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Prof. Dr. Uwe Lobbedey ist mit 83 Jahren in Münster gestorben

Herausragender Archäologe Westfalens

Münster/Paderborn...

Der renommierte Mittelalter-Archäologe und Kunsthistoriker Prof. Dr. Uwe Lobbedey ist am 5. Januar in Münster gestorben. Er galt als einer der herausragenden Archäologen Westfalens, erforschte die Dome in Münster, Osnabrück und Paderborn und die Abtei Corvey. Ein Nachruf.

Johannes Loy

Prof. Dr. Uwe Lobbedey (1937-2021, links) und der damalige Paderborner Diözesanmuseumsdirektor Prof. Dr. Christoph Stiegemann bei einer Fachtagung in Corvey, 2019 Foto: Westfalenblatt

Er hat die Dome in Münster, Osnabrück und Paderborn erforscht, in Corvey gegraben und die Kenntnis über mittelalterliche Kunst in Westfalen entscheidend erweitert: Der renommierte Mittelalter-Archäologe und Kunsthistoriker Prof. Dr. Uwe Lobbedey ist am 5. Januar in Münster gestorben.

„Mit ihm verliert die Fachwelt einen herausragenden Experten, dessen Forschungen zu romanischen Sakralbauten in Westfalen und Niedersachsen grundlegend sind!“ Dies schreiben Dr. Vera Brieske, Geschäftsführerin der Altertumskommission für Westfalen, und Prof. Dr. Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen, in einem Nachruf auf Lobbedey, der auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn über 20 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung als Hauptkonservator am Westfälischen Amt für Bodendenkmalpflege wirkte.

Uwe Lobbedey wurde 1937 in Berlin geboren. Er studierte zwischen 1956 und 1963 in Hamburg und Freiburg Kunstgeschichte, Geschichte, Klassische Archäologie, Lateinische Philologie sowie Ur- und Frühgeschichte. Dieses breite wissenschaftliche Spektrum legte die Basis für sein späteres Berufsleben als Experte archäologischer Bauforschung. 1963 erfolgte die Promotion in Kunstgeschichte in Hamburg mit der Arbeit „Untersuchungen zur mittelalterlichen Keramik in Südwestdeutschland“, ein Thema, das man heute eher im Fachbereich Archäologie ansiedeln würde. Nach einem Volontariat beim Landeskonservator Rheinland in Bonn war Lobbedey von 1965 bis 1980 beim Westfälischen Amt für Denkmalpflege angestellt. 1981 wurde er Hauptkonservator am Westfälischen Amt für Bodendenkmalpflege und war dort bis zu seiner Pensionierung 2002 tätig. Bereits von 1975 bis 1977 und ab 1993 nahm er Lehraufträge am Institut für Kunstgeschichte der Universität Münster wahr und betreute bis zuletzt Dissertationsvorhaben. 1997 wurde er für seine wissenschaftlichen Verdienste im Bereich der mittelalterlichen Architektur und der archäologischen Bauforschung sowie für seine Lehrtätigkeit zum Honorarprofessor ernannt.

Zu seinen wichtigsten Grabungen in Westfalen zählen die Untersuchungen an und in den Sakralbauten von Corvey, Enger, Herford, Meschede, Minden, Paderborn und Nottuln sowie in der Bergbauwüstung Altenberg im Siegerland.

Lobbedey hinterlässt eine beeindruckende Zahl an Publikationen. Sein Buch „Romanik in Westfalen“ (1999) gilt bis heute als ein wichtiges Standardwerk. Unvollendet bleiben nun seine bis zuletzt intensiv verfolgten Studien zum Damenstift Herford und zur Baugeschichte des Westwerks der Abtei Corvey, die ihm besonders am Herzen lag.

Für sein wissenschaftliches Lebenswerk wurde ihm 2002 der Gallitzin-Preis verliehen. Er war seit 1973 Mitglied der Historischen Kommission und seit 1976 der Altertumskommission für Westfalen. Noch 2019 zählte Lobbedey zu den fast 140 Teilnehmern eines Symposiums in Corvey, mit dem unter anderem das Erzbistum Paderborn und die Deutsche Unesco-Kommission die ambitionierten Pläne zur didaktischen Erschließung dieses Leuchtturms und Weltkulturerbes vorantrieben.

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