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Missbrauchsfall von Münster

Hinweise auf mögliche weitere Opfer

Münster

Im Missbrauchsfall Münster sind zwei weitere mögliche Opfer bekannt geworden. Zwei Väter hätten Anzeigen erstattet, dass ihre Söhne von in dem Fall bereits Beschuldigten unsittlich berührt worden seien, berichtete ein Sprecher der Polizei Münster am Dienstagmorgen. Die Anzeigen richteten sich nicht gegen den 27 Jahre alten Hauptverdächtigen aus Münster.

dpa

Diese Laube in der Kolonie ist einer der Tatorte in einem Missbrauchsfall, in der die Ermittler u.a. Festplatten und Videokameras fanden. Die Polizei in Münster ist auf ein professionell verschleiertes Kindesmissbrauchsnetz gestoßen und hat in mehreren Bundesländern elf Verdächtige festgenommen. Foto: Guido Kirchner/dpa

Die Kinder seien im gleichen Altersrahmen wie die bisher bekannten drei Opfer - also zwischen fünf und zwölf Jahren. Weitere Einzelheiten nannte der Sprecher zunächst nicht. Bislang gab es in dem am Wochenende öffentlich gewordenen Fall Festnahmen von elf Tatverdächtigen aus mehreren Bundesländern, sieben sind in Untersuchungshaft. Zuvor hatte RTL über weitere mögliche Opfer berichtet.

Reul und Rörig für härtere Strafen gegen Kindesmissbrauch

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) fordert als Konsequenz aus dem Kindesmissbrauchsfall in Münster bei den Höchststrafen für solche Täter eine Verdoppelung. "Kindesmissbrauch wurde bisher behandelt wie Ladendiebstahl. Und das geht nicht. Damit muss Schluss sein", sagte Reul im RTL-Frühmagazin "Guten Morgen Deutschland" (Dienstag). Missbrauch und der Besitz oder die Verbreitung von Kinderpornografie müssten wie ein Verbrechen behandelt werden. "Das bedeutet, dass man zum Beispiel bei den Höchststrafen eine Verdopplung erreichen muss."

Thema jahrzehntelang nicht ernst genommen

Reul kritisierte, das Thema Kindesmissbrauch und -pornografie sei jahrzehntelang nicht richtig ernst genommen worden. "Angefangen vom Weggucken oder Nicht-Hingucken bis hin zur Strafverfolgung." In Nordrhein-Westfalen sei der Kampf gegen diese Verbrechen nun aber ein Schwerpunkt geworden. Aber, so Reul: "Wer glaubt, dass man das Problem mal so eben nebenbei löst, hat sich total geirrt. Das geht weit in die Gesellschaft rein."

Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte ebenfalls härtere Strafen für den Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie. Diese müssten genauso hart bestraft werden wie der tatsächliche Missbrauch, sagte Rörig am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Oft gebe es dafür jedoch nur Geldstrafen - "das wird der kriminellen Energie nicht gerecht". Rörig schloss sich zudem der Forderung an, Delikte rund um Kindesmissbrauch generell härter zu bestrafen. "Das ist eine ganz wichtige Forderung."

Johannes-Wilhelm Rörig, Bundesbeauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Im Kampf gegen Kinderpornografie und -missbrauch müsse zudem die Polizei personell und technisch deutlich verstärkt werden. Die Täter gingen inzwischen vor "wie Geheimdienste". Dem müssten die Ermittler besser ausgerüstet begegnen. Rörig forderte außerdem eine gesellschaftliche Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne, um Kinder besser schützen zu können. "Der Kampf gegen Missbrauch ist eine nationale Aufgabe", so der Bundesbeauftragte.

Große Dunkelziffer

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte derweil eine Meldeverpflichtung von Kindesmissbrauchsfällen ähnlich wie in Kanada und den USA. BDK-Vorsitzender Sebastian Fiedler erklärte im ARD-Morgenmagazin, dort gebe es eine Meldeverpflichtung aller Provider an eine halbstaatliche Organisation. Dies müsse auch in Deutschland eingeführt werden. Fiedler: "Es ist doch wohl an der Zeit, dass wir auch hier jetzt deutlicher darüber sprechen, worum es hier tatsächlich geht. Das sind keine trivialen Kriminalitätsfelder, sondern sie treffen wirklich die Schwächsten der Gesellschaft und treffen wirklich ins Mark. Das ist der schwärzeste Teil der Kriminalität, den wir überhaupt nur kennen.

"Die Polizei stoße personell oft an die Grenzen. Die Beamten müssten nicht nur Bilder und Videos auswerten, sondern gleichzeitig auch noch laufende Straftaten, die an Kindern begangen würden, verhindern. Fiedler spricht von einem großen Dunkelfeld und geht davon aus, dass mindestens 100 Kinder täglich Opfer von sexuellem Missbrauch werden.

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