über 20 Jahren mit dem „ganz normalen“ Alltag im Musiktheater in Berührung bringt. Daran wird sich auch nach Eintritt in das sogenannte „Rentnerdasein“ nichts ändern. „Live Music Now!“ ist auch so ein Feld, das Werner Raabe weiter beackern wird: Einst von dem berühmten Geiger Yehudi Menuhin installiert, bringt diese ehrenamtliche Initiative Musik zu Menschen, denen sonst kaum Begegnungen mit Kunst und Kultur möglich sind: Gefängnisinsassen, Menschen mit Handycap, psychisch Kranke und alte, zumeist demente Menschen. Hier engagiert sich Werner Raabe seit über 15 Jahren. Immer verbunden mit Nachwuchsmusikerinnen und -musikern. „Ich bekomme so viel zurück, wenn ich mit den jungen Leuten zusammenarbeite.“

Vielleicht ist dies auch biografisch bedingt, denn Raabes Eltern waren, als er mit dem Unterricht begann, nicht unbedingt besonders begütert. Er spielte auf einem Leihinstrument. „Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt.“ Und Werner hat viel geübt! „Man musste mich vom Ins­trument wegholen! Mein Vater hatte regelmäßig Nachtdienst und lag schlafend im Nebenzimmer, während ich erbarmungslos übte. Als ich dann schlafen ging, musste mein Vater zur Arbeit. Ich kann ihm für diese Toleranz gar nicht oft genug danken.“

Unvergessene Opernproduktionen

Alfred Walter war Generalmusikdirektor in Münster, als Werner Raabe die Solo-Stelle als Klarinettist bekam. Er erinnert sich an all die Mahler-Sinfonien und an großartige Opernproduktionen wie „Tosca“, „Werther“, „Die Macht des Schicksals“ oder an „Dantons Tod“ von Gottfried von Einem. „An einer Stelle steht da in den Noten: ‚Höllenfahrt des Klarinettisten‘“, schmunzelt Werner Raabe. Natürlich ist die Ära Will Humburg präsent, die nicht nur vom Orchester, sondern von allen im Theater sämtliche Kräfte abverlangte. „Humburg hat den Orchester-Trabbi gefahren wie einen Porsche. Ich bin trotzdem froh, dass ich ihn erleben durfte.“ Das Publikum damals auch, schließlich gab es Wagner, wie er auf dem Bayreuther Hügel kaum besser hätte klingen können.

„Das ist Familie“

41 Jahre Sinfonieorchester Münster: „Das ist Familie. Man muss gar nicht nach München oder Berlin. Es ist doch herrlich hier und zudem alles mit dem Fahrrad zu erreichen!“, so Raabe. Er wird sich auch weiterhin für die jungen Menschen engagieren. Kinderkonzerte, Musikkindergarten, Theaterjugendorchester. Auch in allen pädagogischen Bereichen muss sich das Orchester unentbehrlich machen! Und das hat es dank Werner Raabe und all seinen Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahrzehnten schon toll geschafft.

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