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Kongress der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft

Geballtes Wissen rund um den „Rücken“

Münster

Rückenleiden sind eine Volkskrankheit. Entsprechend wichtig ist das Thema, zu dem sich rund 1000 Teilnehmer beim Fachkongress der Deutschen Wirbelsäulengemeinschaft in der Halle Münsterland versammelt haben.

Von Karin Völker

Prof. Dr. Ulf Liljenqvist, Chefarzt im Franziskus-Hospital Münster und Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft, eröffnete am Donnerstag den Fachkongress der Gesellschaft mit rund 1000 Teilnehmern vor Ort in der Hale Münsterland. Foto: Lohmeier

Es gab zuletzt nicht viele Gelegenheiten, bei denen in der Halle Münsterland bei einem Kongress um die 1000 Teilnehmer leibhaftig zusammenkamen. Die Zunft der Wirbelsäulenspezialisten wagt seit Donnerstag den ganz realen Austausch in großer Runde – eingeladen dazu hat der Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft, Prof. Dr. Ulf Liljenqvist, Chefarzt im Franziskus-Hospital Münster.

Die Mediziner tagen unter dem strengen Hygienereglement „2G plus“ – die Teststation vor der Halle Münsterland war bereits seit 7 Uhr am Donnerstagmorgen belagert, erzählt Liljenqvist. Der Aufwand ist gerechtfertigt, denn „Rücken“ ist in der Medizin ein Thema, mit dem fast jeder Mensch früher oder später leidvolle Bekanntschaft macht.

Noch einmal 100 Teilnehmer nehmen digital teil

Wobei Liljenqvist und seine Kollegen – etwa weitere 1000 sind digital zum hybrid stattfindenden Kongress zugeschaltet – als Wirbelsäulenchirurgen zum Einsatz kommen, wenn ein Rückenleiden dramatische Ausmaße annimmt. Die Schwerpunktthemen des bis Samstag dauernden Kongresses sind kindliche Wirbelsäulendeformitäten und ihre Behandlung sowie Tumoren an der Wirbelsäule, deren Operation bekanntlich „immer heikel“ sei, wie Liljenqvist sagt.

Das dritte Hauptthema der Tagung ist ein gesellschaftspolitisches: Die laut Liljenquist zu 80 Prozent männliche Zunft der Wirbelsäulenchirurgen diskutiert über Wege, künftig weiblicher zu werden, sprich mehr Kolleginnen zu gewinnen. Es mangele nicht an im Medizinerberuf ausgebildeten Frauen, betont der Kongresspräsident, denn 70 Prozent der Medizinstudierenden sind heute weiblich. Chirurginnen, erst recht im Bereich Orthopädie, werden von ihnen nur sehr wenige – mit Blick auf die weiterhin wenig planbaren Dienstzeiten. Bei der Debatte zu diesem Thema blicken die Ärzte auch über den Tellerrand des eigenen Berufs hinaus, holen sich Expertise etwa von der Lufthansa, die darüber berichtet, wie sie den Anteil der Flugkapitäninnen steigert.

Nicht jeder Bandscheibenvorfall muss operiert werden

Zurück zu Volkskrankheiten in Sachen „Rücken“: Beim weit verbreiteten Leiden Bandscheibenvorfall griffen die Wirbelsäulenchirurgen heute weitaus seltener zum Skalpell als in früheren Jahren, sagt Ulf Liljenquist, nur etwa jeder zehnte Patient müsse operiert werden. Beim Kongress geht es deshalb auch um die Bereiche Pflege und Physiotherapie. Gesunder Lifestyle sei das eine, also vorbeugend ausreichend Bewegung und Normalgewicht. „Aber die Genetik spielt auch eine große Rolle“, fügt der Spezialist hinzu. Wer also familiär vorbelastet sei, solle am besten schon bei der Berufswahl auf den Rücken achten.

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