1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Entfesselte Musik, freie Kreativität

  8. >

Konzert von und für Winfried Michel

Entfesselte Musik, freie Kreativität

Münster

Winfried Michel ist ein kreativer Kopf und Komponist. Das zeigte sich auch jetzt wieder beim Konzert in der Musikhochschule Münster. Es wurde von 14 Studierenden und dem Hochschuldozenten gestaltet und war dessen neuesten Werken gewidmet.

Von Christoph Schulte im Walde

Winfried Michel (links) und seine musikalischen Mitstreiterinnen und Mitstreiter freuen sich über den Schlussapplaus. Foto: Schulte im Walde

Fuge, Kanon, Umkehrung, Krebsgang, Diminution, Vergrößerung – diese und noch viel mehr Begriffe gehören zum Handwerkszeug eines Komponisten, wenn er sich daran macht, ein musikalisches Thema nach allen Regeln der Kunst zu bearbeiten. Sie bezeichnen Techniken des Komponierens, die Johann Sebastian Bach meisterhaft und wie kaum ein Zweiter beherrschte.

Kaum ein Zweiter? Winfried Michel ist ein solcher, wovon sein umfangreiches Oeuvre beeindruckend Zeugnis gibt. Auch jetzt wieder beim Konzert am Samstag in der Musikhochschule, von 14 Studierenden gestaltet und dem Hochschuldozenten und dessen neuesten Werken gewidmet.

Michel verfügt über ein schier grenzenloses und alle Epochen der Musikgeschichte abdeckendes Wissen, das ihn in die Lage versetzt, sich der kniffligsten Komponiertechniken wie selbstverständlich zu bedienen. Da gab es einen „Unendlichen Kanon“ für drei Bratschen, die „da lontano“, also aus der Ferne an die Ohren der Zuhörer drangen. Dann „Fünf Sekundenstückchen“ für zwei Violoncelli mit Titeln wie „Bocksprung“, „Blitzschlag“ oder „Auf den Fersen“, die humorvoll das musikalische Bauprinzip beschreiben. Kontrapunkt, um den es hier geht, kann kons­truiert sein und völlig künstlich wirken – bei Winfried Michel klingt er kunstvoll, immer originell, charaktervoll, nie beliebig.

„Entfesselung“ stand als Motto über dem erfreulich gut besuchten Konzertabend. Wobei „Fessel“ für Winfried Michel nicht unbedingt negativ konnotiert ist, im Gegenteil: die Form und ihre Regeln lassen Kreativität zu. Nicht zuletzt auch emotionale Dichte in Lyrik-Vertonungen wie „Mitten am Tag eine Furcht...“ (Dichtung: Thomas Brasch) oder „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“ auf Verse von Heinrich Heine. Michels „Wokáliče“ für Sopran und Kontrabass oder „hartstocht“ („Leidenschaft“) für Akkordeon bewiesen, dass es nicht eines großen Aufwandes bedarf, um große Wirkung zu erzielen. Diese Musik konzentriert sich auf das Wesentliche, lärmt nicht, wirkt nie oberflächlich sondern gehaltvoll. Vielleicht sind es genau diese Merkmale, die Winfried Michels Klänge nachvollziehbar machen. Es ist Neue Musik, die niemanden vor den Kopf stößt, vielmehr sinnlich in ihn eindringt.

Großer Beifall war all den überaus engagierten jungen Interpretinnen und Interpreten sicher, der Meister zeigte sich abschließend sehr zufrieden.

Startseite
ANZEIGE