Luxusreisen und Trüffel-Soirees

Enrico Kahl: Anklage im Frühjahr

Münster

Im Fall des früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, ist im Frühjahr diesen Jahres mit einer Anklage-Erhebung vor dem Landgericht Münster zu rechnen. Dieses Zeitfenster bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld. Kahl war im Oktober 2015 fristlos entlassen worden, ihm wird massiver Spesenbetrug vorgeworfen. Auf eine Schadenshöhe wollen sich die Ermittler jedoch noch nicht festlegen.

Norbert Tiemann

Der frühere Sparda-Bank-Chef Enrico Kahl steht im Verdacht der Untreue und des Betruges. Foto: Matthias Ahlke

Unterstützt von der Polizei in Münster ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld nun schon im vierten Jahr, akribisch werden die Spesenbelege des entlassenen Bankers überprüft. Die Zeit arbeitet inzwischen gegen diese Ermittlungen, weil der sachbearbeitende Staatsanwalt in Bielefeld offenbar vor dem Ruhestand steht. Rübsam zufolge wird der Verdacht auf Untreue und Betrug in ca. 300 Einzelfällengeprüft. Kahl soll Partys und Privatreisen, auch Trüffel-Soirees und Opernbesuche, auf Kosten der Bank abgerechnet haben, darunter auch eine Geburtstagsfeier für seine Frau. Ins Visier der Ermittler gerieten auch ehemalige Aufsichtsräte der Sparda-Bank Münster, die Kahl mit 450-Euro-Jobs versorgt hatte, und Vorstandskollegen der Bank. Dadurch steht die Frage im Raum, inwieweit dieses „System Kahl“ auch vorsätzlich auf Verschleierung angelegt war.

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