Beweisantrag im Missbrauchsprozess

Gutachten über Jugendamt soll verlesen werden

Münster

Erst ein neuer Beweisantrag, dann das Gutachten über Enrico L.: Am 40. Verhandlungstag gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte bestimmten Verteidigung und Sachverständige den Termin.

Dirk Anger

Am 40. Verhandlungstag wurde das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten Enrico L. (r.) erstattet, hier mit seinem Verteidiger. Foto: Dirk Anger

Ein von der Stadt Münster in Auftrag gegebenes Gutachten, das dem Jugendamt Schwächen im Umgang mit dem früher schon wegen Kinderpornografie auffälligen Adrian V. zuschreibt, könnte im Missbrauchsprozess gegen den jetzt 28-jährigen Münsteraner noch eine Rolle spielen.

Dr. Winfried Rath, Rechtsanwalt des Hauptbeschuldigten, hat die Verlesung dieses Gutachtens in dem aktuell laufenden Strafverfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte gefordert. Einen entsprechenden Beweisantrag stellte er am Donnerstag. Mit Hilfe des Gutachtens will die Verteidigung beweisen, dass eine fehlende Betreuung durch das Jugendamt seinem Mandanten Adrian V. die Missbrauchstaten erleichtert hätten.

Gutachten über Enrico L. aus Schorfheide

Am 40. Verhandlungstag erstattete die psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten zu Enrico L. aus Schorfheide in Brandenburg. Dieses fand aber zum Schutz intimer Details unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Die Sachverständige attestierte dem Familienvater dem Vernehmen nach eine erhebliche pädosexuelle Ausrichtung. Angesichts dessen könne man weitere Straftaten nicht ausschließen, soll es in ihrer Einschätzung geheißen haben. Damit gilt eine Sicherungsverwahrung für den 43-Jährigen nach einer Verurteilung als wahrscheinlich.

Der Angeklagte soll viele Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Seine früheren Teilgeständnisse musste er nach Vorhalten des Gerichts immer wieder nachbessern. Enrico L. hatte auch an dem Wochenende in der Kleingartenanlage in Münsters Norden teilgenommen, als Adrian V. und seine Gäste zwei Kinder bisweilen betäubt und missbraucht haben sollen. Der Angeklagte aus Schorfheide soll die Wirkung von Betäubungsmitteln zuerst an seiner eigenen Familie ausprobiert haben.

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