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Entscheidung der Bezirksregierung

Absage an Gesamtschul-Pläne in Roxel

Münster

Die Bezirksregierung hat entschieden – und die Hoffnungen, dass in Münster im Schulzentrum Roxel zum übernächsten Schuljahr eine neue Gesamtschule entstehen könnte, zunichte gemacht. Noch ist der Klageweg offen.

Von Karin Völker

Im Schulzentrum Roxel – zu sehen ist ein moderner Erweiterungsbau – darf nach der Entscheidung der Bezirksregierung keine städtische Gesamtschule errichtet werden. Die Gebäude wären sofort verfügbar, die Schule hätte zum Schuljahr 2024/254 starten können. Foto: Oliver Werner

Die Entscheidung der Bezirksregierung kam am Montag passend zum Beginn der Anmeldefrist an den beiden städtischen Gesamtschulen – mit ihren traditionell viel zu geringen Kapazitäten. Die Botschaft des Bescheids: Die Stadt Münster darf eine weitere Gesamtschule nicht im dafür bestens geeigneten und ad hoc verfügbaren Schulzentrum Roxel gründen.

Die Genehmigung widersprach dem „interkommunalen Rücksichtnahmegebot“ gegenüber der Gemeinde Havixbeck – so der Kern der Argumentation der Bezirksregierung. „Die Errichtung einer Gesamtschule an dem dafür vorgesehenen Standort in Münster-Roxel führt kausal zu einer Bestandsgefährdung der mit vier Zügen in Havixbeck und zwei Zügen in Billerbeck geführten Anne-Frank-Gesamtschule der Gemeinde Havixbeck“, heißt es in dem Ablehnungsbescheid.

Paal: „Wir bedauern die Entscheidung sehr“

Neue Gutachten zur Bevölkerungsprognose und Analysen der Schulanmeldungen führten damit für die Stadt Münster nicht zum gewünschten Ergebnis. Hier erörterte Schuldezernent Thomas Paal mit den Fraktionsspitzen am späten Nachmittag das weitere Vorgehen – vor allem die Frage, wie aussichtsreich eine Klage gegen die Entscheidung sei. Dies wolle die Stadt nun prüfen lassen, kündigte Paal an: „Wir bedauern die Entscheidung sehr, weil wir davon überzeugt sind, dass eine dritte Gesamtschule ein essenzieller Baustein der zukünftigen Schullandschaft Münsters ist und der Standort Roxel ideale Voraussetzungen dafür mitbringt.“

Kommentar: Es muss schnell gehen

Die Bezirksregierung erkennt den großen Bedarf an Gesamtschulplätzen an. Dieser sei „unbestritten“, weshalb die Behörde auch den in Münster in Gang gesetzten Schulentwicklungsplan für das gesamte Stadtgebiet und alle Schulformen begrüßt. „Diese Betrachtung bietet auch die Chance, alternative Nutzungsmöglichkeiten für das in Roxel vorhandene Gebäude in den Blick zu nehmen“, heißt es.

Enttäuschung in der münsterischen Ratsfraktion

In den Ratsfraktionen wurde die Nachricht mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Für die Grünen ist die Entscheidung „schwer nachvollziehbar“ und habe „für Münsters Eltern und die Schülerinnen und Schüler äußerst negative Folgen“. Die Entscheidung der Bezirksregierung fuße darauf, dass die Schule in Havixbeck nur bestehen könne, wenn täglich zahlreiche münsterische Schülerinnen mit dem Schulbus nach Havixbeck gefahren würden, erklären die Grünen. Gleichzeitig bedeutet die Entscheidung, dass Münster gezwungen sein könnte, trotz des Leerstands in Roxel ein neues Schulgebäude zu bauen. „Klimapolitischer Wahnsinn, haushaltspolitisch völlig irrsinnig“, so Fraktionschef Christoph Kattentidt, der meint, die Stadt müsse genau prüfen, ob sie juristisch dagegen vorgehe. Das wünscht sich auch die schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Doris Feldmann. Sie hat die Schulentwicklung in Münsters stark wachsendem Westen im Blick, wo es neben dem Stein-Gymnasium keine weiterführende Schule gibt.

Auch bei der CDU-Fraktion stößt die Entscheidung auf „Unverständnis und Kritik“, so der Vorsitzende Stefan Weber. Roxels Ratsfrau Angela Stähler sagte: „Die Entscheidung versteht niemand mehr.“

Den Ratsfraktionen, auch der FDP, ist aber klar: Unabhängig von einer Klage gegen die Entscheidung müsse sofort nach einer Alternativ-Lösung gesucht werden, heißt es von allen Seiten.

Münsters schwierige Gesamtschulgeschichte

Die Debatte um die Gründung von Gesamtschulen in Münster ist so alt, wie das Schulmodell selbst. Die bereits 1969 vom Bistum Münster gegründete Friedensschule konnte den Bedarf nach Plätzen in dieser Schulform nicht decken. Der Wunsch nach einer integrativen weiterführenden Schule wurde von SPD und Grünen immer wieder in die Debatte gebracht. Die politischen Mehrheitsverhältnisse zugunsten der gegenüber Gesamtschulgründungen ablehnenden CDU verhinderten ernsthafte Initiativen.

Dazu kam es erst, nachdem SPD und Grüne bei der Kommunalwahl 1994 die Mehrheit im Rat erobert hatten. Die Fürstenberg-Hauptschule und die Fürstin-von-Gallitzin-Realschule – heute werden beide Gebäude von der Mathilde-Anneke-Gesamtschule genutzt – sollten zur ersten städtischen Gesamtschule zusammengefasst werden. Eine Bürgerinitiative wandte sich vehement gegen die Umwandlung. Ein Bürgerentscheid im Jahr 1996 endete zugunsten der Gesamtschulgegner.

Mit der Gesamtschule Münster-Mitte wird 2012 die erste städtische Gesamtschule eröffnet. Foto: Matthias Ahlke

Erst 16 Jahre später, 2012, wurde mit der Gesamtschule Münster-Mitte die erste städtische Gesamtschule gegründet. Die Schullandschaft in der Stadt hatte sich zwischenzeitlich massiv verändert: Mangels Schülerzahlen mussten mehrere Hauptschulen aufgelöst werden. Zwischenzeitlich hatte auch die CDU im Rat erklärtermaßen ihren Widerstand gegen die Gesamtschule aufgegeben.

Gleichzeitig mit der Gesamtschule-Mitte entstand im Schulzentrum Roxel eine Sekundarschule ohne Oberstufe – damals schon notgedrungen wegen der schwierigen Genehmigungslage begründet in der Nachbarschaft zur Gemeinde Havixbeck mit ihrer bereits seit 1990 bestehenden Anne-Frank-Gesamtschule, auf die bis heute münsterische Kinder, vor allem aus westlichen Stadtteilen, ausweichen.

Im Ostviertel ging 2017 mit der Mathilde-Anneke-Schule die zweite, mittlerweile sechszügige städtische Gesamtschule an den Start. Die Nachfrage nach Plätzen in dieser Schulform kann aber weiter längst nicht gedeckt werden. Über 200 Kinder gingen in den vergangnen Jahren jeweils beim Anmeldeverfahren leer aus.

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