Koalition will Planung vorantreiben

Fläche für Freizeitbad in Gievenbeck gesucht

Münster-West

Die Ratskoalition treibt die Pläne für ein neues Sport- und Freizeitbad in Gievenbeck voran. Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung über den Standort fallen. Eine Wunschfläche aus Sicht der Lokalpolitikerinnen und -politiker gibt es schon.

Joel Hunold

Schon 2019 hatten Architekten der Gruppe MDK Münster auf eigene Initiative ein Konzept erarbeitet, wie ein Freizeit- und Sportbad in Gievenbeck ihrer Meinung nach aussehen könnte. Nun treibt die Koalition die Planung voran. Foto: Gruppe MDK Münster

Das Thema steht unscheinbar im letzten inhaltlichen Kapitel des Koalitionsvertrags von Grünen, SPD und Volt auf den Seiten 114 und 115: ein neues Schwimmbad in Münsters Westen. Dennoch treiben die Lokalpolitiker das prestigeträchtige und nicht ganz preiswerte Projekt nun voran: In der kommenden Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch (19. Mai), welche die pandemiebedingt ausgefallene Ratssitzung ersetzt, wollen sie die Stadtverwaltung damit beauftragen, kurzfristig eine geeignete Fläche für die Errichtung eines Sport- und Freizeitbades in Münsters Westen zu finden, und „die erforderlichen planungsrechtlichen Schritte für die Schaffung vorzubereiten“, wie es in dem Antrag heißt.

Eine Wunschfläche hat die Koalition bereits ausgemacht: Dabei handelt es sich um einen im städtischen Eigentum befindlichen Bereich an der Roxeler Straße in Gievenbeck, schräg gegenüber ehemaligen Offiziers-Casino und der Elektrobus-Aufladestation der Stadtwerke. Der Bereich war bereits im Wahlkampf von der SPD ins Auge genommen werden. Zwar heißt es in dem Antrag, die Fläche solle lediglich „in die Prüfung mit einbezogen werden“. Zumindest für die SPD ist jedoch klar, dass „die Fläche gut ins Konzept passt“, sagt deren Ratsfrau Doris Feldmann. Zwar sei man offen für andere Vorschläge der Stadtverwaltung, aber „wir glauben, dass es auf den Standort hinausläuft“. Grünen-Fraktionschef Christoph Kattentidt erläutert: „Die Grünen sind da ergebnisoffen. Es kann die Fläche werden, aber auch eine andere. Wir sind offen für Alternativen.“ Noch in diesem Jahr erwartet die Koalition derweil eine Antwort von der Stadtverwaltung.

Auf dieser Fläche an der Roxeler Straße soll aus Sicht der Koalition das neue Sport- und Freizeitbad entstehen. Lokalpolitiker bekräftigen allerdings, sie seien für Alternativvorschläge der Verwaltung durchaus offen. Foto: Joel Hunold

Die Fläche an der Roxeler Straße, die aktuell landwirtschaftlich benutzt wird, sollte einst als Friedhof benutzt werden, 1998 ist ein entsprechender Bebauungsplan in Kraft getreten. Einen entsprechenden Bedarf sieht die Koalition dort allerdings nicht.

Knackpunkt Größe und Finanzierung

Für ein Schwimmbad in Gievenbeck allerdings sehr wohl: „Wir wollen am dezentralen Schwimmbadkonzept für Münster festhalten und mehr in die Fläche reingehen", sagt Kattentidt und betont dabei auch, dass die jüngst beschlossene Wiederauferstehung des Südbads keine Abkehr von einem Schwimmbad im Westen bedeute. Dort „fehlt es uns trotzdem an Bädern“. Der gleichen Meinung ist die SPD: „Das ist keine Entweder-oder-Planung“, so Feldmann – auch wenn SPD-Oberbürgermeisterkandidat Michael Jung im Kommunalwahlkampf genau das behauptet hatte, als er sagte, sollte das Bad im Westen entstehen, „würden wir kein Südbad mehr bauen“. Doch gerade mit Blick auf das Oxford-Quartier und mehrere Grundschulen, die im Westen entstehen, werden neue Wasserflächen benötigt.

Allgemein sei die zentrale Frage, „was da genau gebaut wird“ – sprich, wie groß, vielfältig und damit wie teuer so ein Sport- und Freizeitbad werde, sagt Kattentidt. Für 2023 hat die Koalition bereits fünf Millionen Euro im Haushalt eingeplant. Aus Sicht der SPD lohnt sich ein solches Bad nur, wenn es auch einen entsprechenden Mehrwert bietet. „Wir müssen größer denken, um die Auslastung zu haben“, sagt Feldmann. Ein Bad für alle Generationen, auch wenn es teurer sein sollte, ziehe mehr Leute an und decke damit die Kosten effektiver. „Ich bin in Osnabrück immer wieder erschrocken darüber, wie viele Fahrzeuge mit Münsteraner Kennzeichen auf dem Parkplatz stehen“, sagt Feldmann mit Blick auf das dortige Nettebad. Kattentidt erinnert derweil daran, dass die Haushaltslage aktuell angespannt sei.

Unterstützung offen

Ob die Koalition etwa auf die Unterstützung der CDU zählen kann, ist bisher unklar. Zwar hatte die Partei sich während des Kommunalwahlkampfes für ein neue Bad in Gievenbeck ausgesprochen – die CDUler in der Bezirksvertretung-West sind schon länger dafür. Auf Anfrage teilte die sportpolitische Sprecherin der CDU, Astrid Bühl, mit, man werde in dieser Woche zu dem Thema konferieren.

Kommentar: Keine Eile geboten

Die Ratskoalition macht Tempo und treibt die Pläne für ein neues Sport- und Freizeitbad im Westen voran. Kein Wunder, schließlich war es ein zentrales und fast schon penetrant oft plakatiertes Wahlkampfversprechen der SPD. Dennoch sollte die Koalition nicht durch den Versuch des überfrühten Einlösens dieses Versprechens den durch die Pandemie angespannten städtischen Haushalt überdehnen. Der Bedarf an zusätzlicher Wasserfläche im Westen ist hoch und langfristig mag der große und teurere Wurf eines Wassersport-Touristenmagneten à la Nettebad und Maximare wirtschaftlich sinnvoll sein. Gerade deshalb kann die Entscheidung über solche Leuchtturmprojekte auch am Ende einer Legislatur beschlossen werden und nicht, wie in Haushaltsplänen anvisiert, in den kommenden Monaten, während direkt gegenüber im Oxford-Quartier noch die Bagger rollen und arbeiten. Von Joel Hunold

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