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Übungsgelände Dorbaum und Handorf-Ost

Freizeitspaß inmitten von Munitionsresten

Münster

Reiter, Radler und Kradfahrer nutzen den Truppenübungsplatz Handorf-Dorbaum gern als „illegalen Abenteuerspielplatz“. Weil im Boden noch Munitionsreste schlummern und Soldaten dort täglich trainieren, ist das Betreten des weitläufigen Areals lebensgefährlich, so die Bundeswehr.

Helmut P. Etzkorn

Landschaftlich reizvoll und dennoch für ungebetene Besucher gefährlich: Der Truppenübungsplatz Dorbaum ist grundsätzlich gesperrt. Dennoch treffen die Feldjäger bei ihren Streifengängen immer wieder auf Reiter, Mountain-Biker und Menschen, die dort mit Geländemaschinen unterwegs sind. „Lebensgefährlich“, sagt die Bundeswehr. Foto: hpe

Der Fahrer des schweren Militär-Lastwagens rollt aus einem kleinen Seitenweg vorbei an Büschen und Strauchwerk auf die unbefestigte Straße. Kommt dort jetzt ein Reiter oder Mountainbike-Fahrer, ist der Unfall vorprogrammiert. „Da haben unsere Soldaten keine Chance, weil sie in dem Übungsgebiet einfach nicht mit Zivilisten rechnen“, sagt Kasernen-Oberstabsfeldwebel Maik Kues.

Gesperrtes Terrain als Abenteuerspielplatz 

Er ist verantwortlich für alles, was sich legal oder eben trotz Verbots auf den Truppenübungsplätzen Dorbaum und Handorf-Ost an der Lützow-Kaserne bewegt. Und das sind zum Leidwesen der Bundeswehr eben nicht nur Uniformierte, die dort beispielsweise aktuell für den Geländeeinsatz in Afghanistan mit Kettenfahrzeugen trainieren, sondern eben auch Jogger, Radler, Spaziergänger mit Hund, Reiter und Motorradfreaks, die regelmäßig das gesperrtem Terrain als Abenteuerspielplatz für ihre Geländemaschinen nutzen.

Bußgelder und Verwarnungen

Zäune werden demoliert oder einfach umgangen, Warnschilder missachtet. Seit Januar haben Feldjäger bei Patrouillen schon 30 ungebetene Gäste aufgespürt. Die Dunkelziffer ist mindestens zehn mal so hoch. „Zunächst gibt es eine freundliche Verwarnung, dann aber sind 65 Euro fällig“, sagt Dorbaums Bundesförster Christian Melchior. Der Aufseher über 450 Hektar Wald- und Grünfläche ärgert sich über Hunde, die Bodenbrüter aufscheuchen und Rehkitze vertreiben.

Bundesförster Christian Melchior

„So komisch das klingt, aber an den Übungslärm der Truppe haben sich die Tiere hier gewöhnt. Die Unruhe bringen Fremde, die hier nicht hingehören“, so Melchior. Munitionsreste, gesprengte aber nicht entsorgte Bomben und unterirdische Zisternen auf Flächen, wo früher einmal Bauernhöfe standen, sind laut Hubertus Hermanns, Chef der Bundeswehr-Geländebetreuung, „lebensgefährlich“.

„Ein Stich mit dem Spaten in den Boden auf den Zünder kann reichen, dann knallt es“, meint Hermanns. Und weil der Übungsplatz entgegen vieler Einschätzungen aus der Bevölkerung fast täglich von Soldaten genutzt wird, sollte sich jeder an das Betretungsverbot halten.

Wandern am Wochenende erlaubt

Um das Gelände für die Biker unattraktiv zu machen, zerstören die Panzer bei ihren Übungsfahrten regelmäßig Sprunghügel und Rampen, die von den illegalen Gästen angelegt oder ausgebaut werden. „Wir appellieren an die Vernunft der Leute, mehr können wir nicht tun“, so Kues. Das Gelände mit einem hohen Zaun einzufrieden, wäre nicht nur zu teuer, sondern ist auch gar nicht gewünscht. „Ein Naturparadies, das so erhalten bleiben sollte“, meint Melchior.

Und für Handorf-Ost gibt es eine Ausnahme. Außerhalb der Übungszeiten darf abends und am Wochenende auf den Wegen gewandert werden.

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