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10.000 Fans am Hawerkamp

Vainstream Rockfest: So war das zweite Wochenende

Münster

Das zweite Vainstream innerhalb von acht Tagen: Und wieder hinterlässt das Festival eigentlich nur glückliche Gesichter – sowie einige Auftritte, die in Erinnerung bleiben werden.

Von Björn Meyer

Viele Festivalbesucher waren sichtlich zufrieden mit dem zweiten Vain­stream-Wochenende innerhalb von acht Tagen. Foto: Simon Beckmann

Nein, Jason Butler ist keiner dieser Musiker, die jeder kennt. Und doch lohnt es sich, sich den Namen des 35-jährigen Sängers aus Ingle­wood in Kalifornien zu merken. Denn Butler schickt sich derzeit mit seiner Band Fever 333 an, den Rock zu retten. Nicht diesen Westernhagen-Rock – an dem es so ganz nebenbei viel weniger auszusetzen gibt, als das in der Vergangenheit manchmal geschehen ist. Nein, Butler rettet eine andere Art von Rockmusik. Crossover wird sie gerne genannt, also Rockmusik, die sich aus ganz verschiedenen Elementen zusammensetzt. Häufig und auch in diesem Fall mit politischem Inhalt, wütend dargeboten. Doch mit Butler bekommt sie eine neue Komponente – eine volksnahe. Es ist kurz nach 18.15 Uhr am Samstagabend am Hawerkamp als Jason Butler von der Bühne läuft und in Sekundenschnelle auf die einige Meter hohe Stahlkonstruktion über einer Bierbude klettert. Er redet, er lacht, dann springt er.

Nach der Rekordkulisse kommt der Luxus

Achja, das Vainstream – was macht man eigentlich, wenn man ein erstes, blendend organisiertes und von den Besuchern gefeiertes Festival mit Rekordkulisse einfach nicht mehr überbieten kann? Man macht es noch einmal genauso gut.

So geschehen am Hawerkamp, wo innerhalb von acht Tagen gleich zwei Mal das Vain­stream Rockfest seine Pforten öffnete. Nach „Weekend one“ wurde auch das „Vainstream – Weekend two“ zur ausgelassenen Konzert-Sause, bei der es den Besuchern an nichts mangelte. Und doch waren die beiden Veranstaltungen nicht deckungsgleich. Deutlich weniger Besucher finden sich am zweiten Wochenende, ein in dieser Form wohl einmaliges, letztlich pandemiebedingtes Ereignis, auf dem Gelände ein. Dort wo eine Woche zuvor noch 18.000 feierten, sind es dieses Mal nach Veranstalterangaben rund 10.000. Die In­fra­­struktur der zuvor schon von allen Seiten für ihre Organisation gelobten Veranstaltung gerät zum in diesen Zeiten seltenen Festivalluxus.

Festivaldirektor Tom Naber

„Als Besucher kann man sich so etwas doch nur wünschen, als Veranstalter hätten wir natürlich noch gerne ein paar mehr Leute hier gehabt. Aber wir sind zufrieden“, sagt Festivaldirektor Tom Naber von Veranstalter Kingstar Music schon am Samstagnachmittag. Dass auf dem Gelände viel Platz bleibt, ist bei den 13 Konzerten direkt vor den beiden Hauptbühnen nicht zu merken. Dort ist es stets voll, aber wer einen Platz ganz vorne sucht, kommt irgendwie auch noch unter. Optimale Bedingungen also, auch weil Publikum und Musiker merklich Lust aufeinander haben. Das gilt für die frühen Konzerte ebenso wie am Abend für den Auftritt der Broilers, die Headliner des Festivals sind. Es sei ihr Heim-Festival, sagt Sänger Sammy Amara, weil hinter und eben vor der Bühne viele Freunde stünden – „la Familia“ eben. Neben diesen Worten bringen die Broilers Punk, Rock, Oi, gute Texte und richtig viel Spielfreude mit auf die Bühne. Der bandeigene Fundus an guten Songs ist derart groß, das längst nicht mehr alle populären Stücke in die Show passen. Dieser Fundus, er ist wohl auch ein Grund dafür, dass die „Punk-Polizei“ – also selbernannte Wächter des Punks – den Broilers gerne mal absprechen, überhaupt noch Punk zu sein. Irgendwie absurd bei einer Band, die einst in der Baracke in Münster „für 50 Mark und einen Kasten Bier spielte“ – wie Tom Naber sich am Rande des Festivals erinnert – und sich über die Jahre durch nahezu sämtliche Festival­slots mit guten Auftritten nach oben auf die Plakate brachte.

Die Broilers und die „Punk-Polizei“

Ach ja, da war ja noch Jason Butler. Der wird bei seinem Sprung von den vor die Bierbude geeilten Fans aufgefangen. Auf vielen Händen über die Menge getragen, nimmt Butler den Kopf in den Nacken, er streicht sich mit einer Hand durch die Haare und lächelt wieder. So einfach und entspannt lässt sich der Rock manchmal retten.

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