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Begleitprogramm im LWL-Naturkundemuseum

Literarische Meilensteine - und ein Geldentsafter

Münster

Das literarische Begleitprogramm zur Sonderaustellung „Überlebenskünstler Mensch“ musste mehrmals verschoben werden. Auch findet es nun anders statt als gewohnt. Warum sich das Warten dennoch gelohnt hat.

Von Björn Meyer

Beate Reker vor der Wand der Erfindungen im LWL-Museum für Naturkunde: Im literarischen Begleitprogramm der Ausstellung „Überlebenskünstler Mensch“ spielt die Schauspielerin auf amüsant-kluge Art mit den Stärken und Schwächen unserer Spezies. Foto: Oliver Werner

Nach 70 Minuten, die sich anfühlen, als hätten sie gerade ein Rennen gegen eine Stunde gewonnen, lehnt Schauspielerin Beate Reker an einer Mauer vor dem LWL-Naturkundemuseum. Manöverkritik nach der Generalprobe ihres neuen Streichs, der als literarisches Begleitprogramm für die Ausstellung „Überlebenskünstler Mensch“ dient. Ob die einzelnen Stücke gepasst hätten, ob sie zu schnell gewesen sei, will sie von den wenigen Umstehenden wissen. Als für einen Moment – wenngleich sanfte – Kritik aufkeimt, nickt Reker. „Genau das hat mein Mann auch gesagt“, sagt sie und macht sich eine Notiz.

Reker ist Profi, sie weiß die Anmerkungen, die sie da gerade vom Testpublikum bekommt, als das zu nehmen, was sie sind: eine Hilfe. Immerhin, so sagt sie es selbst, als die Generalprobe beginnt, gehe es darum, sich den großen Fragen der Menschheit zu widmen. Und das ist genau genommen blanke Untertreibung, denn während Reker sich Sprache und Schrift, dem Reisen und dem Entdecken, Geld und Glück widmet, sind es keineswegs nur die großen Fragen, die im Zentrum des Programms stehen.

Christian Leberecht Schnabel und seine Gabel

Vielleicht sind es sogar die vermeintlich kleinen, die des Menschen Balanceakt zwischen, so Reker, „Himmelstürmer und Traumtänzer“ aufzeigen. Die Frage nach dem Sinn von Christian Leberecht Schnabels – Erfinder, Künstler, und eben Mensch – einzinkiger Gabel. Die Frage nach dem Geldentsafter oder aber die des richtigen Geschenks im Hinblick auf die Vorzüge von Fahrrad und Pferd. An der sich nicht nur die Meinungen, sondern auch die Geschlechter scheiden.

Alexander von Humboldts Weltanschauung

Gerade wegen dieser vermeintlichen Trivialitäten spannt Reker ohne Probleme den Bogen zu weitaus tiefgründigeren Gedanken. Sie zitiert Alexander von Humboldts Gedanken zur Weltanschauung und widmet sich Natalie von Herders „Die Federn“, eine von – so viel sei verraten – Beate Rekers liebsten Stellen im Programm. Kurzum: Der Ausstellung fügt Reker literarische Meilensteine, aber auch „absurde Erfahrungen“ hinzu – die Dreierlei zeigen: den Menschen, seine einzigartigen Stärken, und sein Scheitern darin, diese bisweilen zu nutzen.

Aufgrund der Pandemie findet das literarische Begleitprogramm nicht wie gewohnt in einem Rundgang, sondern an einem bestuhlten Ort der Ausstellung statt.

Stratege, Träumer, Tausendsassa

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