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Theater XS zeigt in der Meerwiese das Stück „Hinterhof“

Frühlingserwachen nach Corona

Münster

Das Stück „Hinterhof“ spielt an einem der ersten warmen Frühlingstage nach einem langen Corona-Winter. Langsam kommen alle wieder aus ihren Wohnungen hervor. Wir waren bei der Premiere in der Meerwiese dabei.

Von Helmut Jasny

Endlich Frühling: Im „Hinterhof“ erwacht nach Corona neues Leben. Foto: Louise Melzow

Hinten eine Wäscheleine mit Bettlaken und einem roten Kleid, daneben ein paar kümmerliche Pflanzen und eine Bank zum Sitzen. Natürlich fehlt die obligatorische Mülltonne nicht. Und weil wir in Münster sind, steht auch irgendwo ein Fahrrad rum. Es ist ein typischer Hinterhof, den das theaterXS in das Begegnungszentrum an der Meerwiese gebaut hat. Und genau so heißt auch das Stück, das Theaterleiterin Stefanie Bockermann am Samstag mit einem 10-köpfigen Ensemble junger Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bühne brachte.

„Hinterhof“ spielt an einem der ersten warmen Frühlingstage nach einem langen Corona-Winter. Langsam kommen alle wieder aus ihren Wohnungen hervor. Das Publikum lernt Hamlet kennen, eine junge Dichterin, die standesgemäß im Dachgeschoss wohnt. Im Erdgeschoss siedelt die Familie Samsa mit ihrer Tochter, die sich während des Lockdowns in einen Käfer verwandelt hat. Herr Woyzeck sitzt im Gefängnis, weil er seine Frau Marie mit dem Messer attackiert hat. Eine andere Mieterin kommt gerade aus Russland zurück, wo sie ihre Tante beim Verkauf eines Kirschgartens beraten hat.

Daneben gibt es noch eine Handvoll anderer Mieter, die literarisch nicht belastet sind. Probleme haben aber auch sie. Entweder weil die Mutter den Vater verlassen hat, wie im Falle von Alex. Oder weil die Mutter bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, wie bei der jungen Pianistin Toni. All das kommt im Stück heraus, ganz allmählich. Und genau so behutsam, wie die Probleme entwickelt werden, geht es auch an die Lösung. Diese ergibt sich letztendlich aus dem nachbarlichen Mitein­ander, das nach dem Lockdown wieder möglich wird. Hier in Form eines Grillabends, zu dem sich alle im Hinterhof treffen.

Dass der Mensch Gemeinschaft braucht, ist gerade nach Corona kein Geheimnis. Also ist es auch keine gar zu großartige Botschaft, die das theaterXS hier vermittelt. Was das Stück dennoch sehenswert macht, ist zum einen das leichte, geradezu entspannt wirkende Spiel der jungen Darstellerinnen und Darsteller und zum anderen die originelle Einbindung literarischer Figuren und ihrer Konflikte in die Lebenswelt ganz normaler Menschen. Hamlet, Gregor Samsa, Woyzeck – steckt das nicht ein bisschen in jedem von uns?

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