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Mehr Belästigungen nach Randale-Nächten am Aasee gemeldet

Frauen-Notruf schlägt Alarm

Münster

Mehr Belästigungen gemeldet: Nach den Randale-Nächten am Aasee an zwei Juni-Wochenenden haben sich zahlreiche Frauen beim Frauen-Notruf Münster gemeldet. Sie berichteten von Belästigungen und sexualisierter Gewalt.

Von Pjer Biederstädt

Machen sich stark für mehr Sicherheit für Frauen (v.l.): Foto: Pjer Biederstädt

Müll, Lärm, Randale – die Bilanz der Chaosnächte am Aasee an zwei Juni-Wochenenden fiel verheerend aus. Was in dieser Bilanz allerdings fehlte, alarmiert jetzt den Frauennotruf Münster.

„Wir haben direkt nach den Wochenenden verstärkt Rückmeldungen von Frauen bekommen, die sagten, dort belästigt worden zu sein“, sagt Gerlinde Gröger, Leiterin der Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster. Das Anruferaufkommen habe sich als Folge der Partynächte verdoppelt, ergänzt Grögers Kollegin Daniela Stöveken.

Neue Dimension der Belästigungen

Besonders erschreckend: „Die uns gemeldeten Vorfälle haben eine neue Dimension“, so Stöveken. Der Beratungsstelle seien nicht nur zahlreiche verbale Belästigungen gemeldet worden, sondern auch sexualisierte Gewalt – bis hin zur Vergewaltigung.

Am Aasee kam es am 12. Juni zu massiven Ausschreitungen. Die Partyszene hatte sich dort versammelt, später eskalierte die Situation, die Polizei musste eingreifen. Foto: Timo Gemmeke

Deshalb intensiviert der Frauen-Notruf jetzt seine Kampagne „Frauen sicher unterwegs“. Das Konzept: Frauen und Mädchen können die pinken, nachts reflektierenden Aufkleber der Beratungsstelle an ihre Fahrräder anbringen oder die ebenfalls nachts leuchtenden Armbänder tragen, um anderen Frauen zu signalisieren, dass sie für andere ansprechbar sind und dass „man beispielsweise ein Stück gemeinsam mit dem Fahrrad fahren kann“, wie Gröger sagt.

Notrufnummer für akut Betroffene

Die Kampagne steht für Solidarität von Frauen und Mädchen untereinander und dient der Stärkung des Sicherheitsgefühls von Frauen und Mädchen, die im öffentlichen Raum unterwegs sind.

Kleine Päckchen mit den pinken Utensilien und Tipps, wie sich Menschen, die solche Geschehnisse beobachten, richtig verhalten, können an der Beratungsstelle kontaktlos abgeholt werden. Sie stehen vor dem Hauseingang der Beratungsstelle an der Heisstraße 9. Darüber hinaus gibt es das Zubehör in kooperierenden Geschäften, wie etwa dem Secondhand-Laden „Lieblingsstücke“ an der Warendorfer Straße 16 oder dem Fahrradgeschäft „Drahtesel“ am Servatiiplatz. Die Liste mit allen Läden hat der Frauen-Notruf auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Betroffene können außerhalb der Sprechzeiten des münsterischen Notrufs die bundesweite Notrufnummer (08000 116 016) wählen. Denn die Partynächte sind durch die Gegenmaßnahmen am Aasee nicht vorbei, die Szene verlagert sich. Die Gefahr bleibt.

Sperrung am Aasee

Die Stadt sperrt am Samstagabend erneut die Aaseewiese und Teile des Ufers. Die Entwicklung in den vergangenen Wochen sei nicht vergleichbar mit der Situation der Vorjahre, sagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Für die künftige Nutzung seien neue Festlegungen zu treffen. Neben der Müllfrage seien das Toilettenangebot, die Beleuchtung schlecht einsehbarer Stellen und auch verkehrliche Fragen mit verschiedenen Nutzergruppen zu diskutieren. Wann die Wochenendsperrungen am Aasee zurückgenommen werden, hänge von der weiteren Lageentwicklung ab. Sie sind bis zum 18. Juli geplant.

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