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Dialogische Lesung

Erinnerungen der Zeitzeugin Aloni

Münster

Protokoll des Schreckens: Die jüdische Autorin Jenny Aloni hat 58 Jahre lang Tagebuch geführt – über die Nazis, das damit einhergehende Elend und die Aufarbeitung der Shoah. Eine Lesung gewährte jetzt Einblicke in ihr Leben.

Von Lotta Krüger

Schauspieler Carsten Bender (l.) und Literaturwissenschaftler Dr. Walter Gödden lasen aus Werken von Jenny Aloni. Foto: Lotta Krüger

Schauspieler Carsten Bender und Literaturwissenschaftler Dr. Walter Gödden haben in der Stadtbücherei aus den Werken der deutsch-israelischen Schriftstellerin Jenny Aloni gelesen – und gewährten so einen Einblick in ihr bewegtes Leben.

Sie präsentierten Auszüge aus Romanen, Gedichten, Zeitungsberichten, Zeugnissen und Tagebüchern der verstorbenen jüdischen Autorin, die 1917 in Paderborn geboren wurde und dort als Jugendliche die Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebte. Über die zunehmende Diskriminierung, das Gefühl der Heimatlosigkeit und die aufgewühlte Stimmung, die der „braune Terror“ mit sich brachte, führte sie seit ihrer Schulzeit und bis kurz vor ihrem Tode 58 Jahre lang Tagebuch. In diesem und später in zahlreichen literarischen Werken setzte Jenny Aloni sich mit ihrer Auswanderung nach Palästina, ihren quälenden Erinnerungen an Deutschland und mit den Schuldgefühlen auseinander, die sie wegen des Zurücklassens ihrer Familie quälten.

Sowohl ihre Tagebücher als auch ihre lyrischen und prosaischen Werke stellen ein Protokoll der unerträglichen Lebensbedingungen der Schriftstellerin dar: Eindrücklich schildert sie Jahre der harten Arbeit und Geldnot, ihr Entsetzen über das deutsche Verdrängen und wiederkehrende Suizidgedanken.

Die gebührende Anerkennung für ihre Werke erlangte die Exilautorin erst mit über 70 – Anfang der 1990er-Jahre erhielt sie den Meersburger Droste-Preis sowie den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.

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