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Geothermie-Pläne der Stadtwerke

Warmer Bodenschatz aus der Tiefe

Münster

Sie ist klimaneutral und unbegrenzt verfügbar: Geothermie aus großer Tiefe. Die Stadtwerke stellten am Donnerstag die nächsten Schritte auf dem Weg zur Geothermie in Münster vor.

Von Martin Kalitschke

Zeigten am Donnerstag die Perspektiven für die Nutzung der Tiefen Geothermie in Münster auf: Markus Bieder (Stadtwerke Münster, r.) und Prof. Rolf Bracke (Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie, IEG

Experten sprechen von einem „warmen Bodenschatz“: Wärme aus der Tiefe ist nicht nur klimaneutral – sie ist auch unbegrenzt verfügbar. Bis sie in Münster genutzt werden kann, werden allerdings noch Jahre vergehen. Frühestens 2030, so das Ziel, soll sie bei der Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Der Weg dahin ist nicht nur lang, sondern auch teurer: Rund 30 Millionen Euro werden die Stadtwerke bis 2030 in die Vorbereitungen investiert haben.

Dennoch wollen sie diesen Weg beschreiten: „Geothermie wird direkt vor Ort gewonnen, ist unabhängig von importierten Brennstoffen und macht die Wärme zum echten Heimatprodukt“, betont Markus Bieder, Leiter Erneuerbare Wärme und Stromerzeugung bei den Stadtwerken Münster.

Vielversprechende Erdschichten

Mittlerweile hat sich der Energieversorger die exklusiven Rechte an der Gewinnung von Tiefer Geothermie bergrechtlich gesichert und zudem eine Forschungspartnerschaft mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) geschlossen. Ausgehend von ersten Ergebnissen der 2D-Seismik-Untersuchungen des Landes NRW und des Geologischen Dienstes, die im vergangenen Herbst durchgeführt wurden, haben die Partner am Donnerstag die nächsten Schritte auf dem Weg zur Geothermie in Münster vorgestellt.

„Erste Ergebnisse zeigen, dass in einer Tiefe von bis zu 6000 Metern gleich drei vielversprechende Schichten von Kalkgestein übereinanderliegen. Das ist aus geologischer Sicht eine sehr gute Ausgangslage für die Gewinnung von Geothermie“, so Prof. Rolf Bracke, Leiter des IEG. Anfang 2023 erwarten die Partner die Auswertungen des Geologischen Dienstes. Sie sollen genaue Hinweise auf die Lage der Gesteinsschichten enthalten. Ende 2023 planen die Stadtwerke eine weitere seismische Untersuchung, um das grobe Bild vom Untergrund weiter zu verfeinern. Auf deren Basis soll über den nächsten Schritt entschieden werden: eine erste Probebohrung im Jahr 2024.

Ab 2030 könnte ein Heizwerk Wärme ins Netz speisen

Verläuft sie erfolgreich, sollen weitere Planungen, Genehmigungsverfahren sowie Bohrungen folgen. Läuft auch hier alles nach Plan, könnte ab 2030 ein Geothermie-Heizwerk grüne Wärme ins Netz speisen, betonen die Stadtwerke. „Tiefe Geothermie bietet große Chancen für die klimaneutrale Wärme, aber sie ist nichts für Ungeduldige“, sagen Bieder und Bracke.

Bei der Tiefen Geothermie wird bis zu 200 Grad heißes Thermalwasser aus bis zu 5000 Metern Tiefe für die Fernwärmegewinnung genutzt. Über Bohrungen wird es an die Oberfläche gefördert. Dort wird dem Wasser Wärme entnommen und ins Fernwärmenetz eingespeist. Das abgekühlte Thermalwasser wird über eine zweite Bohrung ins Tiefengestein zurückgeleitet.

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