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Zukunftsforum vor G7-Treffen

Baerbock und Blinken und das deutsch-amerikanische Hochgefühl

Münster

Diese Debatte im Vorfeld des G7-Außenministertreffens in Münster setzte einen neuen Ton.  Bundesaußenministerin Annalena Baerbock spricht vom transatlantischen Momentum. Und ihr US-Amtskollege Antony Blinken nickt ihr ­beipflichtend zu.

Annalena Baerbock und Antony Blinken im Hotel Atlantic. Foto: dpa Foto: Rolf Vennenbernd

Es war ein Auftritt, der vom Anfang bis zum ­Ende zeigte: Die transatlantischen Beziehungen sollen zu neuen Ufern gebracht werden. Im glamourösen Umfeld hoch oben im sechsten Stock des Hotels Atlantic in Münster betonte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock vor rund 100 Expertinnen und Experten: „Dies ist das transatlantische Momentum!“ Und immer wieder nickte ihr US-Amtskollege Antony Blinken ­beipflichtend zu bei ihrem fast 20-minütigen Eingangs­statement.

Es war eine völlig neue Rollenverteilung, die sich bei der Auftaktveranstaltung des deutsch-amerikanischen Zukunftsforums offenbarte. Die USA nicht als belehrender „Big Brother“. Und auch keine Dauerkritik an Berlins fehlendem Einsatz wie unter Donald Trump, als die transatlantischen Beziehungen merklich gelitten hatten. Blinken überließ Baerbock den ganz großen Auftritt. Er wirkte sichtlich zufrieden damit, die sehr engagierte deutsche Chefdiplomatin als selbstbewusste Partnerin in Europa zu erleben, die ihre Führungsrolle mit Begeisterung annimmt.

Kampf gegen gezielte Desinformationen im Netz

Es war ­sicherlich auch kein Zufall, dass dieses Meeting dem G7-Außenministertreffen direkt vorgeschaltet wurde. Die starke transatlantische Freundschaft – und speziell die engen Bande zwischen den beiden Chefdiplomaten – sollte den Rahmen bilden. Bestehende Differenzen über den militärischen Beitrag Deutschlands in der Ukraine oder die Chinapolitik von Kanzler Scholz kamen nicht zur Sprache.

Aus Baerbock sprudelte es in perfektem Englisch heraus: „In dieser schwierigen Situation stehen wir enger zusammen als je zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges“, betonte sie. Der russische Angriffskrieg sei blanker Horror, aber auch eine riesige Chance für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Dabei setzte Baerbock wie üblich auf eine Mischung von persönlichen Erinnerungen und klar formulierten Aussagen. „Ich wuchs auf in Frieden. Wir nahmen ihn selbstverständlich hin, doch die USA sind unsere Garantie für ein Leben in Sicherheit, Demokratie und Frieden.“ Besonders im Kampf gegen gezielte Desinformationen im Netz sei eine deutsch-amerikanische Zusammenarbeit wichtig. „Wir sind stärker als dieser Krieg. Das ist die wichtige Botschaft dieses Treffens, die wir senden wollen.“

Chancen durch neue Medien

Blinken entgegnete, wie wunderbar es sei, „mit meiner Kollegin und Freundin Annalena“ zu kooperieren. „Es läuft unglaublich gut.“ Und: „Wir sind dankbar für die großartige Partnerschaft mit Deutschland. Keiner von uns kann das Problem in den Griff bekommen, wenn er ­allein handelt“, sagte er mit Blick auf das Thema Desinformationen im Netz. Der US-Außenminister betonte stärker als Baerbock die Gefahren durch moderne Technologien. Er warnte vor einem „Informationsdschungel“ in einer Welt ohne seriöse Medien, was zur Verbreitung von gefährlichen „Fake News“ führe. Sprach er damit indirekt die schwierige Situation der Demokratischen ­Partei, der er angehört, vor den US-Zwischenwahlen am Dienstag an? Sie fürchtet ­aktuell eine Niederlage im Kongress – auch wegen gezielter Desinformationskampagnen von Trump & Co im Netz.

Baerbock setzte mehr auf die Chancen durch neue Medien. Sie betonte den Stellenwert von Bildung und Er­ziehung in Ländern des globalen Südens. Wenn es keine Lehrer und Schulen gebe, aber Internetverbindungen, könne man rasch etwas be­wegen: „Ich möchte an eine bessere Zukunft glauben.“ Die Hauptaufgabe sei es nun, „eine noch stärkere trans­atlantische Beziehung für das 21. Jahrhundert aufzubauen“, so Baerbock.

Alle grundlegenden Informationen zum G7-Treffen in Münster finden Sie auf unserer Special-Seite. Und unter folgendem Link steht das gesamte WN-Angebot vier Wochen kostenfrei zur Verfügung: wn.de/digitalbasis

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