Impfstoffmangel: Liefermengen geringer als erwartet

Frust beim Impfstart in Betrieben

Münster

Ernüchterung bei vielen Betrieben. Die gelieferten Impfstoffdosen liegen zum Impfstart der Betriebsärzte ab dem kommenden Montag oft weit unter den bestellten Mengen. Auch bei den niedergelassenen Ärzten wird es für Erstimpfungen knapp.

Von Karin Höller

Der LVM-Betriebsarzt führt im Vorfeld der Corona-Impfung ein Aufklärungsgespräch mit einer Mitarbeiterin. Foto: LVM

Der Verteilungskampf um Impfstoff spitzt sich zu. Am kommenden Montag dürfen die Betriebsärzte mit der Corona-Schutzimpfung ihrer Belegschaften beginnen. Am Freitag endlich, zwei Tage später als angekündigt, bekamen manche Unternehmen endlich die Info, wie viel Impfstoff ihnen ab Montag zur Verfügung steht. Ernüchterung ist eingetreten – es wird nur ein Bruchteil der bestellten Mengen geliefert. „Wir erhalten nur knapp 90 Impfstoff-Dosen, hätten aber Kapazitäten, um zum Auftakt 500 Personen zu impfen“, erklärt der Sprecher der LVM-Versicherung, Daniel Meyering.

Dabei hätten vorab bis zu 800 Impfdosen pro Betriebsarzt bestellt werden können. In der kommenden Woche soll deshalb in der mit großem Aufwand aufgebauten Impfstraße bei der LVM vor allem das Kantinen-Personal geimpft werden. Eben jene, die den größten Kundenkontakt haben. Die Homeoffice-Quote bei der großen Versicherung am Kolde-Ring liege derzeit bei 80 Prozent. Vor dem Hintergrund, dass mancher der insgesamt 3500 Mitarbeiter in Münster bereits vom Hausarzt oder im Impfzentrum den ersehnten Piks bekommen hat, geht man von einem Bedarf von 1500 bis 2000 Impfdosen aus. Meyering: „Wenn wir genug Impfstoff bekämen, könnten wir in drei Wochen durch sein.“ Doch Impfstoff ist Mangelware.

Impfstraßen unausgelastet

Bei BASF Coatings mit ihren rund 2500 Mitarbeitern am Standort Hiltrup soll der Impfstart ebenfalls am Dienstag erfolgen. Dafür wurde ein Tagungszentrum als Impfstraße umgebaut. In einem virtuellen Rundgang konnten sich die Mitarbeiter bereits mit dem Ablauf vertraut machen. Es gehe schließlich darum, von Unternehmerseite „einen größtmöglichen Beitrag zu leisten, sie vor Ansteckungen zu schützen“.

So sieht man es auch bei der Westfalen AG, wo für 250 Mitarbeiter am Standort Münster ein Bedarf ermittelt worden sei. „Wir begrüßen das betriebsärztliche Impfen sehr und würden gerne jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin impfen – sofern Bereitschaft dazu besteht. Aktuell wissen wir allerdings immer noch nicht genau, wann wir wie viele Impfdosen von welchem Hersteller bekommen“, bedauert Westfalen-Vorstand Dr. Meike Schäffler am Freitagnachmittag. Bei Brillux hofft man noch, am Montag möglichst vielen der Interessenten ein Impfangebot machen zu können. Die Vorkehrungen seien jedenfalls getroffen, „sodass zur Verfügung stehende Impfdosen auch kurzfristig durch unseren Betriebsarzt verimpft werden können“, heißt es.

Als eines der ersten Unternehmen im Münsterland hat hingegen der Anbieter von Blumenerde, Dünger- und Pflanzenschutzprodukten Compo bereits begonnen, seine Belegschaft zu impfen. Nach eigenen Informationen seien am Mittwoch 60 Mitarbeiter am Hauptsitz in Münster mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft worden. „In Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister konnte ein Arzt die Impfungen in dem im Mai eingerichteten Corona-Testzentrum verabreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Nur 102 Impfdosen pro Betriebsarzt

Nach Informationen der Stadt Münster wurden jedem Betriebsarzt mindestens 102 Impfdosen für die nächste Woche zugesichert – 702 000 Dosen deutschlandweit, die von Apotheken aus einem gesonderten Topf geliefert werden.

Zum Vergleich: Die niedergelassenen Ärzte sollen in der kommenden Woche 3,4 Millionen Dosen erhalten. Jeder niedergelassene Arzt konnte nach Informationen der KVWL für die nächste Woche maximal 18 Dosen Biontech-Impfstoff ordern, von Astrazeneca maximal 20 Dosen. Für Johnson & Johnson habe es bei der Bestellung bislang keine Obergrenzen gegeben. „Die letztendliche Lieferung an die Praxen kann individuell jedoch sehr unterschiedlich sein“, heißt es auf Anfrage. Und da derzeit nur sehr wenige Impfstoffdosen für Erstimpfungen zur Verfügung stehen, könne es sein, „dass bereits vereinbarte Termine wieder abgesagt werden müssen, wenn die Ärzte weniger Impfstoff als erwartet erhalten“.

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