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Echtzeit-Theater zeigt partizipative Rauminstallation „mikro-Giganto“

Fleißig krabbeln kleine Forscher

Münster

Menschen und Insekten stehen im Zentrum der Produktion „mikro-Giganto“.

Von Helmut Jasny

Kleine Forscherinnen krabbeln zu den Stationen. Foto: Thomas Mohn

Was haben Menschen und Insekten miteinander zu tun? Diese Frage stellt das Echtzeit-Theater in seiner neuen Produktion „mikro-Giganto“. Es handelt sich um eine „partizipativen Rauminstallation für Forscher/-innen ab 7 Jahren“, und der Untertitel deutet schon die Herangehensweise an: Nicht das Ensemble wird die Frage zu beantworten versuchen, sondern die Zuschauer. Dazu hat ihnen das Performance-Kollektiv Rue Obscure ein „Krabbeloratorium“ ins Theater in der Meerwiese gebaut, wo Samstag und Sonntag den ganzen Nachmittag über Vorstellungen stattfanden.

Forschung bringt nur was, wenn sie strukturiert abläuft. Deshalb gibt es in jeder Forschungsstation eine Ampel, die anzeigt, wie lange man sich mit einem Thema befassen und wann man zur nächsten Station krabbeln soll. Ja, krabbeln, denn die Eingänge zu den Stationen sind niedrig wie bei einem Zelt. Und weil es drinnen manchmal dunkel ist und Insekten eher klein sind, bekommt jeder der in Dreiergruppen aufgeteilten Forscher eine Taschenlampe und eine Lupe mit auf den Weg.

An den einzelnen Stationen stößt man auf viel Wunderliches, das es nicht nur zu erforschen, sondern manchmal auch zu interpretieren gilt. In einem Raum hängen Kopfhörer, in denen sich Menschen über Insekten und Insekten über Menschen beschweren. In einem anderen stehen Eimer mit Eiern und Larven, während von der Decke ein seltsam pulsierendes Gebilde hängt, das an eine DNA erinnert. Ein vollständig verspiegelter Raum ist mit Kinderpuppen bevölkert, die sich alle mit einem Insekt angefreundet haben. An einer anderen Station mähen Menschen in Ameisengröße den Rasen, in wieder einer anderen wartet eine Performerin im Insektenkostüm und will wissen, ob man schon unangenehme Erfahrungen mit Bienen gemacht hat.

Die interaktive Raumin­stallation von Echtzeit-Theater und Rue Obscure macht Spaß, weil sie fantasievoll konzipiert und mit Liebe zum Detail gebaut ist. Zudem lernt man etwas. Aber nicht etwa, weil man belehrt würde, sondern weil man die Welt der Insekten selbst erforschen kann. In der letzten Station wartet ein Schauspieler und will wissen, was Menschen und Insekten denn nun gemeinsam haben. Die Antworten werden auf Zettel geschrieben und an die Wand gepinnt. „Beide wollen leben“, kann man da lesen, „Wir brauchen Insekten“ oder „Insekten sind fleißig, bekommen aber keinen Lohn“.

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