Windrad Loevelingloh wieder in Betrieb

Genehmigung ja – aber viele offene Fragen

Münster

Es dreht sich wieder: Das Windrad Loevenlingloh ist nach einem Jahr Stillstand und Verbesserungen in Sachen Lärmschutz am 4. Oktober wieder in Betrieb gegangen. Doch die Klagen der Anwohner sind keineswegs verstummt.

Klaus Baumeister

Das Windrad in Loevelingloh, hier ein Foto aus der Zeit der Abschaltung, ist am 4. Oktober wieder ans Netz gegangen. Seitdem flammt auch wieder die Lärmschutzdebatte in der Nachbarschaft auf. Foto: kb

Ein Jahr lang stand das Windrad am Standort Loevelingloh wegen Überschreiten der zulässigen Lärmbelastung still. Seit dem 4. Oktober dreht es sich wieder, nach erfolgter Überarbeitung und neuer Genehmigung. Doch sogleich bricht der alte Nachbarschaftskonflikt wieder auf – und das von der Bezirksregierung erteilte Okay wirft viele Fragen auf.

Der Reihe nach: In einer am 25. September veröffentlichten Pressemitteilung erklärte die zuständige Bezirksregierung Münster, dass der Hersteller General Electric (GE) die Anlage „programmtechnisch verbessert“ habe. Bei neuen Messungen seien die Grenzwerte eingehalten worden.

Nur Vermutungen, Nachweis fehlt

In einem Brief an die Inhaberfamilie der Spedition Hollenhorst, die in unmittelbarer Nähe des Windrades wohnt und arbeitet, klingt das anders: „Für den Nachtbetriebsmodus fehlt noch der abschließende Nachweis, dass mit der Absenkung der Rotordrehzahl der zulässige Schalldruckpegel tatsächlich eingehalten wird.“ Die von GE ergriffenen Maßnahmen seien aber „plausibel, so dass einer Inbetriebnahme keine Gründe entgegenstehen“, heißt es.

Mit anderen Worten: Die Bezirksregierung vermutet, dass nachts der Schallschutz gewährleistet ist, sie weiß es aber nicht. Auf die Frage, warum in den zwölf Monaten des Stillstandes diese Überprüfung nicht vorgenommen wurde, erklärte die Pressesprecherin der Bezirksregierung, Ulla Lütkehermölle, dass für eine entsprechende Messung eine Windgeschwindigkeit von mindestens 50 Stundenkilometer herrschen müsse – und das für einen Zeitraum von sechs Stunden.

Nicht nachgeholt

Diese Situation sei an dem Messtag, dem 7. Dezember 2018, nicht gegeben gewesen. Auf die Frage, warum diese Messung nicht in den Folgemonaten nachgeholt worden sei, sagte Lütkehermölle: „Die Anlage war nicht in Betrieb.“

Kommentar: Der nächste Testlauf

In den Unterlagen zur erneuten Genehmigung des Windrades Loevelingloh gibt es eine sehr aufschlussreiche Mail. Da teilt der Hersteller des Windrades, der Konzern General Electric, der Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde Folgendes mit: Bei neuen Windradtypen wie in Loevelingloh sei es eine „übliche Vorgehensweise“, im Rahmen der Überprüfung der ersten ausgelieferten Anlagen „Verbesserungspotenzial zu erkennen und in der Serie umzusetzen“.

Mit anderen Worten – und zugegebenermaßen etwas überspitzt ausgedrückt: Das Windrad in Loevelingloh ist eine Art Testkandidat, der Erkenntnisse liefern soll, um weitere Windräder dieses Typs etwas besser und leiser bauen zu können. Den Anwohnern, die sich seit Jahren sehr kritisch über dieses Windrad äußern, dürfte das kein Trost sein.

Die technischen Probleme, die zu einer zwölf Monate währenden Stilllegung geführt haben, wiegen um so schwerer, als auch der Standort nicht optimal ist – nur 450 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt und überdies südlich davon, also in Windrichtung. Klaus Baumeister

Dem Windrad-Betreiber, den Stadtwerken Münster, und GE sei aufgetragen worden, bei der jetzt erfolgten Wiederinbetriebnahme die Messung durchzuführen, sobald die Voraussetzungen gegeben seien. „Alle 14 Tage erwarten wir einen Bericht.“

Unangenehmer Brummton

Im Oktober 2018 war das Windrad stillgelegt worden, weil es „deutliche Auffälligkeiten in Bezug auf tonhaltige Geräusche aufweist“, so der Bericht der Bezirksregierung. Anwohner sprechen immer wieder von einem unangenehmen Brummton.

Das sagen die Anwohner

In Eidesstattlichen Erklärungen haben Angehörige der Unternehmerfamilie Hollenhorst sowie Anwohner aus dem Bereich Grafschaft, Vennheideweg und Grollheide geschildert, was die Wiederinbetriebnahme des benachbarten Windrades Loevelingloh am 4. Oktober mit ihnen gemacht hat. Die Schilderungen liegen unserer Zeitung vor und werden hier in Auszügen präsentiert:

► Frank Hollenhorst: „Unmittelbar nach der Inbetriebnahme bekam ich wieder starke Konzentrationsschwierigkeiten. (...) Die innerliche Unruhe und Gereiztheit nehmen täglich deutlich zu.“

► Reinhard Hollenhorst: „Ich verspürte in meinen Ohren einen ganz schwach hörbaren, aber deutlich fühlbaren, sehr unangenehmen Ton.“

► Cornelia Hollenhorst: „Den Ton kann ich als Summen bezeichnen.“

► Anja Hollenhorst: „Nach kurzer Zeit hatte ich einen Druck auf den Ohren. Nicht schmerzhaft, aber sehr unangenehm. (...) Vergleichbar war das Geräusch mit dem Flugzeug, das nicht weiterfliegt. (...) Es ist ein Ton, als wenn jemand dauerhaft in ein Metallrohr summt.“

► Thorsten Schaefer: „Nach der Inbetriebnahme vernahm ich sofort einen tiefen Brummton (...). Hinzu kam ein sehr hoher mechanischer Ton, vergleichbar mit einem Geräusch, als ob  Metall auf Metall schleift.“

► Kati Kniepcke: „Ich vernehme Herzrasen und Unruhe, kann mich nicht konzentrieren (...). Über den Tag verteilt habe ich Ohrenschmerzen, besonders wenn der Wind stärker weht.“

► Karsten Müller, Gisela Koller und Hermann Kleine-Wilke: „Beim Sitzen im Wohnzimmer schaut man automatisch dauernd auf die sich drehenden Rotorblätter, was man als äußerst irritierend beschreiben kann. (...) Ferner kommt es durch Spiegelungen in den Schrankscheiben zur dauerhaften Beeinträchtigung der Wohnqualität.“

Das Windrad gehört zu einem neu konzipierten Typ und leidet ganz offenbar unter dem Problem, dass bei hohen Windgeschwindigkeiten (und entsprechend schnellen Rotordrehungen) der Lärmpegel hochschnellt. Darauf reagiert GE dergestalt, dass – abhängig von der Windgeschwindigkeit – die Zahl der Drehungen begrenzt wird. Sprich: Das Windrad wird gebremst.

Die Bezirksregierung akzeptiert dieses Vorgehen, weil es dem Hersteller überlassen sei, wie er die Einhaltung der Grenzwerte sicherstelle. So richtig überzeugt zeigt sich die Behörde aber nicht. Im Hinblick auf den nicht erklärbaren Anstieg der Lärmwerte heißt es: „GE bleibt die Antwort schuldig.“

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