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Musikalischer Adventskalender in der Überwasserkirche

Flotte Synkopen in vertrauten weihnachtlichen Liedern

Münster

Draußen der Weihnachtsmarkt, drinnen die besinnliche Musik zum Advent: So war es am Wochenende an der Überwasserkirche.

Von Günter Moseler

Insgesamt sieben Musiker und Musikerinnen sorgten mit Popklängen in der Überwasserkirche für adventliche Stimmung. Foto: Günter Moseler

Mit den biblischen Plagen hätte es „Corona“ spielend aufnehmen können: Im Alten Testament (2. Buch Moses) haben zehn Katastrophen ihren verheerenden Auftritt – man könnte sie mühelos als Klimawandel und globale Viren-Krise deuten. Während von ihr umzingelt ein Weihnachtsmarkt den Himmel auf Erden versprach, herrschte dagegen in der Überwasserkirche ein traumhaftes Gleichgewicht von Licht und Schatten. Ihr Innenraum, in meerblaue und bischofslila Farben getaucht, bot die Kulisse für das „Adventskalender“-Konzert, das sechs Musiker und der Pop-Kantor des evangelischen Kirchenkreises Münster, Hans Werner Scharnowski, zelebrierten.

Auf den Steinfliesen des Mittelgangs wiesen Zitate und Sprüche den spirituellen Weg von „Du bist das Licht der Welt“ bis „Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt“. Reflexionen eines überdimensionalen Mobilé huschten im kinetischen Sternschnuppen-Modus über Säulen, Decke und Wände, schon wurde „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ intoniert, mischten sich flotte Synkopen in die Textzeilen. „Die Weihnachtsgeschichte im neuen Soundgewand“ hatte Scharnowski versprochen und bot eine musikalische Weltrundreise von Amerika bis Afrika.

Das altehrwürdige „Hark! The Herald Angels sing!“ zu einer mendelssohnschen Melodie gehörte zu jenen Liedern, die ausdrücklich zum „Gemeindegesang“ für das Publikum bestimmt waren, zögerlich stimmte man ein. Dagegen verströmte der amerikanische Song „A Sleigh Ride“ frivolen Leichtsinnspep in bedeutungsschweren Zeiten und hallte das elisabethanische Volkslied „Greensleeves“ als wie in Tränen aufgelöste Elegie vorüber. Keyboard, Klarinette (Eugen Wall und Scharnowski), Violine (Michael Nestler), Gitarre und Bass (Daniel Harter und Jan Primke) begleiteten den Gesang von Maren Stirba und Jelena Scharnowski.

Die Weihnachtsgeschichte begann mit dem Aufbruch der Heiligen Drei Könige, um mit der Volkszählung des Augustus in ihren chronologischen Verlauf einzubiegen. Irgendwo fiel ein Satz nüchterner Fassungslosigkeit: „Du verlässt für uns den Himmel – wer kann das verstehen?“ Auf der Leinwand hinter dem Altar wechselten Zeichnungen, Bilder und Liedtexte, schemenhaft zeichneten sich etwa Globus und beth­lehemsche Stallszene ab. Das auf den Portalfliesen und im Seitengang aufleuchtende „Ihr seid das Licht der Welt“ schien als Mantra des Abends zu gelten – man nahm es wie unverdienten Trost. Weihnachten 2021 – eine Verheißung zwischen Therapie, Hypnose und Narkose.

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