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Fürs Studieren ist es nie zu spät

Mit über 50 Jahren Bachelor-Absolventin

Münster

Normalerweise sind Studierende halb so alt wie Nashmil Eshagi. Die Münsteranerin mit kurdischen Wurzeln hat sich mit über 50 Jahren trotzdem eingeschrieben. Und mittlerweile den Bachelor-Abschluss geschafft.

FOM-Absolventin Nashmil Eshaghi – hier bei der Abschlussfeier – hat bewiesen, dass man auch in fortgeschrittenem Alter noch einen Studienabschluss schaffen kann. Foto: FOM

Mit über 50 noch ein Studium beginnen? Warum nicht, dachte sich Nashmil Eshaghi und schrieb sich für den berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang „Business Administration“ an der FOM Hochschule in Münster ein. Die Dolmetscherin mit kurdischen Wurzeln fühlte sich mit Anfang 50 beruflich noch nicht angekommen und verlieh ihrer Bildungsbiografie – mit einem „Bachelor of Arts“-Abschluss – eine neue Facette, berichtet die FOM-Hochschule, die auch in Münster einen Standort an der Loddenheide hat.

Als Tochter einer politisch und sozial engagierten Familie wurde der gebürtigen Iranerin früh mit auf den Weg gegeben, wie wichtig Bildung für die berufliche und soziale Zukunft ist. Von den Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend im Iran geformt und aufgewachsen in einer von Traditionen geprägten Gesellschaft, entwickelte Nashmil enormen Ehrgeiz.

„Neben politischer und sozialer Gerechtigkeit waren Bildung und die finanzielle Unabhängigkeit meine wichtigsten Ziele und mein Antrieb. Meine Mutter hat immer gesagt, dass ich mich weiterbilden muss, um finanziell von niemandem abhängig sein zu müssen. Dazu habe ich auch meine Kinder ermutigt“, sagt sie.

Im Iran wurde ihr der Zugang zum Hochschulstudium verweigert

Im Iran wurde ihr der Zugang zum Hochschulstudium verweigert. 1989 in Münster angekommen lernte sie sofort die deutsche Sprache, um in Münster Fuß fassen zu können. Nach mehreren organisatorischen und buchhalterischen Tätigkeiten schlug Nashmil einen neuen Weg ein: „Ich habe eine Weiterbildung als Assistentin für Büro- und Telekommunikation abgeschlossen, dann zehn Jahre später noch eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin.“

Außerdem kümmerte sie sich als Nachhilfelehrerin ehrenamtlich um Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus Problemvierteln. Sie weiß aus eigener Erfahrung: „Kinder mit Migrationshintergrund müssen sich mit guter Bildung in der Gesellschaft durchsetzen.“

Diese Arbeit hat die zweifache Mutter nochmals motiviert, sich praktisch und theoretisch weiterzubilden, so dass sie sich für das Studium an der FOM anmeldete. „Mit dem Studium habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt sie rückblickend.

Junge Kommilitonen wollten ihre Notizen haben

Auf ihre Studienzeit blickt die Absolventin zufrieden zurück: „Junge Kommilitoninnen und Kommilitonen sind auf mich zugekommen und wollten meine Notizen haben. Die haben gemerkt, dass ich was draufhabe und als ältere Studentin keine Last für die Gruppe bin. Ich konnte mich als Teammitglied vollwertig einbringen.“

Heute ist Nashmil zertifizierte und vereidigte Dolmetscherin und arbeitet unter anderem auch als Übersetzerin bei Gericht. Ob sie all das auch ohne den Bachelorabschluss an der FOM geschafft hätte, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall war und ist das Wissen aus dem Studium für Nashmil hilfreich: „Ein Studium bringt einen immer weiter – das ist wie Bücher lesen. Durch viel Wissen und gute Bildung kommt man im Leben voran.“

Wie es für Nashmil weitergeht und ob sie noch ein Masterstudium anschließt? „Ich möchte mich immer noch weiterentwickeln und weiterkommen.“

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