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Theaterprojekt für Grundschüler im TPZ

Flüchtlingskinder reden miteinander wie im Märchen

Münster

Grundschulkinder spielen im Theaterpädagogischen Zentrum Theater: Das ist vor allem deshalb etwas Neues, weil die meisten von ihnen vor Kurzem noch kein Wort Deutsch sprachen. Sie sind aus der Ukraine nach Münster geflüchtet.

Von Klaus Möllers

Im Theater-Projekt kamen Kinder aus der Ukraine, die teils verschiedener ethnischer Herkunft sind, zusammen. Sie alle besuchen zurzeit Grundschulen in Münster. Foto: klm

Rapunzel hat zwei Schwestern. Sie selbst wird in den Wald zu einem Drachen entführt. Hinter der Tat steckt der eifersüchtige Wolf, der eigentlich auch bloß schönes langes Haar wie Rapunzel haben möchte . . . An mehrere Märchen erinnerten die Hauptfiguren eines Stücks, das im Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) jetzt mit Flüchtlingskindern aus der Ukraine aufgeführt wurde.

„Rapunzel und der Wolf“ nennen die Kinder und die Leiterinnen des Projekts „Spielerisch – miteinander Sprache lernen“ das Stück. Zehn Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zehn Jahren, die zurzeit Grundschulen in Münster besuchen, nehmen daran teil.

„Wir haben Mitte Oktober begonnen – dazu gehörten ein Mal pro Woche und an einem Wochenende Übungen und Spiele zum Theatermachen. Es hat geholfen, Sprachbarrieren abzubauen und dass wir uns als Gruppe zusammengefunden haben“, schilderte Charlotte-Anna Frevel dem Publikum. Einige Kinder seien erst seit wenigen Monaten in Deutschland, erklärte die Theaterpädagogin und Bildende Künstlerin am TPZ.

Manche Darsteller sprachen auf der Bühne so gut Deutsch wie Einheimische, andere mit deutlich wahrnehmbarem Akzent. Zwei Kinder übernahmen ergänzend Rollen als Erzähler, erklärten Teile der Geschichte auf Deutsch beziehungsweise auf Russisch.

Russisch können irgendwie alle

Die Gruppe habe sich auf Russisch als Hauptsprache bei den Vorbereitungen geeinigt, so Sara Sofie Farwig, Theaterpädagogin und Schauspielerin am TPZ. Zur Ausgangslage des Projekts gehörte nämlich auch, dass nicht jedes Kind und dessen Familie ukrainischer Herkunft ist. „Sie lebten alle in der Ukraine und sind wegen des Kriegs geflüchtet, das verbindet die Menschen. Teils sind die Familien aber Bewohner der Ukraine mit russischer oder tschetschenischer Herkunft“, so Farwig.

Das Stück sei gemeinsam aufgebaut worden – „alle Kinder konnten ihre eigene Märchenfigur entwickeln, beschreiben und einbringen“, legte Frevel den Besuchern dar. Die sprachliche Kluft überbrückte demnach eine der Mütter, Liliya Choubine, mit Übersetzungen Russisch-Deutsch und umgekehrt. Ihre Zwillinge spielten im Stück mit.

Möglich geworden war das Projekt dank großzügiger Sponsoren. Das TPZ strebe an, das Projekt fortzuführen, hieß es. Erst einmal habe man aber keine weiteren Mittel dafür.

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