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Sopranistin Nuria Rial und Trompeter Reinhold Friedrich im Bagno

Ein Spaziergang durch Wald, Feld und Flur

Steinfurt

„Sweet Birds“ waren am Wochenende im Bagno-Konzertsaal zu hören. Das Musikprogramm klang wie ein Streifzug durch Wald, Feld und Flur. Mit dabei: Sopranistin Nuria Rial und Star-Trompeter Reinhold Friedrich.

Gern gesehener Gast im Bagno: Weltklasse-Trompeter Reinhold Friedrich mit Musikern des Händel-Festspielorchesters Halle Foto: Lüttmann

Nur der allzu oft besungene Kuckuck hatte diesmal nichts zu melden. Schwalben sind zu hören, plätschernde Bäche, fröhliche Bootsleute, Waldvögel, Zephire, allerlei Schnurrpfeifereien und ein ganz besonderer Star: Sopranistin Nuria Rial, die diesen Abend im Bagno zu einem herausragenden Erlebnis machte. „Sweet Birds“ war das Konzert überschrieben, das die launig-heitere Seite der angeblich so ernsten klassischen Musik zum Klingen brachte. Dafür sorgten neben der sympathischen Spanierin auch Weltklasse-Trompeter Reinhold Friedrich und die formidabel gestimmten Musiker des Händel-Festspielorchesters Halle. Dessen Leiterin, Birgit Schnurpfeil, kündigte zu Beginn des Konzerts mit Musik von Händel, Telemann und Vivaldi einen musikalischen Spaziergang durch Wald, Feld und Flur an, auf dem viele Klänge der Natur zu hören seien – der Kuckuck diesmal jedoch nicht.

Über Reinhold Friedrichs Kunst muss – oder kann – man nicht mehr viele Worte machen; seine in höchstem Maße veredelte Trompetenmusik lässt sich auch mit lyrisch-geadelter Sprache nur dürftig beschreiben. Deswegen wohl nannte ihn der Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov nicht weniger als den „Trompetengott“. Und das Händel-Festspielorchester stellt seit mehr als 25 Jahren unter Beweis, wie lebendig und modern barocke Musik heute sein kann. Die begeisternden Musiker spielten auf historischen Instrumenten und präsentierten Georg Philipp Telemanns Wassermusik im Bagno mit Verve und Wucht und beherztem Aufstampfen in der Canarie über die lustigen Bootsleute.

Aber wann hat man im Bagno je eine so herausragende Sopranistin gehört? Nuria Rial malt ihre Gesangslinien mit eleganter Souveränität und makellosem Ton, transparent und klar, warm und leuchtend wie spätsommerliches Abendrot. Empfindsam, lebhaft und stimmlich enorm beweglich zeigt sie einen anderen Händel, intim beinahe und nicht so heroisch, wie man ihn meistens kennt. „Sweet Bird“, besingt sie lerchengleich den „lieblichen Vogel“ in der themengebenden Arie aus John Miltons Gedicht und bekommt dafür zusammen mit der kongenialen Flötistin des Festspielorchesters mehr als verdient überschwänglichen Zwischenapplaus. Und, wie passend für diesen natur-musikalischen Spaziergang, erstrahlt am Ende dieses funkelnd tirilierenden Abends im Bagno im Duett von So­pran und Trompete das Ewige Licht, die „Eternal Source of Light Divine“, festlich, poetisch, seelenvoll.

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