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Nachbarschaftsgespräch Reallabor Wolbecker Straße

Im Dialog zum Verkehr von morgen

Münster

Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus in Münster? Darüber traten beim Nachbarschaftsgespräch des „Reallabor Wolbecker Straße“ verschiedene Akteure in den Dialog. Nicht alle waren einer Meinung.

Von Helmut P. Etzkorn

Sammelbecken für Ideen zum Verkehr in Münsters Osten: Noch bis zum 25. September gibt es im Stützpunkt des „Reallabors“ auf dem Rewe-Parkplatz Mitmachaktionen ähnlich dem Nachbarschaftsgespräch. Foto: Helmut P. Etzkorn

Mehr Grün, eine bessere Aufenthaltsqualität und ein Umdenken in Sachen motorisierter Autoverkehr: Das „Reallabor Wolbecker Straße“ soll in dieser Woche ein Sammelbecken für Ideen zur künftigen Gestaltung der Hauptverkehrsachse in Münsters Osten werden. Ein Puzzleteil der kritischen Bestandsaufnahme ohne Denkverbote war das „Nachbarschaftsgespräch“ am Sonntagabend auf dem Rewe-Parkplatz.

„Die Dominanz des Autoverkehrs in unserem Viertel ist Vergangenheit“, so Sascha Kullak vom bürgernahen Quartiersentwickler „Hansaforum“. Die Wege entlang der Wolbecker Straße müssen künftig für alle Menschen „sicher, bequem und mit Freude begehbar sein“, so Kullak. Lastenräder statt Lieferfahrzeuge wäre ein Vorschlag, der allerdings in der Runde nicht nur auf Gegenliebe stieß. „Soll ich meine Waschmaschinen nach Telgte mit der Leeze ausliefern?“, fragte ein Händler aus dem Viertel. Ohnehin sei der Parkraum knapp und jetzt im „Labor“ noch eingeschränkter.

Die Zeit des kostenlosen Parkens könnte enden

Für den städtischen Verkehrsplaner Michael Milde ist es ohnehin die Zeit, in der man sein Auto kostenlos an Münsters Straßen parken kann, bald beendet. Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung stehe auf der Agenda, so Milde.

Selbst im aktuellen Versuch, wo ja Radler auf der Straße fahren sollen, stören am Rand parkende Autos. Eine unaufmerksam geöffnete Fahrertür reiche zum Dooring-Unfall. Insgesamt gebe es nicht nur an der Wolbecker „zu wenig Platz für zu viele Funktionen“, so Milde.

Ideen sollen nicht in der Planung ersticken

Eine Pendlerin aus einem Dorf bei Ostbevern kritisierte den schwach aufgestellten ÖPNV im Umland. Täglich fahre sie mit dem Auto trotz der vielen Baustellen in Münsters Osten auch über die Wolbecker Straße zur Arbeit, weil die Alternative Bus oder Bahn für sie zeitlich keine sei. „Ein kostenloser Busshuttle in die City ab Stadtgrenze wäre schön“, meint sie. Dort sei ja auch Platz für Parkplätze der Pendler.

Andere Anwohner sorgten sie um die Älteren, die ihr Auto wohnortnah brauchen und beim Wegfall weiterer Stellplätze Probleme bekommen könnten. Ins Spiel gebracht wurde auch das Bahnhofsparkhaus als Stellfläche für die Wagen der Bewohner im Quartier, fast alle am Abend wünschen sich wie auch immer für die Zukunft eine „verkehrsberuhigte Wolbecker“. Und klar wird auch: Sollten die vielen Ideen und Anregungen in dieser Woche im Planungsdickicht verschwinden, wäre der Frust bei den Beteiligten groß. „So weit wird es nicht kommen, auch wir lernen dazu“, meint Milde auch mit Blick auf die gescheiterte Informationspolitik bei der Umwidmung zu Fahrradstraßen in der Vergangenheit.

Noch bis zum 25. September gibt es im Stützpunkt des „Reallabors“ auf dem Rewe-Parkplatz Mitmachaktionen und ein kostenloses Mittagsbuffet.

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