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"March for Science"

Ein Zeichen für die freie Wissenschaft setzen

Münster

Ein Jahr nach dem ersten "March for Science" finden wieder Demonstrationen und Kundgebungen statt. Studenten, Promovenden und Mitarbeiter der Uni Münster protestieren unter anderem gegen Einschränkungen in der Wissenschaft.

Lena Sünderbruch

Zahlreiche Menschen beteiligen sich am March for Science in Münster Foto: Matthias Ahlke

Beim zweiten "March for Science" sind am Samstag in Münster viele Menschen für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße gegangen. Pünktlich um 11 Uhr versammelten sich Studenten, Promovenden und Mitarbeiter der Uni Münster deshalb vor dem Schloss, von wo aus der "March for Science" unter dem Motto "Wissenschaft bewegt" durch die Innenstadt führte und schließlich mit einer Kundgebung auf dem Stubengassenplatz endete.

Katharina Grunert und Lea Zoé Schäfer sind extra aus Bielefeld zum Schlossplatz gekommen, um sich an der Demonstration für freie Wissenschaft und Forschung durch Münsters Innenstadt zu beteiligen. Wie vielen anderen Demonstranten ist es den beiden Molekularbiologie-Studentinnen wichtig dafür einzustehen, dass die Relevanz von Wissenschaft anerkannt und nicht durch „alternative Fakten“ verdrängt wird. Viele sind sich einig, dass heutzutage mehr denn je zwischen Fakten und Meinungen unterschieden werden muss. Medizinstudentin Wenyi Xie ergänzt, faire und transparente Forschung sei für sie die Basis für den Fortschritt einer Gesellschaft. Wissenschaftler der Uni Münster teilen diese Ansicht. Prof. Dr. Klaus Ebnet erklärt: „Erkenntnis ist Voraussetzung für Bildung und Bildung ist die Basis für die Freiheit des Menschen. Wissenschaft ist wichtig für die Aufklärung“.

Doktorandin Laura Ehrnsperger und ihre Klimatologie-Kommilitoninnen finden, dass die Wissenschaft mehr Präsenz zeigen muss. „Es ist wichtig, dass die breite Öffentlichkeit mehr von unserer Forschung mitbekommt und besser integriert wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten allen zugänglich sein und die Menschen sollen auch nachvollziehen können, wie wir zu diesen Ergebnissen gekommen sind“.

Vereinzelt wurden jedoch auch kritische Stimmen an der Beteiligung des AStA der Uni Münster laut. Mehrere Teilnehmer ärgerten sich darüber, dass der AStA die Demo für Zwecke „instrumentalisiere“, die nichts mit dem March for Science zu tun hätten. Auslöser für diesen Unmut war ein Banner des AStA, das die NRW-Landesregierung dafür kritisierte, das Verbot der Anwesenheitspflicht an Universitäten gekippt zu haben. AStA-Öffentlichkeitsreferent Liam Demmke sah darin jedoch keinen Konflikt: „Die Aussage auf dem Banner steht für uns nicht im Gegensatz zur heutigen Kundgebung. Freiheit der Wissenschaft heißt für den AStA auch Studierfreiheit und nicht nur die Freiheit der Lehre. Es ist unglaubwürdig, uns dafür zu kritisieren, dass wir das diskutieren wollen.“

Bei der abschließenden Kundgebung auf dem Stubengassenplatz moderierte der Pressereferent der Uni Münster Norbert Robers eine kurze Podiumsdiskussion, an der die Präsidentin der FH Münster, Prof. Dr. Ute von Lojewski, Prof. Dr. Michael Quante als Mitglied des WWU-Rektorats und Prof. Dr. Angela Schwering vom Institut für Geoinformatik teilnahmen. Sie sahen nebem dem ursprünglichen Ziel, durch die Demo auf Einschränkungen in der Wissenschaft hinzuweisen, auch die Verantwortung der Wissenschaft, sich selbst gegenüber kritisch zu sein und nicht „zu selbstzufrieden zu werden“, sagte Prof. Quante. Großen Applaus gab es für seine Worte, die die Stimmung des March for Science zusammenfassten: „Für Denkfreiheit muss man sich engagieren – sie wächst nicht auf Bäumen.“ Mit einem Blick auf die neuen Medien und Kommunikationskanäle betonte er außerdem, es müsse nach wie vor auf Fakten und Gründe ankommen statt auf Likes und Klicks.

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