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Gartenakademie-Picknick für Wilm Weppelmann im WIEGA-Garten

Höchst lebendiges Vermächtnis

Münster

Mit schalkhaften Hommagen an den schalkhaften Guerilla-Gärtner erfreute und berührte das Gartenakademie-Picknick für Wilm Weppelmann die Zuschauer.

Von Wolfgang A. Müller

Auf dem Dach sitzt Gabriele Brüning, unten haben sich (v. l.) Thomas Nufer, Gudula Rosa und Hannes Demming versammelt. Foto: Wolfgang Müller

Hätte er im 13. Jahrhundert gelebt, wäre er ein Hofnarr gewesen, sinnierte Wilm Weppelmann einmal über sich. Nicht ohne zu bemerken, dass man ihn nach drei Wochen Berufsausübung wohl geköpft hätte. Im WIEGA-Aktivgarten am Rande des Wienburgparks erinnerte ein illustrer Freundeskreis aus Weggefährten und Kolleginnen an den im November verstorbenen Künstler.

Dieser behielt indes bis zuletzt seinen an Ideen prallvollen Querkopf, der dem streitenden Ehepaar Natur und Kultur Material für eigene Positionen ablauschte: der Künstler als Gärtner, der Gärtner als geradezu ursprünglicher Künstler. Wie überaus facettenreich ein derartiger Blick Leben und Welt einfangen kann, zeigte Weppelmann nicht nur alljährlich in seiner Freien Gartenakademie. Mit ihrem Mix aus Gelehrsamkeit, Bodenständigem und Unterhaltung faszinierte diese – auch wegen der Auswahl der Gäste – beispiellose Veranstaltungsreihe seit 2006 immer wieder aufs Neue, zog ein treues Publikum an sich, verband Menschen.

Das WIEGA-Gelände, das sich Leben und Lernen im Garten widmet, ist als Weppelmanns letztes größeres Projekt an sich schon lebendiges Vermächtnis. Hier ist der vielseitige Künstler ständig präsent, wie Martin Grundmann von Kulturgrün e.V. den über 100 Anwesenden erläutert. Denn hier steht unter anderem die Holzhütte, die ihm als Refugium bei seinem Selbstversorgungsprojekt auf dem Aasee diente. Hannes Demming liest dort eine so komische wie weise plattdeutsche Satire auf die Schöpfungsgeschichte: Alles begann in einem Garten, mit Gottes „Meisterwerk“, dem Westfalen. Auf dem Dach ergreift Gabriele Brüning die Ausrufer-Tute, eine von Weppelmanns Requisiten, und rezitiert dessen Hiob-Variation. Saxofonist Jan Klare und Keyboarder Oliver Siegel huldigen zärtlich mit Burt Bacharachs „Close to You“. Gudula Rosa lässt ihre Blockflöten in ungeahnte Gefilde tanzen, unterstützt Organisator Manfred Kerklau und Carsten Bender mit dunklen Resonanzen bei einer geheimnisvollen Melange von Gedichten Weppelmanns und Luise Glücks. Thomas Nufer erzählt, wie der zuvor im Verlagsmanagement tätige Freund sich nach gesundheitlichem Kollaps als freier Künstler radikal neu erfand. Und bevor Klaus-Dieter Hedwig das mit Binsenruten bewehrte Publikum choreografiert, fragt Stefan Nászay alle Versammelten: „Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Wilm Weppelmann denken?“, um daraufhin in Andacht zu versinken. Neben einem Erbsenbeet schießen Konterfeis des Künstlers selbst aus dem Boden, aufgebracht auf kleine Rotkohl-Skulpturen von Christoph Otto Hetzel, als schalkhafte Hommage an den schalkhaften Guerilla-Gärtner.

Vom 10. August bis zum 8. Oktober ist Wilm Weppelmanns letzte Arbeit, „Küste der Wörter“, im Krameramtshaus zu sehen.

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